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Legasthenie: Methodenstreit auf dem Rücken der Kinder?

Frankfurter Rundschau: "Land unterstützt zweifelhafte Studie"

Mehr zu: Legasthenie, PISA (Studie), Rechtschreibung, Schule
11.07.2005 -

(bikl) Das Schicksal Legasthenie könnte vielen Kindern erspart bleiben. So das Ergebnis des groß angelegten hessischen Modellversuchs "Schriftsprach - Moderatoren" (bildungsklick.de berichtete darüber.) Die Studie unter Leitung des renommierten Legasthenie-Experten Dr. Gerd Schulte-Körne hatte zwei Konzepte untersucht, von der nur eines den erhofften Erfolg brachte: Lollipop, ein Lehrwerksverbund des Berliner Schulbuchverlags Cornelsen. Die Rechtschreibwerkstatt, ein Konzept des Schulpsychologen Norbert Sommer-Stumpenhorst, erwies sich hingegen als ungeeignet.

Doch Ministerium und Schulamt gehen bislang mit diesen Ergebnissen mehr als zurückhaltend um. Stattdessen, so berichtete die Frankfurter Rundschau in ihrere Ausgabe vom 9. Juli, "lässt das hessische Kultusministerium die Rechtschreibwerkstatt weiterhin testen. An der Universität Gießen untersucht eine Arbeitsgruppe um Professor Ulrich Glowalla, wie gut sich Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten durch Sommer-Stumpenhorsts Methode verhindern lassen."

"Innovationen im Lese- und Schreibunterricht (ILSU)" heißt dieses Gießener Modellprojekt. Unter der Überschrift "Land unterstützt zweifelhafte Studie" meldet die Rundschau allerdings Zweifel an der Objektivität jener an, die diese Studie derzeit erstellen. "Professor Glowallas Ehefrau ist Geschäftsführerin der Lerndesign GmbH, die Material für die "Rechtschreibwerkstatt" herstellt und dieses über den Collishop von Diplom-Psychologe Norbert-Stumpenhorst im Internet vertreibt."

In Auftrag gegeben oder nicht?

Sieht so unabhängige Forschung aus? Auch stellt sich die Frage, warum überhaupt eine zweite Studie in Auftrag gegeben wurde. Hatte vielleicht die erste Untersuchung die Überlegenheit der Rechtschreibwerkstatt beweisen sollen und man war mit dem Ergebnis nicht zufrieden?

Auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau ging das Kultusministerium jetzt auf Distanz und will gar nicht Auftraggeber der Gießener Studie sein. Auf den Interseiten der Hochschule taucht das Ministerium allerdings bis heute (11.07.2005) in eben dieser Funktion auf.

Vom Erfolg der Rechtsschreibwerkstatt war Professor Glowalla übrigens schon zu Beginn seines Forschungsprojekts überzeugt: "Ein Kind, das das Programm durchgearbeitet hat, wird keine Probleme mehr bei der Rechtschreibung haben", hatte er damals gegenüber der örtlichen Presse erklärt.

Konsequenzen ziehen

Die Ergebnisse der Marburger Studie geben keinen Anlass für diese Euphorie. Schließlich hat die Rechtschreibwerkstatt hier eine miserable Quote erzielt, im Gegensatz zu Lollipop. Daraus, so Dr. Gerd Schulte-Körne, ließen sich schon jetzt Konsequenzen ziehen. "Die Frage ist, inwieweit die Politik, die einzelnen Ministerien das umsetzen wollen."

Eine berechtigte Frage, wird doch seit der ersten PISA-Studie nahezu verzweifelt nach Methoden gesucht, wie Kinder erfolgreicher das Lesen und Schreiben lernen können. Die Marburger Wissenschaftler scheinen eine Antwort gefunden zu haben. Und die Gießener hätten wohl gern eine andere.

Weiterführende Links:

1 Kommentar (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Alfred Schulte, am 25.11.2007, 15:50

Auch in NRW ist dies nicht besser. Unser Kind soll gezwungen werden nach einer Methode zu lernen obwohl es bereits lesen und schreiben kann. Aussage der Lehrerin : Auch diese Methode muss das Kind beherrschen.

Hierzu ein Memo an die Schule.

M E M O zum Gespräch vom 23.11.2007

von : A. Schulte

Zur Methode des Schreiben- und Lesenlernens.

Herr Sommer Stumpenhorst sagte in einer Beschreibung zu seiner „Rechtschreibwerkstatt:

„Sicher ist aber, dass es den Weg zum richtigen Schreiben nicht gibt.“

Herr Sommer sagt weiter, er gehe einen anderen Weg als nach der Methode welche in üblichen Schulbüchern angewandt wird, die nach der „othografischen Stufe“ an den Fehlern der Kinder ausgerichtet ist.

Ein Bericht der Frankfurter Rundschau zeigt, dass in einer weiteren Studie die Methode des Norbert Sommer-Stumpenhorst sich als ungeeignet erwiesen hat und eine miserable Quote erzielt hat.

Fragen an Frau K: :

Warum muss unser Kind der Methode von Herrn Sommer-Stumpenhorst folgen, wenn dieser sagt, dass es den richtigen Weg zur Rechtschreibung nicht gibt?

Warum soll unser Kind gezwungen werden nach einer Methode Lesen und Schreiben zulernen, wenn sich diese so hoch gelobte Methode des Herrn Sommer-Stumpenhorst, welche zurzeit in der Schule angewandt wird, in einer neuen Studie, als ungeeignet erwiesen hat und nur eine miserablen Erfolgsquote erzielte?

Wir finden einige Punkte in der Methode Sommer-Stumpenhorst völlig falsch. Wie z. B. als Vorgabe, ein Kind schreibt wie es das Wort hört und lernt später die Regeln. Als unsinniger Zusatz wird dann gleichzeitig von ihm gefordert man müsse dann aber ein reines Hochdeutsch sprechen und auch die Wörter sehr genau aussprechen. Bitte wo in Deutschland spricht man ein reines Hochdeutsch und spricht die Wörter genau aus??? Gerade hier in NRW ist das gesprochene Deutsch eine einzige Katastrophe. Willse, hasse, kannse, und das Verschlucken vieler Endungen ist nur ein Tropfen eines riesigen Eisbergs an falscher Aussprache in unserem Bundesland.

Die eigene Erfahrung zeigt, dass einmal falsch eingeprägte Fehler, nur schwer wieder zu beseitigen sind und einem bis ins Alter begleiten. Vielmehr sollte man Fehler sofort berichtigen, sowohl bei der Sprache als auch beim Schreiben. Und zur Rechtschreibung gehören Regeln, nicht nur im Deutschen sondern auch in allen Fremdsprachen. Diese Regeln unterscheiden sich immer wieder und nur wer sie beherrscht komm der reinen Sprache sehr nahe.

Unser gerade sechsjähriger Sohn lernt die Wörter sofort richtig auszusprechen und Fehler beim Schreiben werden sofort korrigiert. Dazu gibt es dann wiederholt die entsprechenden Regeln dazu. Er fängt bereits an, Romane wie Wolfsblut mit erstaunlichem Erfolg auch bei den ihm völlig unbekannten Begriffen, laut vorzulesen. Neue Begriffe werden dann sofort hinterfragt. Hierdurch steigt auch der Wortschatz an.

Der bisherige Erfolg gibt unserer Methode Recht. Und solange man, wie die Frankfurter Rundschau schreibt, verzweifelt nach einer Methode gesucht wird, wie den Kindern erfolgreicher Lesen und Schreiben beigebracht werden kann, wenden wir weiterhin unsere Methode an. Zeigen Sie uns eine bessere Methode die schneller zum Erfolg führt und wie werden dafür offen sein.


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