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KMK und BMBF legen ersten nationalen Bildungsbericht vor

Zusammenhänge analysiert und gemeinsame Strategien gefordert

Mehr zu: Bildungsbericht, Bildungsmonitor, Deutschland, Duale Ausbildung, Einschulung, Migration, Schulstart, Weiterbildung, Weiterbildung
02.06.2006 -

(bikl) "Wir haben über lange Zeit in Deutschland eine gefühlte Qualität von Bildung gehabt, wir haben geglaubt, wir sind gut, die deutschen Schulen sind prima, das deutsche Abitur ist bestens alles ist in Butter. Und wir haben jetzt den Anbruch des empirischen Zeitalters in der Bildung erlebt. Dieses empirische Zeitalter brauchen wir, damit wir von der gefühlten Qualität wegkommen zu einer Qualität in der Bildung und möglichst ihrer Verbesserung." Dies erklärte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die schleswig-hosteinische Kultusministerin Ute Erdsiek-Rave, heute anlässlich der Veröffentlichung des ersten nationalen Bildungsberichts in Plön.

Dieser Bildungsbericht gibt mit umfangreichen empirischen Daten einen umfassenden überblick über Bildung in Deutschland. Und zwar von der frühkindlichen Bildung bis zur Weiterbildung im Erwachsenenalter. Dieser erste Bericht – weitere sollen im Zweijahresrhythmus folgen - hatte den Schwerpunkt auf das Thema Migration gelegt.

Bereits im Vorfeld der Veröffentlichung war bekannt geworden, dass sich die Bildungs-, Ausbildungs- und Berufschancen für Migrantenkinder in Deutschland verschlechtert haben. (bildungsklick.deberichtet darüber.) So ist der Anteil der ausländischen Jugendlichen in den alten Ländern zwischen 1994 und 2004 im dualen System von 9,4 Prozent auf 5,6 Prozent zurückgegangen. Und die vorzeitigen Einschulungen von ausländischen Kindern war 2004 nur etwa halb so hoch wie bei den Schülern insgesamt, während die Zahl der Zurückstellungen von Kindern mit Migrationshintergrund doppelt so hoch war.

„Migration ist Chance und Herausforderung zugleich“, erklärte einer der Autoren des Berichts, Prof. Dr. Martin Baethge: „Eine Chance für die deutsche Gesellschaft und Herausforderung für die Gesellschaft wie für die Politik, diese Chance nutzen zu können.“

In der Altersgruppe von 0-25, so der Bericht, hat jeder vierte Heranwachsende einen Migrationshintergrund und unter den Null- bis Fünfjährigen sind ein Drittel Migrantenkinder. Dabei verlaufen allerdings – auch das macht der Bericht deutlich – die Bildungswege dieser Kinder und Jugendlichen keineswegs ähnlich. Denn die Unterschiede innerhalb der Migrantengruppen sind sehr hoch. Während rund 15 % der Jugendlichen aus den EU-Staaten ohne Beschäftigung sind, stehen bei den jugendlichen Migranten türkischer Herkunft zwei Fünftel außerhalb des Erwerbslebens. Dieser hohe Anteil, so Baethge, erkläre sich daraus, dass vor allen Dingen „Frauen nicht in Erwerbsleben treten“. „Das heißt“, so der Wissenschaftler, „dass neben der Bildungspolitik ganz offensichtlich andere Maßnahmen gefordert sind, weil hier kulturelle Muster und Traditionen wirken, die von der Bildungspolitik allein gar nicht geleistet werden können.“

Damit umriss er den grundsätzlichen Tenor der Veranstaltung: Bildungspolitik und Schule allein werden nicht als „Therapeuten“ arbeiten können.

Der erste nationale Bildungsbericht beleuchtet zahlreiche weitere Bereiche der Bildung. So etwa die Frage, wie effizient die schulische Bildung überhaupt ist und ob die langen Bildungswege in Deutschland überhaupt gerechtfertigt sind. Er macht auch deutlich, dass sehr viel mehr Augenmerk auf das Lernen außerhalb der traditionellen Institutionen und auf die Weiterbildung gelegt werden muss.

„Der Bildungsbericht", so erklärte Prof. Dr. Thomas Rauschenbach vom Deutschen Jugendinstitut gegenüber bildungsklick.de, „ist ein Plädoyer den Blick zu öffnen und größere Zusammenhänge zu sehen und nicht zu sehr an den einzelnen Instanzen zu hängen.“

Eine Aussage, die auch als Stichwort für die aktuelle Föderalismusdikussion verstanden werden könnte.

Die 314. Plenarsitzung der KMK hat sich außerdem mit Vereinbarungen zu den Sekundarstufen, mit den Auswirkungen der verkürzten Schulzeit auf den Hochschulbereich und mit dem Bildungsmonitoring und den zukünftigen Ländervergleichen beschäftigt. Informationen dazu im Presseordner KMK auf bildungsklick.de.

Link

Der Bildungsbericht im Netz

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