(bikl) Nachdem Bayern in dieser Woche als erstes Bundesland Handys aus den Schulen verbannt hat, haben sich Verbände und Kultusminister anderer Bundesländer noch einmal zum Thema Handyverbot zu Wort gemeldet.
Das neue bayerische Schulgesetz – gegen die Stimmen der Opposition am Mittwoch im Landtag verabschiedet – sieht vor, dass Schüler künftig zwar ihr Handy dabei haben, aber nur im Notfall benutzen dürfen. Gleichzeitig hat Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider vor übertriebener Aufregung an den Schulen gewarnt. "Lehrer sollen Schüler nicht systematisch durchsuchen und überprüfen", so der Minister. Aber sollten sie sehen oder hören, dass ein Schüler in der Pause telefoniert, könnten sie eingreifen und das Handy vorübergehend in Verwahrung nehmen.
Auf Kritik stieß dieses Gesetz beim Vorsitzenden des Deutschen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes. Im Bayerischen Rundfunk kritisierte Josef Kraus die neuen Regelungen als "aktionistische Schaufensterpolitik".
Ein Handyverbot an Schulen helfe nicht bei der Erziehung aggressiver Jugendlicher. Diesen Standpunkt vertritt die Telekommunikationsbranche. Handys seien heute fester und wichtiger Bestandteil des Alltags Jugendlicher. Sie dienten zur Pflege sozialer Kontakte und würden gerade in Kleinstfamilien immer wichtiger, um den Alltag zwischen Alleinerziehenden und Ihren Kindern zu organisieren. "Der Missbrauch, den wenige damit treiben, darf nicht zu einem unzeitgemäßen Generalverbot führen", kommentiert Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom).
Hessischen und saarländischen Kindern und Jugendlichen bleibt ein Handyverbot an Schulen wie in Bayern erspart. Kultusministerin Karin Wolff (CDU) erwartet lediglich, dass die Handys im Unterricht abgeschaltet sind, wie ein Ministeriumssprecher am Donnerstag in Wiesbaden erklärte. Gegen ein generelles Verbot spreche, dass Handys wichtige "Notrufsäulen" für Kinder und Eltern sein könnten. Auch der saarländische Kultusminister Jürgen Schreier (CDU) sprach sich gegen entsprechende Maßnahmen aus: "Ein Handy-Verbot wird es bei uns nicht geben. Das halte ich für überzogen. Es ist auch nicht durchsetzbar. Lehrer sind keine ´Handy-Polizei´". Aufgabe der Schule sei es, durch Aufklärung und Vermittlung von Medienkompetenz die Schüler zu schützen.
Auch in NRW wird darüber diskutiert, wie Schulen mit diesem Problem umgehen sollen. Schulministerin Barbara Sommer (CDU) sieht allerdings ebenfalls keinen Grund, Handys in nordrhein-westfälischen Schulen zu verbieten. Vielmehr wird auf die eigenverantwortliche Entscheidung der einzelnen Schule gesetzt. Die Medienberatung NRW hält dazu Informationen, Anregungenund Materialien bereit, die den Schulen als Diskussionsgrundlage dienen sollen.
Hintergrund des bayerischen Verbots sind Gewalt-Videos, die von Jugendlichen per Mobiltelefon verschickt und teils selbst gedreht werden. Die ersten spektakulären Fälle dieser Art gab es Anfang 2006 an bayerischen Schulen.
Mehr dazu auf bildungsklick.de: Special Handyverbot