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Keine Zustimmung für Handyverbot

„In der Sache wenig hilfreich“

Mehr zu: Gewalt in der Schule, Handy in der Schule, Hauptschule, Jugendhilfe und Sozialarbeit, Medienkompetenz, Prävention, Unterrichtsausfall, Schule
24.03.2006 -

(bikl) Bayerns Kultusminister denkt über ein generelles Handyverbot nach und in Berlin will eine Schulleiterin ebenfalls ein Handy-Verbot an ihrer Schule durchsetzen. Allerdings stößt diese Idee auf wenig Gegenliebe. Allgemeiner Tenor der Kritiker: Besser als Verbote sind Prävention und eine intensivere Medienerziehung.

Anfang März hatte eine Schulleiterin in Berlin ein Handy-Verbot für ihre Schule angekündigt, weil die Schüler sich per SMS zu einer Massenschlägerei verabredet hatten. Mobiltelefone sollen dort dann weder im Unterricht noch in der Pause benutzt werden dürfen. Bisher gilt an vielen Schulen das Verbot nur während der Unterrichtszeit. Kurze Zeit später hatte die Polizei bei einer Razzia an einer Hauptschule im Allgäu auf 16 Mobiltelefonen gewaltverherrlichende Videos gefunden. Auch an einer Augsburger Schule soll es einen ähnlichen Fall gegeben haben. Grund für den bayerischen Kultusminister über ein Handyverbot an Schulen nachzudenken. Allerdings sei kein "Schnellschuss" geplant, versicherte ein Sprecher des Ministeriums.

Opfer der Sparpolitik

Das Ansinnen des bayerischen Kultusministers stieß aber weder in Bayern noch über die Landesgrenzen hinaus auf Zustimmung. Zunächst hatten sich die Grünen im Bayerischen Landtag gegen ein Handy-Verbot ausgesprochen. Dies sei eine "Bankrotterklärung der Pädagogik", so Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause. Statt eines Verbots solle die Präventionsarbeit ausgebaut werden. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) lehnte ebenfalls rigide Sanktionen ab und forderte mehr Vorsorge und Betreuung der Schüler. „Weder Betroffenheit und Bestürzung noch rigide Sanktionen helfen, die an bayerischen Schulen immer wieder auftretenden Gewalttaten in den Griff zu bekommen", erklärte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Albin Dannhäuser. "Dass sich die pädagogischen Probleme an den Schulen auftürmen, ist nichts Neues, wenngleich sie aktuell eskalieren und schockieren". Seit Jahren fordere der BLLV eine angemessene Ausstattung mit Sozialarbeitern, Psychologen und Beratern an Schulen. Allerdings fielen pädagogische Expertenhilfen der Sparpolitik zum Opfer.

"Trügerischer Schutz"

Auch von anderer Seite kam Kritik. So bezeichnet der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Ludwig Eckinger den Ruf nach einem generellen Handy-Verbot in Schulen als „in der Sache wenig hilfreich“. „Behördliche Verbote schwächen eher die Autorität von Lehrerinnen und Lehrern.“ Verbote dieser Art wären nur ein trügerischer Schutz und würden auf Dauer den pädagogischen Anspruch einer Schule deformieren.

Medienkompetenz unverzichtbar

„Entscheidend ist, dass an der Schule ein Konsens zwischen Eltern, Schülern und Lehrern über allgemeine Umgangsregeln ausgehandelt und dann auf deren Einhaltung konsequent bestanden wird. Ein solche ‚Schulverfassung’ kann regeln, dass Handys im Unterricht grundsätzlich ausgeschaltet werden müssen“, erklärte Eckinger und appellierte an die Souveränität der Lehrerinnen und Lehrer, nicht vor neuen Medientechniken zu kapitulieren. Medienkompetenz sei immer mehr unverzichtbarer Teil der befragten Autorität von Lehrerinnen und Lehrern.

Vorbeugen

Auch Niedersachsens Kultusminister Busemann mag sich einem Handyverbot nicht anschließen. „Wir stoßen mit einem generellen Handyverbot in Schulen nicht nur juristisch an Grenzen“, erklärte er dazu heute. Außerdem sei die Problematik keineswegs auf die Schule beschränkt. „Vor allem in der unterrichtsfreien Zeit sind den Kindern und Jugendlichen die Videoclips mit menschenverachtenden Inhalten nicht nur über Mobiltelefone, sondern vor allem über das Internet am Computer, ob dem der Eltern oder ihrem eigenen im Kinderzimmer, über CDs oder DVDs und andere digitale Speichermedien, die ebenfalls getauscht werden können, zugänglich. „Erforderlich ist eine verbesserte Medienpädagogik, die vor allem vorbeugend wirkt“, so Busemann.

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3 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Dirk, am 08.07.2007, 16:41

Sehr gut. Statt sinnvoll mit neuen Medien umzugehen lieber die Verbote erweitern. Im Prinzip werden die Mobiltelefone wie Computer in Sippenhaft genommen - aber der technikfaule Lehrkörper würde sowieso lieber gleich den PC nebst Internet verbieten lassen. Nicht wegen der Missbrauchsgefahr - sondern weil bei einer sinnvollen Erweiterung etwas NEUES gelernt lernen muss. Das gilt es in DE seit Einzug des Overheadprojektors mit Macht zu vermeiden.

von Martin Horrer, am 13.07.2007, 15:05

Ein generelles Handyverbot an Schulen halte ich für ausgesprochen sinnvoll und notwendig! Dadurch erhöht sich die Aufmerksamkeit und der Lernerfolg erheblich, sind doch die SchülerInnen dann nicht ständig auf die Telefone konzentriert und von E-Smog eingenebelt (die Geräte werden ja während des Unterrichtes benutzt, SMS uvm.).

Und wirklich dringend erwartete Anrufe (falls es die gibt),können über das Schulsekretariat (Festnetz) entgegen gemommen und dem einzelnen Schüler zugestellt werden! Also: Handys zu hause lassen!

von Katrin Quern, am 30.09.2007, 16:59

Éin Handy-Nutungsverbot während der Schulzeit schließt Unterrichtsprojekte mit Handys nicht aus, überhaupt die medienkritische Erziehung über Funktion und Nutzung.

Aber es wirkt dem Missbrauch vor: unerlaubte Fotos und Videos, ständiges Abgelenktsein, Angeberei.


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