Streit um Schulstruktur geht weiter
Längeres gemeinsames Lernen auch für Sonderschüler gefordert
Mehr zu: Auslese, Baden-Württemberg, Förderschule, Hauptschule, Individuelle Förderung, Menschenrechte, Schulstruktur, Sonderschulen, Schule(bikl) Die öffentliche Diskussion im Südwesten der Republik über Sinn und Unsinn des gegliederten Schulwesens geht weiter. Während gestern der Landtag über "Bessere Bildung für alle" diskutierte, meldeten sich die Teilnehmer der Tagung "Schwierige Kinder – Kinder der Vielfalt" an der Evangelischen Akademie Bad Boll zu Wort. Sie unterstützen den Offenen Brief der Hauptschulrektoren an Kultusminister Helmut Rau, in dem diese eine Abkehr vom dreigliedrigen Schulsystem gefordert hatten.
"Wir stimmen mit diesen Schulleitern in der Feststellung der mangelnden Leistungsfähigkeit und der sozialintegrativen Schwäche des gegliederten Systems überein. Dieses bestehende Schulsystem ist zutiefst sozial ungerecht und bedarf eines Richtungswechsels. Längeres gemeinsames Lernen für alle und individuelle Förderung statt Selektion und Ausgrenzung müssen zum Leitbild unseres Schulsystems werden", heißt es in dem Schreiben an Baden-Württembergs Kultusminister Helmut Rau.
In ihrer Forderung nach Aufhebung des dreigliedrigen Systems gehen die Tagungsteilnehmer noch weiter und schreiben: "Insbesondere müssen folgerichtig auch die Kinder und Jugendlichen einbezogen werden, die heute noch in Sonderschulen separiert unterrichtet werden. Erst wenn auch diese in einem inklusiven Schulsystem einbezogen sind, kann das Menschenrecht auf Bildung im Sinne der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen verwirklicht werden. Die Bundesregierung hat diese Konvention bereits unterzeichnet."
Während der baden-württembergische Philologenverband die "klare Position der Landesregierung zum gegliederten Schulwesen" begrüßte, schlug die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft vor, die Schulleiter zur Anhörung in den Landtag einzuladen,um die pädagogischen Experten zu Wort kommen zu lassen, damit im Interesse der Kinder und Jugendlichen endlich Bewegung in die Bildungspolitik im Südwesten komme.
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