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Alles richtig? - Was Eltern beim Thema Nachhilfe beachten müssen

Mehr zu: Hausaufgaben, Jugendhilfe und Sozialarbeit, Nachhilfe, Schule
24.06.2004 -

(Eigenbericht) Fast jeder zweite Schüler greift während seines Schullebens zum Strohhalm "Nachhilfe" - mehr oder minder erfolgreich. Schätzungsweise eine Milliarde Euro investieren Eltern hierzulande jährlich in diese Art der außerschulischen Unterstützung ihrer Sprösslinge. Ein großer Markt also und einer, der nicht leicht zu durchschauen ist.

Eltern, die Erfahrung bei der Suche nach qualifizierter Nachhilfe für ihre Kinder gemacht haben, wissen meist ein Lied davon zu singen. Die erste Hürde ist, den passenden Lehrer zu finden. Dabei ist Mund zu Mund Propaganda zwar empfehlenswert, aber nicht immer erfolgreich. Denn gute Nachhilfelehrer sind schnell ausgebucht. Was dann: selbst die Nachhilfe übernehmen, ältere Schüler damit beauftragen, auf gute Lernsoftware vertrauen oder ein Nachhilfeinstitut aufsuchen? Antworten auf diese Fragen geben Walter Kowalczyk und Klaus Ottich in ihrem Ratgeber "Nachhilfe - wo sie hilft - was zu beachten ist". Als Psychologie und Lehrer verfügen die Autoren über jahrelange Erfahrung, die sie praxisnah zu vermitteln wissen.

Herr Dr. Kowalczyk, woher wissen Eltern denn, ob ihr Kind wirklich Nachhilfe braucht? Eltern, die sich um die Hausaufgaben kümmern, sehen, wie ihr Kind lernt, ob ihm die Aufgaben leicht oder schwer fallen, ob es Fehler macht aus Unverständnis oder Flüchtigkeit. Ihnen fällt dann auch die Einschätzung leichter, ob das Kind bei Schwächen weitere Hilfe braucht. Aber auch der regelmäßige Kontakt zu den Lehrkräften liefert wichtige Informationen.

Was sind Ursachen für plötzliche Leistungseinbrüche bei Kindern? Es gibt eine Vielzahl möglicher Ursachen. Möglicherweise kann der Schüler dem momentanen Unterrichtsverlauf nicht folgen, weil er große Lücken im Stoff hat, den der Lehrer als bekannt voraussetzt. Oder private Sorgen machen dem Schüler so zu schaffen, dass er sich im Unterricht nicht konzentrieren kann (Scheidung der Eltern, Liebeskummer, Geschwisterrivalität). Eventuell bekommt der Schüler die Anweisungen bei den Hausaufgaben gar nicht richtig mit. Oder er ist unselbständig, braucht Anweisungen, Kontrolle und persönlichen Kontakt. Vielleicht lässt er auch eine angemessene Arbeitshaltung vermissen, hat zu viele Freizeittermine oder leidet unter Prüfungsangst. Es könnte auch sein, dass der Schüler Lob und Anerkennung seiner Eltern vermisst.

Mit welchen Kosten müssen Eltern rechnen? Für eine Einzelnachhilfestunde durch eine Lehrkraft muss mit ca. 20 Euro gerechnet werden, bei Schülern und Studenten mit ca. 10 Euro.

Nicht alle Eltern können sich Nachhilfe für ihre Kinder leisten - was gibt es für Alternativen? In den letzten Jahren ist eine kaum noch überschaubare Flut von computergestützten Lern- und Förderprogrammen als Software oder Online-Hilfe auf den Markt gekommen. Möglicherweise befindet sich das genau Passende darunter. Die Schwierigkeit ist, es zu finden! Der erste Weg sollte in den gut sortierten Buchhandel führen. Dort erhält man sowohl Software als auch Ratgeber-Literatur zum Thema. Wichtig: Lern- und Fördersoftware ist niemals ein Allheilmittel! Vor allem hat es keinen Zweck, seinem Kind stapelweise Lernprogramme zu kaufen und es dann: "Nun mach mal!" - damit vor dem Computer allein zu lassen. Die Erwachsenen müssen sich ein Bild davon machen, ob und in welcher Form der Einsatz von Software in der konkreten Situation sinnvoll ist. Andererseits sollten aber auch die Vorteile des Computers genutzt werden, die bei der Nachhilfe hoch willkommen sind: Er verfügt über eine unendliche Geduld, leistet sich niemals schlechte Laune und lässt sich auch nicht 'einwickeln' - er ist objektiv. Also heißt die Devise: Dieses Medium nutzen, wo es Sinn macht - aber das Kind nicht damit allein lassen! Denn der Computer allein kann keine Wunder vollbringen.

Wann ist eine Lerntherapie sinnvoll? Eine Integrative Lerntherapie ist mehr als Nachhilfe. Sie hilft weiter, wenn schulische und andere Maßnahmen nicht ausreichen, um eine Lernstörung und ihre emotionalen und sozialen Folgen nachhaltig zu beheben. Die örtlichen Jugendämter sind Ansprechpartner für die Eltern und prüfen als Kostenträger sehr genau die Voraussetzungen gemäß dem § 35a des Kinder- und Jugendhilfe-Gesetzes (KJHG). Als Hinweis auf die Notwendigkeit einer Lerntherapie können gelten: Erwartungswidrige Minderleistungen im Lesen und Schreiben bzw. im Rechnen; anhaltende Selbstwertzweifel und Erwartung von Misserfolgen, nicht erklärbare schwindende Lern- und Leistungsmotivation, 'Schul-Bauchschmerzen', für die es keinen organischen Anhalt gibt, Ratlosigkeit bei Eltern und Lehrern.

Wie können Eltern ihre Tochter oder ihren Sohn unterstützen, wenn es Probleme mit den Noten gibt?

Einkaufen, bügeln, kochen - die wichtigste und vielleicht auch schwerste Aufgabe für Eltern besteht darin, die Arbeit für eine Zeitlang liegen zu lassen und sich ihrem Kind zuzuwenden: Zuhören, trösten, ermutigen.

Eltern sollten sich nicht entmutigen lassen, wenn ihre Kinder manchmal nicht dazu aufgelegt sind, mit ihnen zu sprechen. Ein Angebot zum Gespräch könnte so aussehen: "Möchtest du erzählen, was in der Schule los war?" - "Willst du über das sprechen, was dich bedrückt?" - "Vielleicht hilft es dir, über das zu reden, was dich in Ärger versetzt!"

Die Bereitschaft von Kindern, sich mit ihren Eltern zu unterhalten, hängt vom Vertrauen ab, das sie zu ihnen haben. Sie müssen sicher sein, dass ihre Äußerungen ohne Kritik, Entrüstung, Vorwurf oder Drohung aufgenommen werden.

Auf allgemeine Appelle wie "Du musst dir künftig mehr Mühe geben!" oder diffuse Vorsätze wie "Ab morgen übe ich etwas mehr mit meinem Kind!" sollten Sie verzichten.

Dr. Walter Kowalczyk, Jahrgang 1949, ist Schulpsychologe und Autor zahlreicher Fachbücher zum Thema Lernen und Schule, unter anderem:

Kowalczyk, Ottich:
Nachhilfe? Wo sie hilft. Was zu beachten ist.
Cornelsen
ISBN: 3-589-21575-5 8,95 Euro

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