Weiterhin Wirbel um Gutachten des Aktionsrats
Kritik vom Lehrerverband – Zustimmung vom PISA-Koordinator
Mehr zu: Bildungsgerechtigkeit, Deutschland, Ganztagsschule, Lehrerbildung, Sport, Schule, Kindergarten / Vorschule(bikl) Der Aktionsrat Bildung hat mit seinem Gutachten für Wirbel gesorgt und reichlich Ablehnung und Kritik erhalten. Jetzt haben sich weitere Bildungsexperten zu dieser Veröffentlichung geäußert: der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, die nordrhein-westfälische Schulministerin Barbara Sommer und der internationale Koordinator der PISA-Studie, Andreas Schleicher.
Man müsse sich vergegenwärtigen, wer der Auftraggeber dieses Aktionsrates sei, erklärte Kraus gegenüber dem Deutschlandfunk: eine Wirtschaftsorganisation nämlich. Dieser Auftraggeber verbinde damit natürlich auch bestimmte Erwartungen. Diese Erwartungen "lauten nach meiner Interpretation: Wir brauchen in punkto Bildung, in punkto Schulsystem, Hochschulsystem, mehr verwertbares Wissen und Können, was sich letztendlich wirtschaftlich in Zeiten von Globalisierung rechnet", so Kraus wörtlich in dem Interview.
Kraus forderte einen umfassenderen Bildungsbegriff. Es sei ein sehr verarmter Bildungsbegriff, über den seit der ersten PISA-Studie in Deutschland diskutiert werde.
"Für meinen Geschmack diskutieren wir viel zu wenig über das, was der kulturelle Auftrag von Bildung ist, im sprachlichen Bereich, im fremdsprachlichen Bereich, im Bereich der historischen, der staatsbürgerlichen Bildung, der kreativen Bildung, der Fächer Kunst, Musik und Sport. Das sind alles Dinge, die sich natürlich jetzt aus der Sicht der Wirtschaft, unterstelle ich mal, nicht rechnen, darum redet man da nicht darüber", so der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes.
Außerdem halte er es ein bisschen für unglaubwürdig, wenn die Wirtschaft sich Sorgen über mangelnde Bildungsgerechtigkeit mache, es gleichzeitig aber die Wirtschaft gewesen sei, die letztendlich Hauptschülern keine Chance mehr gegeben habe oder schwächer qualifizierte Arbeitsplätze ins Ausland exportiere. "Wir hätten erheblich mehr Gerechtigkeit, was Lebenschancen betrifft, wenn die Wirtschaft sich auch in der sozialen Verantwortung sähe und auch Schwächeren Chancen gäbe", so Kraus wörtlich.
Der internationale Koordinator der Pisa-Schulvergleichsstudie der OECD, Andreas Schleicher, hingegen, reagierte laut Tageszeitung "Die Welt" positiv auf die Anregungen des Aktionsrates. "Viele der Vorschläge stimmen mit den Forderungen der OECD überein", wird Schleicher zitiert. Entscheidend sei, dass das Lernen individualisiert werde und dass Schulen Verantwortung übernähmen, erklärte der Bildungsexperte. Die Frage nach der Organisationsform sei zweitrangig, ebenso wie eine leistungsabhängige Bezahlung. "Wichtig ist ein attraktives Arbeitsumfeld, das sich durch mehr Differenzierung im Aufgabenbereich, bessere Karriereaussichten, eine Stärkung der Verbindungen zu anderen Berufsfeldern und bessere Unterstützungssysteme auszeichnet", so Schleicher gegenüber der Zeitung.
Auch Nordrhein-Westfalens Schulministerin Barbara Sommer (CDU) begrüßte einige Vorschläge des Aktionsrates, berichtet "Die Welt." Die Forderungen nach mehr Selbstständigkeit der Schulen, einem Leistungsranking und Zielvereinbarungen, um Migranten besser zu fördern, seien bedenkenswert, sagte sie. Kritik übte sie allerdings an einigen anderen Vorschlägen des Aktionsrates. So lehnt sie es ab, staatliche Schulen in private Trägerschaft zu überführen und Lehrer nur noch befristet einzustellen. Das sei völlig unvorstellbar, heißt es in dem Artikel.
Sonderthemen
Der größte deutsche Begabungskongress findet in Münster statt
16.05.2012. (red/idw) - Thema ist die Begabungsförderung von der frühen Kindheit bis ins Alter. 800 Teilnehmer von allen fünf Kontinenten werden vom 12. bis 15. September zum ECAH-Kongress erwartet, der zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder in Deutschland stattfindet. Die Westfälische Wilhelms-Universität ...Hochschule
Elsevier-Boykott: Sympathie: ja - Mitmachen: eher nein
16.05.2012. (red/pm) - Forschende aus aller Welt boykottieren zur Zeit den Elsevier-Verlag, da dieser aus ihrer Sicht als dominanter Zeitschriftenverleger wissenschaftliche Inhalte monopolisiert, die dann nur zu horrenden Subskriptionspreisen der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. Dem steht der ...Schule
SPD will BAföG für Schüler
Berlin, 16.05.2012. (hib/ROL) - In ihrem Antrag "Einführung eines generellen Schüler-BAföG - Ein Instrument für mehr Chancengleichheit im deutschen Schulsystem" (17/9576) fordert die SPD-Fraktion die Bundesregierung auf, umgehend einen Entwurf für eine 25. BAföG-Novelle vorzulegen. Staatliche Unterstützung nach ...- GEW S-H GEW gegen Privatisierung des Bildungssystems
- GEW Niedersachsen GEW: "Master-Plan" des "Aktionsrates Bildung" zielt ab auf größtmögliche Wirtschaftsförmigkeit des Bildungssystems
- "Wir brauchen alle Lehrer"
- BLLV Reformen: ja, Brecheisen: nein
- PhV B-W Kritik und Zustimmung
- DPhV (Philologenverband) "Rein ökonomische Rezepte taugen nicht für die Schule!"
- VBE "Aktionsrat Bildung bestätigt den Nassen Schwamm"
- GEW (Bundesverband) Gutachten des "Aktionsrates Bildung" ist kein Weg für mehr Bildungsgerechtigkeit
- Deutscher Lehrerverband "Voll daneben – grob fahrlässig – zynisch"
- Aktionsrat Bildung fordert Rechtsanspruch auf Krippenplatz und mehr Ganztagschulen
- Wirtschaft will bildungspolitisch stärker mitmischen
- Deutsches Bildungssystem noch nicht ausreichend für Globalisierung gerüstet
- „Im Gegenteil sagt der LRH eindeutig, dass mehr Lehrerstellen nicht zu weniger Unterrichtsausfall führen:“
- Kritischer Leser zu "Unterrichtsqualität beginnt damit, dass Unterricht überhaupt erst einmal stattfindet"
- „Sprachstandsfeststellung? Ok! Aber doch nicht so!“
- Philsmom zu Sprachtests in NRW: Es geht nicht um die Kinder
Aktuelle Lernhilfen
|
Aktuelle Lernhilfen finden
ein Service von lernklick.de
|







Interviews -



Newsletter
Feedback