Skepsis gegenüber Computer im Unterricht - auch in Deutschland
Bayerische Studie erforscht Gründe
Mehr zu: Deutschland, E-Learning, Medienkompetenz, Schule(bikl) Besser lernen mit PC und Internet – alles bloß Illusion? In den USA jedenfalls sollen sich Zweifel an der Effizienz des multimedialen Lernens mehren. Laut New York Times haben etliche Schulen ihre Computer wieder aus den Klassenzimmern verbannt, unter anderem, weil Schüler damit lieber spielen oder auf Porno-Seiten im Internet surfen, statt zu lernen. Auch in Deutschland ist die Skepsis gegenüber den neuen Lernmedien nie ganz gewichen. Doch woran liegt das? Eine bayerische Studie hatte jüngst nach den Ursachen geforscht.
Wie nutzen Lehrer digitale Medien?
Wie nutzen eigentlich die Lehrer digitale Medien in ihrem Unterricht? Das wollte Dr. Jürgen Bofinger vom bayerischen Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung wissen und befragte im vergangenen Jahr dazu rund 5000 Lehrkräfte an bayerischen Schulen.
Danach berichteten nur 21 % aller Lehrkräfte von einem häufigeren, regelmäßigen Einsatz. "Vergleichsweise eher eine Minderheit an jeder Schule", so Bofinger. Vier Jahre zuvor hatte er bereits eine ähnliche Untersuchung durchgeführt. Damals hatte noch knapp die Hälfte der Lehrer ganz auf den Einsatz digitaler Medien verzichtet, 2006 schworen nur noch 29 % ausschließlich auf die traditionellen Medien.
Zeitdruck und Arbeitsbelastung verhindern PC-Nutzung
Dabei haben sich die Gründe für die Zurückhaltung im Laufe der Jahre geändert. Hatten die Lehrer bei der ersten Befragung noch erklärt, sie verzichteten in erster Linie auf die neuen Medien, weil sie keinen Mehrwert erkennen könnten, war vier Jahre später der allgemeine Zeitdruck und die Arbeitsbelastung das entscheidende Argument.
Immerhin rund ein Viertel der Lehrer beklagten sich über zu wenige Geräte und schulische Raumprobleme, ähnlich viele setzten auf den bislang bewährten eigenen Unterricht. Und rund ein Drittel der Lehrer wünschte sich mehr Computer- und Internetkurse, bessere Informationen über unterrichtsgeeignete Software und mediendidaktische Fortbildung.
Unterrichtsvorbereitung lieber mit Computer
Das bedeutet aber keineswegs, dass Lehrer computerabstinent sind. Denn immer mehr Lehrer schätzen die neuen Medien als Hilfe für die Vorbereitung ihres Unterrichts und greifen auf Software und aufs Internet zurück - laut Bofinger beinahe jeder zweite. Das müsste ihnen eigentlich die Augen für die Bedürfnisse ihrer Schüler öffnen. Denn auch für sie wird der Computer selbstverständlicher Bestandteil ihrer späteren Berufswelt sein. Die Schlussfolgerung Bofingers: "Die Lebensrealität von Jugendlichen und die Anforderungen einer modernen Berufswelt machen eine stärkere Medienorientierung der Schule nötig."
Der Druck der Studie "Digitale Medien im Fachunterricht. Schulische Mediennutzung 2002 und 2006 in Bayern" ist derzeit in Vorbereitung.
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