Mediadaten | Impressum | Feedback | RSS | Mobil | Newsletter
Letzte Änderung: 09.09.2010, 08:47
  • Delicious_bw
  • Studivz_bw
  • Facebook_bw
  • Twitter_bw
  • Drucken_bw
  • Email_go_bw
Artikel | Bilder

"Legasthenie-Gen" identifiziert

Wissenschaftler untersuchten erfolgreich betroffene Familien

Mehr zu: Legasthenie, Stiftungen
03.11.2005 -

(bikl/idw) Etwa fünf Millionen Deutsche haben große Schwierigkeiten, lesen und schreiben zu lernen. Häufig sind gleich mehrere Mitglieder einer Familie betroffen. Den Erbanlagen scheint daher eine wichtige Rolle bei der Entwicklung Legasthenie zuzukommen. Wissenschaftler der Universitäten Marburg, Würzburg und Bonn haben jetzt zusammen mit schwedischen Kollegen bei deutschen Kindern mit einer schweren Lese- Rechtschreibschwäche erstmals den Beitrag eines spezifischen Gens nachweisen können.

Wie es genau zur Störung beiträgt, ist noch nicht bekannt. Möglicherweise spielt die Erbanlage bei der Wanderung von Nervenzellen im sich entwickelnden Gehirn eine wichtige Rolle. Die Ergebnisse werden in der Januar-Ausgabe des "American Journal of Human Genetics" erscheinen, sind aber bereits online abrufbar www.journals.uchicago.edu/AJHG.

Über mehrere Jahre hatten Kinder- und Jugendpsychiater an den Universitäten Marburg und Würzburg nach Familien gefahndet, bei denen mindestens ein Kind von einer Lese-Rechtschreibschwäche betroffen war. "In Blutproben der Familien suchten wir dann nach Kandidatengenen - und wurden schließlich fündig", erklärt der Marburger Privatdozent Dr. Gerd Schulte-Körne, der diesen Teil der Studie leitete.

DCDC2-Gen

Das Gen liegt in einer Region von Chromosom 6, die auch schon von Wissenschaftlern aus den USA und England in Zusammenhang mit der Lese- Rechtschreibschwäche gebracht wurde. Dem deutsch-schwedischen Team gelang in dieser Region die Identifizierung eines einzelnen Gens, welches bei deutschen Kindern einen wichtigen Beitrag zur Entstehung einer Legasthenie zu leisten scheint. "Dieses so genannte DCDC2-Gen spielt anscheinend bei der Wanderung von Nervenzellen im sich entwickelnden Gehirn eine Rolle", sagt Professor Dr. Markus Nöthen vom Life & Brain Zentrum der Universität Bonn, der mit seiner Arbeitsgruppe für die molekularen Arbeiten verantwortlich war.

Risiko-Kinder

Bei Legasthenikern ist das DCDC2-Gen häufig verändert. Besonders oft fand sich die veränderte Genvariante bei Kindern mit einer schweren Rechtschreibschwäche. Die Erbanlage scheint daher vor allem für die Verarbeitung von Sprachinformation beim Schreiben wichtig zu sein. Die Forscher wollen nun die Funktion von DCDC2 noch besser verstehen und im Detail aufklären, warum Kinder, bei denen dieses Gen verändert ist, ein höheres Risiko für Rechtschreibprobleme haben.

Etwa fünf Prozent aller Deutschen sind Legastheniker. Trotz guter Intelligenz und regelmäßigem Schulbesuch scheitern sie daran, Texte zu lesen und sich schriftlich mitzuteilen. Bei vielen Kindern wird die Lese-Rechtschreibschwäche zu spät erkannt - meist erst dann, wenn sie aufgrund der ausgeprägten Schulschwierigkeiten psychische Störungen entwickeln. Schulängste und Depressionen, sogar Selbstmordgedanken können die Folge sein.

Das Projekt wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft sowie die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung unterstützt.

Siehe auch

Legasthenie: Tausenden von Kindern könnte geholfen werden Legasthenie: Methodenstreit auf dem Rücken der Kinder?

0 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)

Hinweis
  • Ein Enter führt zu Zeilenumbruch.
  • Hyperlinks bitte grundsätzlich mit "http://" beginnen (also z.B. http://bildungsklick.de/).
  • Kein HTML unterstützt.

Ihr Kommentar:

Ihr Name:
Ihre E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht):
Durch die Eintragung Ihrer E-Mail erkennen Sie die Kommentarregeln an.

48ec7c32e1871244fcf2109a65b0cbca068b750a
Bitte den Text aus dem Bild eingeben:


MELDUNGEN AUS DEN RESSORTS

Hochschule

Schavan: "Das Deutschlandstipendium kommt"

Berlin, 08.09.2010. Das nationale Stipendienprogramm, oder kürzer und prägnanter: das Deutschlandstipendium, kommt. Im Sommersemester 2011 soll es an den deutschen Hochschulen mit rund 10.000 Stipendiaten starten. Am Mittwoch hatte das Kabinett beschlossen, dass der Bund den gesamten öffentlichen ...

Berufliche Bildung

Neue Berufe und neue Bücher

08.09.2010. (red) Fotomedienfachmann, Technischer Modellbauer oder Pharmakant: Zahlreiche neue Ausbildungsberufe sind in jüngster Zeit entstanden, neue Tätigkeitsprofile wurden entwickelt und auch viele "alte" Ausbildungsberufe sind inhaltlich so drastisch modernisiert worden, dass sie mit ihren ...

Sonderthemen

HRK-Präsidentin: "Heute veröffentlichte OECD-Bildungsstudie sollte den Ländern zu denken geben"

Bonn, 07.09.2010. Immer noch liegt Deutschland bei den Bildungsausgaben im Schlussfeld der OECD-Staaten, nämlich auf Rang 23 unter 27 Staaten. Das ist das Ergebnis der heute vorgestellten OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2010". Die Expansion des Hochschulbereichs hält zwar wie in den anderen Staaten ...
in
Weiter auf bildungsklick.de
Favicon Meldungen im Überblick
Aktuell
Pic_topics-16x16 OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" - Topic
Aktuell
Logo_vds_150x75 Logo_did_ver_150x75 Logo_sbp_150x75
Aktuelle Kommentare
Unser Partner in Österreich
Bildungaktuell
Das eMagazin für Management, Personalwesen und Weiterbildung