(bikl) „Wir wollten nie den gläsernen Schüler, wir wollen ein gläsernes Bildungssystem“, erklärte Ute Erdsiek-Rave, Kultusministerin in Schleswig-Holstein und Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) heute nach der 315. Plenarsitzung des Gremiums in Berlin. Anders als zuvor in der Presse angekündigt hat die Ministerkonferenz allerdings heute noch keinen Beschluss über die so genannte Schülerdatei gefasst. In dieser Schülerdatei soll jeder Schüler eine Identitätsnummer bekommen, die er während der ganzen Schulzeit, unabhängig von Schule und Wohnhort, behält.
Bereits seit drei Jahren beschäftigt sich die KM mit diesem Thema und hatte einen entsprechende Kommission eingesetzt, die jetzt dem Gremium berichtet hat. „Es gab von Seiten der Öffentlichkeit und der Bildungsforscher den Vorwurf, wir wüssten nicht genug über unser Bildungssystem, wir hätten keine aussagekräftigen Daten. Deshalb haben uns die Bildungsforscher Vorschläge gemacht für eine bessere Statistik", begründete Erdsiek-Rave das Vorhaben. Die heftigen Diskussionen in der Öffentlichkeit über die Schülerdatei und datenschutzrechtlichen Aspekte haben die KMK jetzt offensichtlich dazu bewogen, die Diskussion auf eine breite Basis zu stellen.
Im kommenden Frühjahr sollen sich deshalb Bildungspolitiker, Bildungswissenschaftler, Datenschützer und Medienvertreter in einem öffentlichen Workshop darüber beraten. Nach diesen Ergebnissen und den Stellungnahmen der Datenschutzbeauftragten will die KMK dann im Frühjahr 2007 neu verhandeln. Wann eine solche Schülerdatei tatsächlich starten soll, mochte die KMK-Vorsitzende derweil nicht prognostizieren: „Wenn man so etwas macht, funktioniert es nur, wenn alle Länder mitmachen. So weit sind wir noch lange nicht, sonst gibt es keinen Sinn. Wir brauchen also eine intensive öffentliche, datenschutzrechtliche Debatte."
Unterdessen erklärte der nordrhein-westfälische Schulministerin Barbara Sommer: „Wir brauchen keine solchen Identifikationsnummern von allen Kindern und Jugendlichen, um die Wirksamkeit bildungspolitischer Maßnahmen zu überprüfen. Es reicht aus, wenn die Schulen Informationen über ihre jeweiligen Schüler - die nicht über das hinausgehen, was dort ohnehin bekannt ist - in anonymisierter Form jährlich übermitteln.“