Aktionsrat Bildung fordert Rechtsanspruch auf Krippenplatz und mehr Ganztagschulen
Außerdem: mehr Schulautonomie, obligatorische Weiterbildung und erfolgsorientierte Bezahlung im Bildungsbereich
Mehr zu: Bildungsgerechtigkeit, Deutschland, Ganztagsschule, IGLU-Studie, Kinderkrippe, Kongress, Lehrerbildung, Weiterbildung, Kindergarten / Vorschule, Schule(bikl/pm) Mit den bisherigen Bildungsreformen könne noch keine Bildungsgerechtigkeit erreicht werden, so das Urteil des ersten Jahresgutachtens des Aktionsrats Bildung. Das Jahresgutachten wurde heute im Rahmen des Kongresses ZUKUNFT D vorgestellt. Der Aktionsrat fordert Landesregierungen und Bund auf, noch in diesem Jahr einen Masterplan für mehr Bildungsgerechtigkeit vorzulegen.
"Wir brauchen ein länderübergreifend abgestimmtes Vorgehen, klare Zielvorgaben und Finanzierungskonzepte und eine systematische Evaluation der eingeleiteten Maßnahmen," erklärte der Vorsitzendedes Aktionsrats Bildung, Prof. Dr. Lenzen. Das Jahresgutachten unterzieht das gesamte Bildungssystem einer gründlichen Analyse und formuliert auf dieser Basis umfassende Handlungsempfehlungen. So fordert der Bildungsrat nicht nur mehr, sondern vor allen Dingen früher in Bildung zu investieren. "Je früher öffentliche Bildungsinvestitionen ansetzen, umso höher sind die Erträge und die Chancen, Bildungsgerechtigkeit herzustellen", betonte Lenzen. Im Vorschulbereich fordert der Aktionsrat unter anderem einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz ab dem vollendeten 2. Lebensjahr, Kindergartenpflicht ab dem vollendeten 4. Lebensjahr sowie eine Akademisierung des Vorschulpersonals.
Wichtig sei die frühe Öffnung des gesamten Bildungssystems für Lernende unabhängig von Geschlecht, sozialer und ethnischer Herkunft. Die Bildungsexperten üben in ihrem Gutachten massive Kritik am Status Quo: So verhindere der Mangel an gebundenen Ganztagschulen Bildungsgerechtigkeit, da diese am besten in der Lage seien, unterschiedliche Ausgangsbedingungen aufzufangen. Außerdem fordern die Bildungsexperten eine weitgehende Schulautonomie, obligatorische Weiterbildung des pädagogischen Personals und eine professionelle Ausbildung der Schulleiter sowie erfolgsorientierte Bezahlung im Bildungsbereich.
"Mit dem Jahresgutachten wollen wir den politischen Reformdruck erhöhen. Die Handlungsempfehlungen liegen jetzt auf dem Tisch. Nun ist die Politik gefordert. Sie muss einen Masterplan vorlegen, der unter anderem sicherstellt, dass ausreichend Krippenplätze entstehen, dass endlich ein flächendeckendes Angebot rhythmisierter Ganztagsschulen realisiert wird und dass dafür ausreichend finanzielle Ressourcen und Personal zur Verfügung stehen, um nur einige Beispiele zu nennen," betonte Randolf Rodenstock, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft und Initiator des Aktionsrats Bildung.
Der Aktionsrat Bildung konstituierte sich im Jahr 2005 als ein politisch unabhängiges Gremium von Bildungsexperten auf Initiative des Präsidenten der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., Randolf Rodenstock. Ihm gehören führende deutsche Bildungswissenschaftler an wie Wilfried Bos, Deutschland-Chef der internationalen Grundschulstudie Iglu, Manfred Prenzel, Koordinator der Pisa-Studie für Deutschland, Detlef Müller-Böling, Leiter des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) und Ludger Wößmann, Bereichsleiter Humankapital und Innovation am ifo-Wirtschaftsforschungsinstitut. Sprecher ist der Erziehungswissenschaftler und Präsident der Freien Universität Berlin, Dieter Lenzen.
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