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Schulen mit Wohlfühlfaktor

Ganztagsschulen erfordern neue Raumkonzepte

Mehr zu: didacta - die Bildungsmesse, Ganztagsschule, Gesamtschule, Ökonomie, Schularchitektur, Schülerzahlen, Schulträger, Sitzenbleiben, Zeugnis, Sonderthemen, Schule
09.01.2006 -

Das Wort vom „dritten Lehrer“ macht neuerdings häufig die Runde, wenn über die räumliche Gestaltung von Ganztagsschulen gesprochen wird. Es bezieht sich auf eine schwedische Schulweisheit und meint, dass zum schulischen Erfolg der Kinder neben den Mitschülern und Lehrern auch das Schulhaus mit seinen Räumen einen wichtigen Beitrag leistet.

Und dabei haben die Schweden wahrlich gut lachen. Denn während hier zu Lande der Begriff vom „Sitzenbleiben“ eine zweite, durchaus unangenehme Bedeutung hat, ist dieses „Sitzenbleiben“ den schwedischen Kindern bis zur 8. Klasse völlig fremd: Zeugnisnoten und Wiederholungsklassen bleiben ihnen erspart. Aber auch an die ursprüngliche Bedeutung des Wortes müssen sich die schwedischen Schüler nicht halten. Wenn sie sich von ihren Stühlen erheben, können sie sich vergleichsweise frei in ihren Schulen bewegen. Denn während in den nordischen Ganztagsschulen jedem Schüler durchschnittlich 4,5 qm zur Verfügung stehen, sind es in deutschen Schulen nur ganze zwei qm.

Gelegentlich wird im Zusammenhang mit diesem Manko auch von Schuhkartons oder Lernbatterien gesprochen, vor allem dann, wenn zur räumlichen Enge noch phantasielose Gestaltung und spartanische Ausstattungen hinzukommen. Mal in neoklassizistischem Protz, mal in kargem Funktionalismus manifestieren Schulgebäude in Architektur und Funktionalität jeweils Geist und Ökonomie ihrer Epoche. Allesamt sind sie durch ihre endlos scheinenden Flure zu Symbolen für den weiten, für viele Schüler auch steinigen, Weg zum Ziel geworden.

Schulgebäude manifestieren in Architektur und Funktionalität Geist und Ökonomie ihrer Epoche. - Foto: bikl.de
Schulgebäude manifestieren in Architektur und Funktionalität Geist und Ökonomie ihrer Epoche. - Foto: bikl.de

Innere Qualität

Dass Schulen auch anders, besser und vor allem mit leistungsförderndem „Wohlfühlfaktor“ gebaut werden können, zeigt nicht nur der Blick nach Schweden. Auch bei uns haben inzwischen in den verschiedenen Bundesländern die Schulträger ihre Prioritätenliste bei Planung und Gestaltung umgeschrieben und beispielhafte Schulgebäude und Lernräume für Schüler und Lehrer geschaffen. Planer und Architekten haben gelernt, dass bei einem Schulgebäude die Kriterien seiner inneren Qualität entscheidend sind, weniger die Ausstrahlung nach außen oder gar kurzfristige Einsparerfolge. Dazu müssen freilich Bildungs- und Haushaltspolitiker, Schulträger, Schulbauplaner, Pädagogen und nicht zuletzt die Schüler und ihre Eltern ihre jeweiligen Vorgaben und Interessen definieren und gemeinsam aufeinander abstimmen.

Schüler werden beteiligt

Insbesondere auf das Mitwirken der Schüler hat Peter Busmann, der Architekt und Erbauer der Kölner Philharmonie, gesetzt. Als er unweit der Domstadt die inzwischen international ausgezeichnete Gesamtschule Brühl-Süd erbaute, arbeiteten die Schüler in nahezu allen Planungs- und Bauphasen mit, gemäß seiner Überzeugung, dass – unabhängig von dem unmittelbaren praktischen Nutzen – „alles, was nicht gestaltet werden kann, eine Gegenreaktion, oft auch Zerstörung herausfordert“. Die Verantwortung für das gemeinsam erstellte Projekt wirke sogar positiv über die unmittelbar involvierten Schülergenerationen hinaus auf die folgenden.

Andererseits ist diese Schule auch so strukturiert, dass sich überschaubare soziale Gruppen bilden können, die miteinander vertraut sind und Verantwortung für ihre Schule übernehmen möchten. Für ein verbessertes Lernklima muss allerdings nicht immer erst ein Neubau errichtet werden. In Wiesbaden beispielsweise hat die Helene-Lange-Schule rückläufige Schülerzahlen und die günstige Statik des Gebäudes genutzt, um jeden Flur um einen Klassenraum zu vergrößern, indem die jeweils trennende Wand abgetragen wurde. Die derart erweiterten Flure bildeten fortan zusammen mit den angrenzenden Klassenzimmern so genannte Reviere. Der Abriss einer Wand hatte für mehr Platz, Freizügigkeit und Licht gesorgt. Flure und alte Klassenräume waren dadurch zu integrierten Mehrzweckräumen vergrößert worden. Genug Platz also für kleinere Lernräume und mehr Treffpunkte.

Zukünftige Schulen müssen von vornherein so geplant, gebaut und ausgestattet werden, dass sich ihre „Bewohner“ wohl in ihnen fühlen und die pädagogische Qualität der Lernumwelt stimmt. Denn die Architekturpsychologin Dr. Rotraut Walden ist sich sicher, dass „die bauliche Qualität (der Schulen) in unterschiedlichem Ausmaß zu einer Steigerung der Leistung führt“. Vor allem aber müssen die Haushaltssanierer auf den verschiedenen politischen Ebenen erkennen, dass es der nachfolgenden Generation teuer zu stehen kommt, wenn bei der Gestaltung der Schulen und des Bildungssystems prinzipiell gespart wird.

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