Mediadaten | Impressum | Feedback | RSS | Mobil | Newsletter
Letzte Änderung: 09.02.2012, 18:25
  • Delicious_bw
  • Studivz_bw
  • Facebook_bw
  • Twitter_bw
  • Drucken_bw
  • Email_go_bw
Artikel | Bilder

Homeschooling: Pro und Contra

Wissenschaftler empfiehlt Lockerung des strikten Verbots

Mehr zu: Deutschland, Lehrplan, Mobbing, Qualitätsstandards, Schulpflicht, Sexualkunde
16.10.2006 -

(bikl/idw) Der Staat sollte Homeschooling freigeben - aber nur unter strenger Kontrolle. Das schlägt Professor Dr. Volker Ladenthin von der Universität Bonn in seinem neuesten Buch vor.

Die Debatte um die streng gläubigen Hamburger Eltern, die ihre Kinder unter allen Umständen zu Hause unterrichten wollen, hat das Thema "Homeschooling" auf die Titelseiten der Zeitungen befördert. Ein neues Buch will die Diskussion jetzt versachlichen. Professor Dr. Volker Ladenthin, Erziehungswissenschaftler an der Universität Bonn, zeichnet darin mit seinem Mitherausgeber Ralph Fischer Für- und Wider-Argumente seit dem 18. Jahrhundert nach.

Schulplficht - nicht Bildungspflicht

Vielfach sind es religiöse Motive, aus denen Eltern ablehnen, ihre Kinder auf eine staatliche Schule zu schicken. Manche fundamentalistische Christen lehnen die Evolutionslehre ab und halten Sexualkundeunterricht für moralisch verwerflich. "Es gibt aber auch Andere, die nicht die Inhalte kritisieren, sondern das Umfeld, in dem diese vermittelt werden", betont Professor Dr. Volker Ladenthin. "Eltern von Mobbingopfern beispielsweise." Die Behörden interessieren die Gründe jedoch wenig: In Deutschland herrscht nicht Bildungspflicht, sondern Schulpflicht. Und die setzt der Staat notfalls sogar mit Gewalt durch - den Hamburger Eltern beispielsweise droht der Entzug des Sorgerechts.

Die Debatte ist so alt wie das staatliche Schulwesen selbst. In dem Buch "Homeschooling - Tradition und Perspektive" hat Ladenthin zusammen mit seinem Mitherausgeber Ralph Fischer die Pro- und Contra-Argumente seit dem 18. Jahrhundert nachgezeichnet. "In Deutschland ist Schulbildung seit 1791 einzig und allein Sache des Staates", sagt er. "Anders als beispielsweise in den USA oder in Holland, wo Privatunterricht durchaus erlaubt und sogar üblich ist."

Demokratie von jung an lernen

Seit jeher ist es vor allem das Argument der pädagogischen "Passung", das Befürworter des Privatunterrichts in die Waagschale werfen: Der Lehrer - egal ob Privatlehrer oder Elternteil - könne individueller auf den Schüler eingehen. Ihre Gegner argumentieren dagegen, nur in öffentlichen Schulen seien einheitliche Qualitätsstandards gewährleistet. Das Niveau sei dort zudem in der Regel höher. "Schon Martin Luther erkannte, dass Eltern sich nur in ihrem Bereich auskennen, aber nicht ins Weltwissen einführen können", erklärt Ladenthin. "Der Hufschmied weiß nicht unbedingt auch, wie man Wein keltert." Zudem müssten in einer Demokratie Kinder von jung an lernen, mit unterschiedlichen Ansichten und Werten umzugehen. "Das geschieht authentisch nur in der öffentlichen Schule."

"Der Debatte die Spitze nehmen"

Dennoch plädiert Ladenthin dafür, das strikte Verbot für den Unterricht zuhause zu lockern: "Man sollte Homeschooling aus meiner Sicht freigeben, aber an starke staatliche Kontrollen binden." Dass das funktionieren kann, zeigen die Ausnahmen, die schon heute möglich sind. So dürfen Diplomaten in bestimmten Fällen im Ausland ihre eigenen Kinder unterrichten - aber nur nach festen Lehrplänen. Die Behörden schreiben sogar vor, welche Schulbücher zu verwenden sind. Der Lernerfolg wird in externen Prüfungen kontrolliert. "Wenn man Homeschooling unter diesen Bedingungen allgemein erlauben würde, würde man der Debatte ohne großes Risiko die Spitze nehmen", ist der Bonner Erziehungswissenschaftler überzeugt.

Unabhängige Qualitätskontrolle

Dass sehr viele Eltern von diesem Recht Gebrauch machen würden, sei aus seiner Sicht ohnehin nicht zu erwarten - welche Mutter oder welcher Vater haben schon Zeit, ihre Kinder sechs Stunden am Tag zu unterrichten? De facto sei Eltern die Lehrerrolle allerdings heute schon nicht fremd: "Wie verhalte ich mich im Verkehr? Welches Essen ist gesund, welches ungesund? Das alles sollten Kinder doch heute schon zuhause lernen." Gerade diese Bereiche dokumentieren aus seiner Sicht aber, wie wichtig eine unabhängige Qualitätskontrolle ist. "Vielen Eltern fehlt doch heute schon das Wissen, wie eine gesunde Ernährung aussieht. Ich hatte mal eine Tante, die war Diabetikerin. Die hat immer, wenn sie etwas Süßes genascht hat, nachher noch eine saure Gurke gegessen - zur Neutralisierung." Das Buch "Homeschooling - Tradition und Perspektive" von Ralph Fischer und Volker Ladenthin ist im Ergon Verlag erschienen.

6 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)
von H.O. Koch, am 09.09.2008, 10:09

Neben PISA ist die eigentliche Katastrophe in diesem Land die, dass den Eltern Erziehungs- und Bildungsarbeit nicht zugetraut wird und engagierte Eltern in einem Zug mit den wenigen (medienwirksam verwerteten) religiös fanatischen Menschen vom Staat kriminalisiert werden.

Es geht um die Erreichung von Bildungszielen, dachte ich, oder etwa doch darum, staatlichen Zugriff auf die Köpfe unserer Kinder unanfechtbar zu halten. Dass eine auf wenige Fakten und viele Hypothesen gegründete Evolutionstheorie nicht hinterfragend gelehrt werden darf, zeigt nur noch mehr diese intollerante Geisteshaltung auf.

Kein Raum für echte Pluralität und freiheitliche Handhabe - Symptome einer Nation, deren Bürger im Wesen Untertanen geblieben sind, die schön gehorsam bleiben, keinen Raum für neue (faktisch ist homeschooling eigentlich ein alter Hut!!!!!) Wege schaffen und nur Demokraten sind, weil der Krieg verloren ging und die Siegermächte Druck ausgeübt haben.

Wir hätten nie eine Revolution zustande gebracht, ebenso wie wir heute keine Reformen auf den Weg bekommen.

Ich verstehe die Auswanderer, besonders die Gebildeten, bin selbst aber leider 20 Jahre zu spät dran.

von Hannes Altmann, am 02.02.2010, 19:35

Ich finde es traurig, dass es bei der ganzen Debatte immer nur um zu vermittelndes Wissen geht.

Mindestens genauso wichtig ist doch das Erlernen von Sozialkompetenzen wie der richtige Umgang mit Problemen oder der Umgang mit Menschen die man eigentlich nicht mag aber mit denen man nun mal irgendwie klar kommen muss. So wird es doch im restlichen Leben auch sein.

Es ist doch bereits in schon so vielen Studien festgestellt wurden das Kinder die keine Schule besucht haben im späteren Leben deutlich häufiger Probleme mit sozialen Kontakten haben und deutlich unselbstständiger sind.

Mir tun Kinder die zu Hause unterrichtet werden Leid und ich finde Eltern deren Eltern unverantwortlich.

von Michael, am 06.02.2010, 11:58

"Es ist doch bereits in schon so vielen Studien festgestellt wurden das Kinder die keine Schule besucht haben im späteren Leben deutlich häufiger Probleme mit sozialen Kontakten haben und deutlich unselbstständiger sind. "

Quelle ???

von Elektra, am 21.05.2010, 10:33

Passend zum Thema gibt es auf der Website des Deutschen Bundestages eine Online-Petition, die noch bis zum 16.06.2010 mitgezeichnet werden kann.

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=11495

von ProHomeschooling, am 10.06.2010, 11:13

@Hannes Altmann:

Ich schließ mich Michael an: QUELLE???

Ich würde von mir aus und von dem, was ich bisher im Internet recharchiert habe eher das Gegenteil behaupten!

Ich habe vor nicht zu Langer Zeit 12 Jahre Schule hinter mich gebracht. Von gelernten sozialen Kompetenzen kann man vielleicht bei einigen wenigen Schülern sprechen, bei mir nicht.

Wenn ich von Mobbing spreche, weiß ich wovon ich rede (persönlich Erfahrungen, die ein Glück der Vergangenheit angehören). Die Schule ist für Mobbingopfer nicht selten ein sozialer Rückschritt. Um Anerkennung zu bekommen fangen viele an zu rauchen, werden erst langsam, dann immer mehr in Alkohol hineingezogen: In die Folgen von Alkohol hatte ich während meiner Zivildienstzeit in einer Suchtfachklinik mehr als genung Einblick. Am Ende ist die Schule immer mehr Drogenschauplatz geworden: ich rede sowohl von Mittelschulen als auch von Gymnasien! Quelle: Als Schüler bekommt man viel mehr mit als die meisten Lehrer.

Die meisten Lehrer erfahren nicht einmal, was unter den Schülern passiert.

Die Schule ist nach meiner Erfahrung immer mehr Schauplatz der Gewalt und Drogen geworden. Mir ist aus direkter Quelle bekannt, dass ein Schüler eine Mordandrohung eines Mitschülers bekommen hat, nachdem er seiner Pflicht entsprechend, den Drogenkonsum eines Mitschülers im Unterricht heimlich "verpetzt" hat.

Gerade an Realschulen haben einige Lehrer indessen Angst vor den Schülern (Quelle: eine Schule, welche von engen Verwandten besucht wird - eine der besten Mittelschulen in der ganzen Stadt, was den Ruf betrifft).

An meinem ehemaligen Gymnasium (Mathe-Spezialgymnasium, mit Schülern die extra von weit her kommen) gab es bereits Fälle, in dem die Lehrer im Unterricht angefangen haben zu heulen, weil sie die Klasse nicht ansatzweise unter Kontrolle hatten (Quelle: Mitstudent - war am gleichen Gymnasium)

VERMITTLUNG SOUIALER KOMPETENZEN IN DER SCHULE??? - Ich rede aus erster Quelle: LEIDER NEIN.

Ein "Experiment" in der Heimat meiner Mutter macht vielleicht nochmal einiges deutlich...

In einer Dorfgegend gab es zwei Schulklassen. Die eine Schulklasse aus der einen Region wurde zu Hause erzogen oder von Tagesmüttern. In der anderen Region gab es eine Kindertagesstätte. Die Kinder mit Erziehung von den Eltern war von der Schulleistung richtig gut und es herrschte ein gutes Arbeitsklima. Die andere Klasse hörte nicht auf die Lehrer und mit den Noten sah es auch nicht gut aus... Um etwas daran zu ändern, wurde beschlossen, die Klassen zu mischen, dass die guten Schüler die schlechten mitziehen... Das Gegenteil wurde erreicht: Beide Klassen machten einen leistungsmäßigen Absturz.

So sieht es um die Vermittlung von Sozialkompetenzen aus... und das schon vor vielen Jahren (Beispiel: zwei Schulklassen) - die Tendenz ist nicht zuletzt wegen der zunehmenden Macht der Medien, unzähligen Gewalt-Spielen/-Filmen STARK FALLEND.

Wenn ihr eure Kinder in die Schule schickt ist das eure Entscheidung und die ist in Ordnung.

Aber Eltern, die den aufwändigeren weg des Homeschooling gehen, der sich in vielen Ländern als erfolgreich gezeigt hat (die Quellen könnt ihr euch selbst im Netz suchen), dürfen nicht bestraft werden. Wer das Grundgesetz nicht nur an seinen Worten auseinander nimmt sondern besonders auf den Sinn der ersten Artikel achtet, dem sollte das klar sein.

Das Verbot von Homeschooling ist meiner Meinung nach nichts anderes als eine abscheuliche Straftat des Staates und ein Gewaltakt an eingesperrten Mobbingopfern in der Schule...

(Zur Information: derzeit stehen Geldstrafen, Sorgerechtsentzug und Inhaftierung auf Homeschooling in Deutschland - Andere Länder sind da weiter, PISA hats oft gezeigt)

von M.T., am 14.12.2010, 22:37

xD Altmann xD

....lustig... :D

War in deiner Klasse....


Hinweis
  • Ein Enter führt zu Zeilenumbruch.
  • Hyperlinks bitte grundsätzlich mit "http://" beginnen (also z.B. http://bildungsklick.de/).
  • Kein HTML unterstützt.

Ihr Kommentar:

Ihr Name:
Ihre E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht):
Durch die Eintragung Ihrer E-Mail erkennen Sie die Kommentarregeln an.

3f7d9d9acb20cec362eeba2678ea223dcb5020fe
Bitte den Text aus dem Bild eingeben:


MELDUNGEN AUS DEN RESSORTS

Sonderthemen

"Die Chancen einer weltweiten Lerngesellschaft"

09.02.2012. Unter dem Motto "Weltsprache Bildung" beteiligt sich das Goethe-Institut an der größten Bildungsfachmesse in Europa, der didacta in Hannover. Im Interview spricht Dr. Matthias Makowski, Leiter der Abteilung Sprache des Goethe-Instituts, über multimedial vernetztes Lernen und Lehren im Zeitalter ...

Schule

Österreich: Fortgesetzte Reformen wichtig für Qualität und Chancengleichheit in Bildung

Paris/Berlin, 09.02.2012. Die Leistungen österreichischer Schüler hängen stärker von der sozialen Herkunft ab als in vielen anderen Industrieländern. Der heute veröffentlichte OECD-Bericht "Equity and Quality in Education: Supporting Disadvantaged Students and Schools" appelliert daher, bereits begonnene Reformen ...

Kindergarten / Vorschule

EU-Kommission rügt deutsches Betreuungsgeld

03.02.2012. (dpa) – Die EU-Kommission rügt die deutschen Pläne zur Einführung eines Betreuungsgeldes. "Die EU-Kommission ist überrascht zu erfahren, dass es Ideen gibt, Frauen zu ermutigen, zu Hause zu bleiben", sagte die Sprecherin von EU-Sozialkommissar Laszlo Andor am 1. Februar in Brüssel. "Es gibt ...
in

Elementarbereich NRW | Medienschau Bildung

NEU bei didacta-bildungsklick.tv: CookUOS 2011/12

ANZEIGEN

Society in Science unterstützt postdoc Studenten überall auf der Welt. Unser Ziel ist Förderung der Forscher/innen.
ANZEIGE
Aktuelle Kommentare
Unser Partner in Österreich
Bildungaktuell
Das eMagazin für Management, Personalwesen und Weiterbildung