Geld für PISA stoppen
Lehrerverband: KMK soll OECD "in ihre Schranken verweisen"
Mehr zu: Abschlussprüfungen, Deutschland, PISA (Studie), Schule(bikl) Mit deutlichen Worten hat der Deutsche Lehrerverband (DL) die Kultusminister aufgefordert, die Finanzierung der PISA-Studien zu stoppen, falls sich die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nicht bei der Bewertung der deutschen Schulen zurücknehme.
"Wenn die OECD nicht bereit ist, sich zu mäßigen und zu einer seriösen Analyse zurückzukehren, dann sollte man das deutsche Personal dort und die deutschen Gelder infrage stellen", sagte der Präsident des Verbandes, Josef Kraus, heute gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
Heute übernimmt der Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) den Vorsitz der Kultusministerkonferenz (KMK). Dessen zentrale Aufgabe müsse in den nächsten Monaten sein, die PISA-Autoren in ihre Schranken zu verweisen, sagte Kraus. Er erwarte von der KMK, dass sie die OECD, dieses "planwirtschaftliche Büro für Bildungsideologie in Paris", in ihre Schranken verweise. "Wir brauchen nicht drei- oder viermal jährlich die künstliche Aufregung durch die OECD mit ihren gebetsmühlenartigen Warnungen vor angeblich zu wenig deutschen Abiturienten und Studenten." Die Kultusminister müssten aufpassen, dass Deutschland sich nicht zu Tode teste und einer "hysterischen Quartals-Testeritis" aufsitze, sagte der Präsident des Lehrerverbandes.
Von der KMK erwarte er außerdem eine Diskussion darüber, welche Inhalte Schüler heute konkret lernen sollen. Bildung dürfe sich nicht auf durch PISA messbare Standards beschränken. "Lasst euch auf eine Debatte um Kerncurricula etwa in der Literatur, in der Geschichte, in der Kunst, in der Musik ein", empfahl Kraus den Kultusministern. Gleichzeitig sprach er sich grundsätzlich für zentrale, landeseinheitliche Abschlussprüfungen aus. Dann werde alles gerechter und transparenter.
Der Forderung der scheidenden KMK-Präsidentin, Ute Erdsiek-Rave, nach einem Eignungstest für Lehrer mochte er nicht zustimmen. Angesichts der Tatsache, dass in den kommenden zehn Jahren aus Altersgründen rund 300 000 Lehrer in Deutschland durch junge ersetzt werden müssten, sei es blauäugig zu meinen, man könnte auch noch Eignungstests einsetzen.
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