(bikl) Podcasts gehören unterdessen beinahe schon zum Standardangebot von Radio- und Fernsehsendern, aber auch von vielen Zeitungen. Mittlerweile werden sie selbst zum Lernen eingesetzt. Nicht nur in USA, auch in Deutschland haben Hochschulen die neue Kommunikationsform für sich entdeckt und bieten ihre Vorlesungen als Podcasts an. Etwas zurückhaltender hingegen sind die Schulen. Hier ist man – mit wenigen Ausnahmen – dem neuen Medium gegenüber noch auf Distanz. bildungsklick.de sprach mit Hervé Marchet, dem Direktor der Abteilung Bildung bei Apple Europa über den Erfolg von Podcasts und wollte von ihm wissen, wie Podcasts zukünftig in deutschen Schulen eingesetzt werden können.
Herr Marchet, Apple hat früh die Nutzung von Podcasts in der Bildung propagiert und auf seinen Webseiten kommuniziert. Wie lernt man eigentlich mit Podcasts?
Hervé Marchet: Die meisten Podcasts sind heutzutage Video-Podcasts. Reine Audio-Podcasts sind mehr wie Vorlesungen und werden vor allem in Universitäten genutzt, damit Studenten verpasste Vorlesungen nachholen können. Wenn aber Video dazu kommt, kann man Podcasts auch bereits früher zum Lernen einsetzen, nämlich in der Schule.
Und wie kann das aussehen?
Hervé Marchet: Podcasts sind beispielsweise für den naturwissenschaftlichen Unterricht bestens geeignet. Es gibt viele Podcasts, die Experimente vorführen. Um ein Experiment durchzuführen, braucht man viel Zeit. Man muss die Kinder in den entsprechenden Raum bringen, warten, bis alle aufmerksam sind, sicherstellen, dass man alle benötigten Materialen hat und so weiter. Jetzt kann man das Experiment einmal machen, es aufzeichnen und als Podcast verfügbar machen. Man kann das Experiment dann auch mehrmals anschauen, um den Ablauf besser zu verstehen. Oder der Lehrer macht ein Experiment und sagt dann: "Es gibt 5 oder 6 andere Möglichkeiten, zu beweisen, was ich heute gezeigt habe. Schaut dafür bitte in diesen und jenen Podcast, um die anderen Methoden kennenzulernen."
Mit Podcasts fällt das Lernen leichter?
Hervé Marchet: "Enhanced" Podcasts mit Video, Audio und Präsentationsfolien sind ein sehr mächtiges Werkzeug. Denn Hören ist zwar die Basis von Lernen. Aber einige Kinder müssen auch sehen. Es macht einen Unterschied, ob Sie beim Lernen einer neuen Sprache die Lippen der sprechenden Person sehen oder nicht.
In Großbritannien und den USA werden Podcasts immer häufiger zum schulischen Lernen genutzt. In Deutschland, ist das so gut wie gar nicht der Fall. Wie erklären Sie sich das?
Hervé Marchet: Wir haben über die letzten zehn Jahre ein Netzwerk von Lehrern aufgebaut. Wir nennen es Apple Distinguished Educators. Dort vernetzen sich innovative Lehrer, die offen für den Einsatz neuer Technologien sind. Und sie helfen uns, Modelle zu entwickeln, wie man Technologie im Klassenraum nutzen kann. Diese Lehrer nutzen Podcasts in Deutschland. Aber Sie haben recht, sie werden derzeit definitiv stärker in der universitären Bildung eingesetzt. Ich glaube aber, mit Apple TV werden viele Lehrer zukünftig Podcasts auch im Klassenraum zeigen.
Ist es nicht so, dass Lehrer schon genug mit Ihrer täglichen Schulroutine zu tun haben? Und jetzt sollen sie auch noch lernen, wie man Podcasts produziert?
Hervé Marchet: Lehrer müssen nicht unbedingt Profis in der neuen Technologie sein. Die Kinder werden die Podcasts machen. Lehrer müssen nur Mentoren sein. Stellen Sie fünf bis sechs Computer in den Klassenraum und geben Sie den Kindern die Aufgabe, einen Podcast zu produzieren. Sie werden erstaunt sein, dass sie es ganz von allein schaffen werden. Sie wollen ja keine hoch qualitativen Videos erstellen. Die Kinder wollen keinen Oscar gewinnen, sie wollen nur etwas Eigenes erstellen. Und das werden sie schaffen, und die Lehrer werden dies schnell begreifen.
Also ist der Lehrer dann nicht mehr unbedingt ein Experte?
Hervé Marchet: Genau. Zum einen ist der Lehrer ein Mentor. Und was man als Mentor erwartet, ist, dass die Menschen, die man anleitet, besser auf dem jeweiligen Gebiet werden, als man selbst. Zum anderen verstehen Lehrer, dass der Alltag der Kinder, in dem Technologie allgegenwärtig ist, in die Schule integriert werden muss. Der Beruf des Lehrers hat sich eben in den letzten fünfzig Jahren stark verändert.