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Was geschieht beim Lesen- und Schreibenlernen?

Studie will Ursachen der Legasthenie im Vorfeld erforschen

Mehr zu: Legasthenie, Unterrichtsgestaltung, Schule
17.04.2007 -

(bikl) Bei bis zu zehn Prozent der Schüler - so die Statistik - kann eine Lese-Rechtschreibschwäche diagnostiziert werden. Die Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) ist eine der häufigsten Entwicklungsstörungen, die oft bis ins Erwachsenenalter besteht und die psychosoziale Entwicklung der Betroffenen und ihre Bildungskarriere maßgeblich beeinflusst.

Typische Symptome einer Lese-Rechtschreib-Schwäche sind das Auslassen, Ersetzen, Verdrehen oder Hinzufügen von Wortteilen oder gar gesamten Wörtern und sehr langsames Lesen. Die Kinder schreiben außerdem typischerweise dasselbe Wort immer wieder falsch, weil es ihnen nicht gelingt, die Fehler zu erkennen. In einem neuen Projekt der Universität Osnabrück und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) soll nun in einer Längsschnittstudie die neurophysiologische Wortverarbeitung bei Kindern, die noch keinen formalen Unterricht erhalten haben, untersucht werden.

Trotz mindestens durchschnittlicher Intelligenz brechen viele lese-rechtschreibschwache Jugendliche vorzeitig die Schule ab. Durch erhebliche psychische Belastungen treten bei diesen Kindern und Jugendlichen Emotionalstörungen und Depressionen sowie im Erwachsenenalter Abhängigkeitsstörungen gehäuft auf. "Aufgrund der Schwere der Beeinträchtigung ist es dringend notwendig, so früh und so effizient wie möglich den betroffenen Kindern zu helfen", so der Osnabrücker Sprachdidaktiker, Prof. Dr. Günther Thomé, der das Projekt gemeinsam mit dem Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der LMU, Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne, leitet.

Die Ergebnisse der neurobiologischen Forschung haben entscheidend dazu beigetragen, die kognitiven Korrelate dieser Entwicklungsstörung besser zu verstehen. So zeigt die aktuelle neurophysiologische Forschung, dass ein Netzwerk von Hirnarealen beim Lese- und Schreibprozess beteiligt ist. Während bisher die überwiegende Anzahl der Ergebnisse an Jugendlichen und Erwachsenen mit einer Leseschwäche gewonnen wurden, liegen bisher keine Studien vor, die den Beginn des Leseprozesses mit Hilfe neurophysiologischer Methoden abbilden.

Erst in den letzten Jahren entwickelte sich ein Verständnis für die Integration der didaktisch-pädagogischen und neurowissenschaftlichen Forschungsansätze. Thomé: "Im Zuge der Fortschritte, die die psycholinguistische und die neurologische Forschung in den letzten Jahren zu verzeichnen haben, steigt auch in der Bildungsforschung die Bereitschaft, Unterrichtskonzepte, die auf veralteten Lerntheorien beruhen, zu überdenken."

Das explorative Projekt versucht zunächst, Erkenntnisse zu gewinnen über die neurophysiologischen Prozesse, die während der Entwicklung vom Nicht-Leser zum Leser stattfinden. Diese sollen dazu beitragen, ein optimales Lernumfeld für das Lesen- und Schreibenlernen zu entwickeln, insbesondere für die Kinder mit einem Risiko, eine LRS auszubilden. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft (BMBF) finanziert. Erste Ergebnisse erwarten die Forscher im Laufe des nächsten Jahres.

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