Nachilfe von Scientology
Deutscher Philologenverband: Immer mehr Institute
Mehr zu: Deutschland, Fremdsprachen, Grundschule, Nachhilfe, Religion(bikl) Scientology versucht, auf dem deutschen Nachhilfemarkt Fuß zu fassen. Davor warnt erneut der Deutsche Philologenverband (DPhV).
Bereits im Mai hatte DPhV-Vorsitzender Heinz-Peter Meidinger erklärt, dass es inzwischen eine ganze Reihe von überregional oder sogar bundesweit tätigen Nachhilfestudios und Studienförderkurse gebe, die Scientology zugerechnet werden müssen. Unter anderem stünden das „Zentrum für individuelles und effektives Lernen“ (ZIEL), die „Applied Scholastics“ (u.a. Englischkurse) und „Ziel Concept“ der Scientology Organisation nahe.
„Vielfach wissen die Studenten bzw. Eltern, die ihre Kinder dorthin schicken, gar nicht, welche Ideologie hinter diesen harmlos klingenden Nachhilfeangeboten steckt. Wir können nach unseren Erfahrungen allen, die an solchen Angeboten interessiert sind, nur dringend raten, private Unternehmen mit Angeboten und Materialien zu Lernmethodiken, Nachhilfe oder auch Therapie von Teilleistungsstörungen genauestens auf ihre Seriosität zu überprüfen“, warnte Meidinger.
Jetzt hat der DPhV-Vorsitzende noch einmal in einem Interview mit der Tageszeitung DIE WELT auf den wachsenden Einfluss von Scientology aufmerksam gemacht. "Wir können nun feststellen, dass sich die Zahl der Nachhilfeinstitute, die Scientology betreibt, innerhalb der letzten zehn Jahre mindestens verdreifacht hat. Inzwischen gibt es mehr als 30 solcher Einrichtungen. Und man kann davon ausgehen, dass die Zahl weiter steigt, denn die Institute gründen permanent Ableger. Viele von ihnen sind auch noch gar nicht entdeckt worden", so Meidinger wörtlich.
Die Nachfrage nach Nachhilfe ist in den letzten Jahren enorm gestiegen – vor allem, so Meidinger, auch infolge der Verkürzung des Abiturs. Aber auch in den Grundschulen wachse der Nachhilfebedarf. Scientology nutze dabei offensichtlich aus, dass sich Kinder, die Lernschwierigkeiten haben, häufig in einer Identitätskrise befänden und Minderwertigkeitskomplexe hätten. Ein solcher Zustand seinahezu ideal für eine gezielte Beeinflussung.
Der Schwerpunkt von Scientology in diesem Bereich scheine Hamburg und Umgebung zu sein, wo sich auch die Deutschland-Zentrale von Scientology befindet. Aber auch in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen beobachte der Verband verstärkte Aktivitäten. In Berlin sei vor kurzer Zeit sogar bekannt worden, dass zwei an öffentlichen Schulen tätige nebenberufliche Lehrer Scientology angehörten. Diesen sei aber inzwischen gekündigt worden.
Was ihn massiv beunruhige, so der DPhV-Vorsitzende, sei die Zielstrebigkeit der Organisation. So habe sich Scientology vorgenommen, in Deutschland ähnlich stark zu werden wie in den USA. Dort zähle Scientology zu den großen Anbietern auf dem Bildungsmarkt und unterhalte zudem Lehrerfortbildungsinstitute, die von sehr vielen Pädagogen aufgesucht würden.
Gleichzeitig brach Meidinger eine Lanze für die seriösen Nachhilfeinstitute. „Zunächst möchte ich einmal betonen, dass mehr als 90 Prozent aller Nachhilfeinstitute in Deutschland völlig korrekt arbeiten und wertvolle Dienste leisten. Viele von ihnen verlangen von ihren Mitarbeitern inzwischen eine Selbstverpflichtung, dass sie nicht Scientology angehören,“ erklärte er in dem WELT-Interview.
Eine Kriterienliste, die Eltern bei der Auswahl seriöser Anbieter helfen soll, kann bei der Bundesgeschäftsstelle des Deutschen Philologenverbands angefordert werden.
Links
WELT: "Scientology nutzt lernschwache Kinder aus"
Deutscher Philologenverband (DPhV)
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