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Weiterhin Wirbel um Gutachten des Aktionsrats

Kritik vom Lehrerverband – Zustimmung vom PISA-Koordinator

Mehr zu: Bildungsgerechtigkeit, Deutschland, Ganztagsschule, Lehrerbildung, Sport, Schule, Kindergarten / Vorschule
11.03.2007 -

(bikl) Der Aktionsrat Bildung hat mit seinem Gutachten für Wirbel gesorgt und reichlich Ablehnung und Kritik erhalten. Jetzt haben sich weitere Bildungsexperten zu dieser Veröffentlichung geäußert: der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, die nordrhein-westfälische Schulministerin Barbara Sommer und der internationale Koordinator der PISA-Studie, Andreas Schleicher.

Man müsse sich vergegenwärtigen, wer der Auftraggeber dieses Aktionsrates sei, erklärte Kraus gegenüber dem Deutschlandfunk: eine Wirtschaftsorganisation nämlich. Dieser Auftraggeber verbinde damit natürlich auch bestimmte Erwartungen. Diese Erwartungen "lauten nach meiner Interpretation: Wir brauchen in punkto Bildung, in punkto Schulsystem, Hochschulsystem, mehr verwertbares Wissen und Können, was sich letztendlich wirtschaftlich in Zeiten von Globalisierung rechnet", so Kraus wörtlich in dem Interview.

Kraus forderte einen umfassenderen Bildungsbegriff. Es sei ein sehr verarmter Bildungsbegriff, über den seit der ersten PISA-Studie in Deutschland diskutiert werde.

"Für meinen Geschmack diskutieren wir viel zu wenig über das, was der kulturelle Auftrag von Bildung ist, im sprachlichen Bereich, im fremdsprachlichen Bereich, im Bereich der historischen, der staatsbürgerlichen Bildung, der kreativen Bildung, der Fächer Kunst, Musik und Sport. Das sind alles Dinge, die sich natürlich jetzt aus der Sicht der Wirtschaft, unterstelle ich mal, nicht rechnen, darum redet man da nicht darüber", so der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes.

Außerdem halte er es ein bisschen für unglaubwürdig, wenn die Wirtschaft sich Sorgen über mangelnde Bildungsgerechtigkeit mache, es gleichzeitig aber die Wirtschaft gewesen sei, die letztendlich Hauptschülern keine Chance mehr gegeben habe oder schwächer qualifizierte Arbeitsplätze ins Ausland exportiere. "Wir hätten erheblich mehr Gerechtigkeit, was Lebenschancen betrifft, wenn die Wirtschaft sich auch in der sozialen Verantwortung sähe und auch Schwächeren Chancen gäbe", so Kraus wörtlich.

Der internationale Koordinator der Pisa-Schulvergleichsstudie der OECD, Andreas Schleicher, hingegen, reagierte laut Tageszeitung "Die Welt" positiv auf die Anregungen des Aktionsrates. "Viele der Vorschläge stimmen mit den Forderungen der OECD überein", wird Schleicher zitiert. Entscheidend sei, dass das Lernen individualisiert werde und dass Schulen Verantwortung übernähmen, erklärte der Bildungsexperte. Die Frage nach der Organisationsform sei zweitrangig, ebenso wie eine leistungsabhängige Bezahlung. "Wichtig ist ein attraktives Arbeitsumfeld, das sich durch mehr Differenzierung im Aufgabenbereich, bessere Karriereaussichten, eine Stärkung der Verbindungen zu anderen Berufsfeldern und bessere Unterstützungssysteme auszeichnet", so Schleicher gegenüber der Zeitung.

Auch Nordrhein-Westfalens Schulministerin Barbara Sommer (CDU) begrüßte einige Vorschläge des Aktionsrates, berichtet "Die Welt." Die Forderungen nach mehr Selbstständigkeit der Schulen, einem Leistungsranking und Zielvereinbarungen, um Migranten besser zu fördern, seien bedenkenswert, sagte sie. Kritik übte sie allerdings an einigen anderen Vorschlägen des Aktionsrates. So lehnt sie es ab, staatliche Schulen in private Trägerschaft zu überführen und Lehrer nur noch befristet einzustellen. Das sei völlig unvorstellbar, heißt es in dem Artikel.

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