Experte fordert Reform der dualen Berufsausbildung
Betriebliche Arbeitsprozesse sind "Herzstück der Ausbildung"
Mehr zu: Duale Ausbildung, Berufliche Bildung(bikl/pm) "Lernen in herausfordernden beruflichen und betrieblichen Arbeitsprozessen und die Reflexion der Arbeitserfahrung weisen die berufliche Bildung als eine besondere Form des Lernens gegenüber allen anderen Formen des schulischen Lernens aus", erklärte Prof. Felix Rauner vom Institut Technik und Bildung (ITB) jetzt bei einem Vortrag im Rahmen der Fachtagung des BIBB und des BMBF zum Thema "Neue Qualifikationen – neue Prüfungen". Unter anderem deswegen plädiert der Berufsbildungsexperte für eine umfassende Reform des Systems der dualen Berufsaubildung.
Rauner stützte sich dabei auf die Ergebnisse der ITB Forschung von zwei Jahrzehnten. Seine vier zentralen Thesen gehen über die aktuelle Reformdiskussion deutlich hinaus:
1. Das Herzstück der dualen Berufsausbildung basiert auf dem Lernen in herausfordernden und entwicklungsförderlichen betrieblichen Arbeitsprozessen und der Reflexion der Arbeitserfahrung. Die Aneignung kontextfreier Qualifikationen in der Form des lehrgangsförmigen Lernens löst bei den Auszubildenden Langeweile und nicht selten Frustration aus.
2. Die Entwicklung beruflicher Kompetenz und beruflicher Identität beim Hineinwachsen in die berufliche Praxisgemeinschaft ist immer auch ein sozialer Prozess, der sich allen Formen fragmentierter Berufsausbildung prinzipiell entzieht. Es ist daher damit zu rechnen, dass die Einführung modularisierter Formen beruflichen Lernens zu einem deutlichen Absinken der Ausbildungsqualität und des beruflichen Engagements führen wird.
3. Die Herausbildung beruflicher Identität ist eine wesentliche Grundlage für berufliches Engagement, Leistungsbereitschaft und Qualitätsbewusstsein. Dieser Entwicklungsprozess ist gebunden an moderne Beruflichkeit und eine am Novizen-Experten-Paradigma orientierte Berufsausbildung.
4. Die Ansätze der Spezialisierung und Ausdifferenzierung von Ordnungsmitteln und ihre Modularisierung und Stufung, kombiniert mit aufwändigen Standardisierungs- und Assessmentverfahren führen allenfalls zu einer aufgeblähten Bürokratie, die sich negativ auf das Engagement der Sozialpartner bei der Ausgestaltung beruflicher Bildung auswirken können.
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