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"Drei Stufen für eine europäische Berufsbildung"

Berufsbildungsforscher kritisieren Vorschläge der EU-Kommission

02.06.2005

(bikl/idw) Die Zeiten, in denen die berufliche Bildung auf regionale Arbeitsmärkte zielte, sind vorbei. Die europäische Wirtschaftsverflechtung erfordert nationale Organisations- und Qualifizierungsformen, die internationalen Standards genügen. Die Europäische Kommission hat als Beitrag zur Schaffung eines Europäischen Berufsbildungsraum einen Qualifikationsrahmen (European Qualification Framework, EQF) entwickelt und dazu aufgefordert, diesen breit zu diskutieren.

Qualifikationshierarchien berücksichtigen

Das Institut Technik und Bildung (ITB) der Universität Bremen sieht in dem vorgeschlagenen achtstufigen Qualifikationsrahmen keine geeignete Grundlage für eine europäische Berufsbildung. "Die lineare, achtstufige Qualifikationshierarchie entspricht weder der Realität der flachen Qualifikations- und Entscheidungshierarchien moderner Unternehmen noch den Strukturen des Beschäftigungssystems", kritisiert der international hoch angesehene Berufsbildungsexperte, Professor Felix Rauner aus Bremen. Sein Institut hält dagegen einen übersichtlichen und damit faktisch auch vergleichbaren Qualifikationsrahmen mit drei Stufen für angemessen.

Berufsfähigkeit bestimmt Qualifikationsniveau

Den Grad der Berufsfähigkeit sehen die ITB-Wissenschaftler als entscheidendes Definitionskriterium für die Qualifikationsniveaus an. Sie unterscheiden die Stufen Un- und Angelernte, Beschäftigte des intermediären Bereichs (Mittelqualifizierte) und Hochqualifizierte (mit Hochschulabschluss). So lassen sich in den Augen der Bremer Berufsbildungsexperten die verschiedenen Bildungsgänge in Europa auf eine gemeinsame Plattform stellen: Denn in vielen europäischen Ländern wird in schulischen und hochschulischen Bildungsgängen zwar berufsbezogen qualifiziert, aber die Aneignung der berufspraktischen Kompetenz (Handlungskompetenz) erfolgt erst durch eine an das (hoch-) schulische Lernen anschließende Praxisphase. Anders ist dies bei dualen Formen der Berufsbildung, in denen theoretisches und praktisches Lernen integriert sind. Auf diese Weise führen duale Berufsbildungsgänge unmittelbar zur Berufsfähigkeit. Das dreistufige ITB-Modell erlaubt allen EU-Ländern mit ihren unterschiedlichen Ausbildungsgängen eine Qualifizierungszuordnung - bei aller nationaler Verschiedenheit ein Schritt zur schnellen Schaffung eines europäischen Berufsbildungsraums.

Der Wortlaut des ITB-Vorschlages "Berufsbildung in Europa" kann unter www.itb.uni-bremen.de im .pdf-Format heruntergeladen werden.


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