Schulabbrecher ohne Chancen?
Verschiedene Programme sollen den Jugendlichen weiterhelfen
Mehr zu: Ausbildungsreife, Auslese, Berufsbildungsbericht, Deutschland, didacta - die Bildungsmesse, Hauptschule, Schavan, Schulabbrecher, Berufliche BildungEtwa 10 Prozent der Schüler in Deutschland verlassen die Schule ohne Abschluss. Das waren im vergangenen Jahr 85.000 Jugendliche. Ihre Chance, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, ist äußerst gering.
Die Quote der Schulentlassenen ohne Hauptschulabschluss in Deutschland ist von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. So lag sie am Ende des Schuljahres 2004/05 zwischen 6,9 Prozent in Nordrhein-Westfalen und 11,8 Prozent in Sachsen-Anhalt.
Zahlreiche Institutionen und Projekte kümmern sich darum, diesen Jugendlichen den Schritt in die Berufswelt zu ebnen. Dazu zählt an erster Stelle das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ). Im Schuljahr 2004/2005 wurden nach Angaben des Berufsbildungsberichts 2006 rund 80.600 Jugendliche und junge Erwachsene in diesem einjährigen Ausbildungsgang betreut. Hier sollen sie auf die Anforderungen einer beruflichen Ausbildung vorbereitet werden und können in dieser Zeit auch den Hauptschulabschluss nachholen.
Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Projekte und Initiativen auf Länder- und Bundesebene. In verschiedenen Programmen der Bundesagentur für Arbeit können Jugendliche nachträglich ihren Schulabschluss erreichen. Darüber hinaus wurden im Modellprogramm „Kompetenzagenturen“ des Bundesfamilienministeriums bundesweit 15 Agenturen etabliert, die für die Verbesserung der sozialen und beruflichen Integration benachteiligter Jugendlicher sorgen sollen.
Wie erfolgreich allerdings letztendlich all diese Maßnahmen sind, lässt sich kaum belegen. Ernüchternd ist die Aussage des Bremer Bildungsexperten Felix Rauner, der von „Warteschleifen“ spricht, „um Jugendliche zu versorgen“. Diese „Sperrschicht“, so Rauner, führe zu einer gigantischen Entmutigung von Jugendlichen, die noch frustrierter aus diesen Maßnahmen herauskämen, als sie es vorher bereits gewesen seien.
Möglich, dass mittlerweile auch die Politik nicht mehr so überzeugt von all diesen Programmen ist, versucht man doch jetzt, das Problem an der Wurzel zu packen und den Jugendlichen mehr Chancen in der grundständigen schulischen Ausbildung zu eröffnen. Die jetzt gestartete Bund-Länder-Offensive zur Senkung der Abbrecherquoten deutet in diese Richtung. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) – obwohl nach der Föderalismusreform nicht mehr für den Schulbereich zuständig – hat zumindest angekündigt, sie wolle mit dieser Initiative die Zahl der Schulabbrecher in Deutschland halbieren.
DAZU AUF DER DIDACTA 2007:
- „Fördern und Fordern in einer Schule ohne Auslese: das Beispiel Laborschule“, Mittwoch, 28. Februar 2007, 11 Uhr, Congress-Centrum Ost (Symposium „Fördern und Fordern“)
- „Zu dumm oder nicht gefördert? Junge Erwachsene zwischen Analphabetismus und Ausbildungsreife“, Mittwoch, 28. Februar 2007, 13 Uhr, im „forum bildung“ in Halle 9
- „Null Bock auf Schule? Was tun?“, Freitag, 2. März 2007, 13.30 Uhr, im „forum bildung“ in Halle 9
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