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Jugendschutz endet an der Wohnungstür

Experten diskutierten über Kinder und Medien

Mehr zu: Deutschland, Europa, Killerspiele, Medienkompetenz, Super Nanny, Sonderthemen
29.11.2006 -

(bikl) „Vernetzte Welten – wer schützt unsere Kinder?“ – darüber diskutierten gestern Abend Politiker, Fachleute und ein Wirtschaftsvertreter auf dem „Blue Evening“ von O2 in Berlin. Dabei ging es um Chancen und Gefahren des World Wide Web – aber auch das aktuelle Thema „Killerspiele“ blieb nicht außen vor.

Eigentlich sollte es um den Jugendschutz im multimedialen Kommunikationssektor gehen - von Internetchat über Voice over IP bis hin zu Slapping-Videos auf Kinderhandys. Bayerns Staatsministerin für Arbeit Sozialordnung, Familie und Frauen, Christa Stewens, aber forderte direkt ein „Verbot realer Killerspiele“. Die Antwort von Prof. Dr Hartmut Warkus (Lehrstuhl für Medienpädagogik an der Universität Leipzig) kam prompt. Politiker sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein, wenn sie derartige Floskeln verbreiteten und eine ganze Generation kriminalisierten, so der Wissenschaftler.

Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring (Präsident der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien) lobte das deutsche Jugendschutzmodell, das einzigartig im europäischen Vergleich sei. Allerdings müssten sich die Gerichte ihrer Verantwortung bewusster werden und Präzedenzfälle schaffen.

Auf die wachsenden Gefahren von Kinderpornografie im Internet machte schließlich Schauspielerin Veronika Ferres, Werbemodell für O2 und Schirmherrin des Vereins Power Child aufmerksam. Der Verein Power Child hat es sich zur Aufgabe gemacht, präventiv gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen vorzugehen. Zum Angebot gehört auch ein Informations- und Kommunikationsportal für Jugendliche.

Einig waren sich alle Vertreter bei der Forderung nach mehr Medienkompetenz von Erziehern und Pädagogen. Bereits im Kindergarten solle ein gezieltes Heranführen an die Medien beginnen und in der Schule fortgeführt werden. Dazu passe allerdings nicht die gegenwärtige Ausbildungssituation an den Hochschulen, so der Einwand von Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring. Hier werde die Medienpädagogik zunehmend vernachlässigt.

Nicht zuletzt stünden aber die Eltern in der Pflicht, forderte Hans-Joachim Otto (FDP) und auch Hartmut Warkus machte noch einmal deutlich, dass die Grenzen des Jugendschutzes an der Wohnungstür liegen. Beratungsportale wie klicksafe.de oder internet-abc.de müssten weiter publik gemacht werden, damit sowohl Eltern als auch Kinder wissen, wo sie kompetente Antworten auf ihre Fragen finden. Hier wurde er von Michaela Noll (CDU/MdB) unterstützt, die Angebote für Eltern von Risikofamilien forderte, die niedrigschwellig – quasi à la Super Nanny – Medienkompetenzen vermitteln müssten.

O2 CEO Deutschland, Rudolf Gröger, sieht auch zunehmend die Unternehmen in der Pflicht. Es könne nicht sein, dass sie sich lediglich um die Infrastruktur kümmerten und das, was in der Welt um sie herum geschehe, ausblendeten. Dringend müssten die Gefahren offen diskutiert und gemeinsam angegangen werden, wobei die positiven Seiten der neuen Medien nicht tot geredet werden dürften.

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