Philologenverband: „Dramatischer Lehrermangel“
Folge: Mehr als ein Viertel der Vertretungslehrer ohne Uni-Abschluss
Mehr zu: Hauptschule, Hilfslehrer, Lehrermangel, Religion, Unterrichtsgarantie Plus, Unterrichtsversorgung, Schule(bikl) Vor einem dramatischen Lehrermangel und einer „nachhaltigen Gefährdung der Bildungsqualität“ hat der Deutsche Philologenverband heute gewarnt. Seine aktuelle Bilanz: 14.000 bis 16.000 fehlende Lehrer und etwa eine Million Unterrichtsstunden, die in diesem Schuljahr in jeder Woche ersatzlos ausfallen.
„Der Lehrermangel wird dramatisch“, erklärte Verbandsvorsitzender Heinz-Peter Meidinger gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Zum einen rolle die Pensionierungswelle, zum anderen gebe es wegen der Unattraktivität des Berufes zuwenig Lehramtsabsolventen. Daran werde sich nach seiner Ansicht auch in den nächsten fünf bis zehn Jahren nichts ändern.
Berufs- und Hauptschulen besonders betroffen
In den Fächern Mathematik, Physik, aber auch Latein und Religion sei die Lage „geradezu dramatisch bis katastrophal“. Darüber hinaus habe sich der Lehrermangel in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, aber teilweise auch in Hessen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen an den weiterführenden Schulen auf fast alle Fächer ausgeweitet. „Besonders dramatisch“ so Meidinger gegenüber der Zeitung, sei es an den beruflichen Schulen und an Hauptschulen.
In Bayern unterrichten Förster
Als eine der signifikantesten Folgen des Lehrermangels beklagt der Verband zudem „die massiv ansteigende Quote an Quereinsteigern“ in den Lehrerberuf. Mehr als ein Viertel der Vertretungslehrer hätten keinen Universitätsabschluss mehr. So gehörten Förster, Diplomübersetzer, Ingenieure und Beamte von aufgelösten Wasserwirtschaftsämtern in Bayern an fast allen weiterführenden Schulen zum Alltag.
In Hessen stehen Laien vor den Klassen
Auch in Hessen sollen Laien, wie beispielsweise Studierende, Praktikanten oder engagierte Eltern unterrichten. Das sieht das Projekt "Unterrichtsgarantie plus" vor, mit dem das Kultusministerium dem Lehrermangel begegnen will. Ein Modell, das bei Lehrerverbänden, Schulleitern und auch der Wissenschaft auf Ablehnung gestoßen ist. bildungsklick.de berichtete darüber.
Bereits im Januar gewarnt
Die Warnungen des Philologenverbandes sind übrigens nicht neu. Bereits im Januar hatte Verbandsvorsitzender Heinz-Peter Meidinger gegenüber bildungsklick.de erklärt: „Wir werden mit dem Lehrermangel die nächsten Jahre leben müssen, und ich fürchte, das wird das größte Problem sein, vor dem andere Probleme, wie etwa die PISA-Reformen, verblassen werden."
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