"Für Spieler geht es ums soziale Miteinander"
Fachleute und Politiker diskutierten über "Killerspiele"
Mehr zu: Deutschland, Gewalt in der Schule, Killerspiele, Medienkompetenz, Sonderthemen(bikl) Nach dem Amoklauf in Emsdetten war in vielen öffentlichen Statements die Ursache schnell gefunden: "Killerspiele". Haben aber Computerspiele wirklich die Macht, die ihnen damit zugestanden wird? Oder sind die lautstarken Verbotsforderungen eher Symptome von Hilflosigkeit und Ignoranz? Fragen wie diese wurden jetzt in der Hessischen Landesvertretung in Berlin in einer Podiumsrunde mit dem Titel „Verbot oder Selbstregulierung?“ diskutiert.
Ließ Professor Christian Pfeiffer sich lieber im WDR bei Hart aber fair auf den verbalen Schlagabtausch ein, ging es in der Hessenvertretung sehr moderat zu. Bereits im einleitenden Vortrag von Professor Winfred Kaminski wurde die Ausrichtung des Abends deutlich. Spiele seien per Definition auf Wettkampf ausgelegt. Gerade PC-Spiele förderten den Austausch mit Mitspielern, sie forderten vorausschauendes und planvolles Handeln und seien in größtem Maße Regelspiele, bei denen Verstöße sogar mit Ausschluss geahndet würden.
Erstaunlich sei vor allem, dass immer diejenigen, die noch nie ein Computerspiel gespielt hätten, am lautesten dessen Verbot forderten. Vielmehr sei es an der Zeit, auch die positiven Eigenschaften der Spiele deutlich zu machen, so der Kölner Medienwissenschaftler. Etwa die Stärkung der kognitiven Fähigkeiten und der Konzentrationsfähigkeit oder der spielerische Umgang mit den neuen Medien und vor allem auch das soziale Miteinander der Gamer. Vielfach sei ein enormes Kompetenzgefälle zwischen den Generationen zu beobachten, das die ‚älteren Semester’ mit Neid erfülle – eventuell sei auch dies Ursache manch harter Forderung.
Auch die vertretenden Politiker Klaus Uwe Benneter (SPD, MdB und stellvertretender Vorsitzender der Medienkommission beim SPD-Parteivorstand) und Thomas Jarzombek (CDU, Beauftragter für neue Medien der nordrhein-westfälischen Landtagsfraktion) zeigten sich in der anschließenden Diskussionsrunde den neuen Medien gegenüber äußerst aufgeschlossen. Vorhandene Instrumente wie die USK (Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle) seien bestens geeignet, Computerspiele altersgerecht zuzuordnen und gegebenenfalls die Freigabe zu verwehren. In der Regel würden die Hersteller aber bereits im Voraus darauf achten, den in Deutschland vergleichsweise strengen Standards zu genügen, lediglich 70 von über 2 000 Spielen seien im vergangenen Jahr von der USK abgelehnt worden.
Electronic Arts, Marktführer der PC-Spiele-Branche, hatte zu diesem Abend geladen - vielleicht hörte man deswegen kaum kritische Stimmen. Selbst als das Thema Werbung in Konsolenspielen kurz angerissen und die größte Fast-Food-Kette als Partner enthüllt wurde, war kein Räuspern zu vernehmen - was im Angesicht aktueller Ernährungsdebatten doch erstaunt.
Einig waren sich die Beteiligten, dass Eltern und Erzieher ihrer Verantwortung nachkommen müssen und dass die USK ihnen dafür sinnvolle Hilfestellungen bietet. Ob und von wem jedoch zukünftig in die Medienkompetenz von Pädagogen und Erziehern investiert wird, das blieb offen.
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