Wer finanziert den Unterricht?
Werbung und Sponsoring in der Schule
Mehr zu: didacta - die Bildungsmesse, Ernährung, Hauptschule, Schulsponsoring, SchuleAn manchen Schulen fehlt es an den elementarsten Dingen – das Dach ist undicht, die Turnhalle darf wegen Bauschäden nicht betreten werden, Unterrichtsstunden fallen aus und können nicht aufgefangen werden, weil der Etat für Aushilfslehrer bereits zu Jahresanfang erschöpft ist.
Was tun, wenn der Staat die Schulen mancherorts finanziell im Stich lässt? Darum ging es in einer Diskussionrunde auf der didacta. Sponsoring-Modelle machen die Runde, Schulen werden anfällig für Werbung aus der Wirtschaft. Der Journalist Matthias Holland-Letz beschreibt in seinem "Privatisierungsreport" einige kritische Fälle des Schulsponsorings – wenn etwa die Schüler einer Hauptschule in Minden von einem Kaufhaus als kostenlose Arbeitskräfte eingesetzt werden, oder wenn Schüler für umgerechnet 139,50 Euro Frühstücksflocken essen müssen, um die auf der Packung ergatterten Punkte in ein Badminton-Set einzutauschen. Nachzulesen sind derartige Fälle im Privatisierungsreport, herausgegeben und zu beziehen von der GEW, Hauptvorstand in Frankfurt/Main.
Wie sehr Markenhersteller sich für das Klientel Kinder und Jugendliche interessieren, erklärt sich auch aus den Milliardenbeträgen, die Kinder und Jugendliche jedes Jahr über den Ladentisch schieben. Außerdem sichert der Bekanntheitsgrad einer Marke zukünftige Marktchancen.
Wie sollen sich Schulen verhalten? Hilfreiche Broschüren und Informationen gibt es im Internet. Die Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. hält eine Broschüre im PDF-Format unter www.verbraucherbildung.de bereit. Dort kann man auch den im Februar 2006 erschienenen Band "Werbung und Sponsoring in der Schule" anfordern, der die Rechtslage in den einzelnen Bundesländern aufzeigt. Denn auch hier gilt das föderale System: Jedes Bundesland hat seine eignen Regeln für Sponsoring in der Schule festgelegt. Auch die Webseiten http://www.schulinfos.de oder www.bildungsportal.nrw.de bieten Informationen zum Thema. Helmut Schorlemmer, Schulsponsoring-Beauftragter des Landes NRW, rät zu klaren Sponsoring-Verträgen und schlüssigen Konzepten, die von Lehrern und Eltern einer Schule getragen werden. Schulen sollten erst den Bedarf ermitteln, bevor sie sich um Sponsoring kümmern. "Betteln Sie nicht um Geld", forderte Schorlemmer, "treten sie selbstbewusst auf."
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