Mediadaten | Impressum | Feedback | RSS | Mobil | Newsletter
Letzte Änderung: 06.02.2012, 16:47
  • Delicious_bw
  • Studivz_bw
  • Facebook_bw
  • Twitter_bw
  • Drucken_bw
  • Email_go_bw
Artikel | Bilder

Sechs Irrtümer des dreigliedrigen Schulsystems

Wissenschaftler stützen Forderung der Schulleiter

Mehr zu: Auslese, Baden-Württemberg, Hauptschule, IGLU-Studie, Lesekompetenz, Schulstruktur, Schule
25.05.2007 -

(bikl/pm) Erziehungswissenschaftler der Pädagogischen Hochschule Weingarten halten die Forderung der Schulleiter aus der Region Ravensburg-Oberschwaben für berechtigt: die Abschaffung der Hauptschule und das Nachdenken über ein integriertes Schulsystem. Das derzeitige dreigliedrige Schulsystem lasse sich nicht mehr auf Grundlage der Forschung legitimieren.

Die ehemals an Begabung, Schicht oder beruflicher Neigung orientierte Begründung des dreigliedrigen Schulsystems sei undifferenziert und längst nicht mehr zeitgemäß, so die Wissenschaftler in ihrer Stellungnahme. Die gängigen Argumente für das dreigliedrige Schulsystem enthielten mindestens sechs Irrtümer.

Keineswegs leistungsgerecht

Der erste Irrtum betreffe die Leistungen: So seien die Leistungen der Schülerinnen und Schüler keineswegs international erfolgreich. Baden-Württemberg liege im internationalen Vergleich nur leicht über dem OECD-Durchschnitt, im Bereich Lesekompetenz unter dem Durchschnitt.

Dass das gegliederte Schulsystem leistungsgerecht sortiere, sei ein zweiter Irrtum. Zahlreiche Studien wie TIMSS, PISA, IGLU und andere belegten, dass Schülerinnen und Schüler mit denselben Leistungen je völlig unterschiedlichen weiterführenden Schularten zugewiesen wurden.

Durchlässigkeit nur nach unten

Ebenso sei ein Irrtum, dass Fehlentscheidungen durch die Durchlässigkeit des Systems nach oben und nach unten korrigiert werden könnten. Die Durchlässigkeit funktioniere überwiegend nach unten. Bundesweit sind 77% der Schulartwechsel Abstiege und nur 23 % Aufstiege.

Der vierte Irrtum betreffe die Bildungschancen. Studien wie PISA bestätigten einen besonders ausgeprägten Zusammenhang zwischen Kompetenzerwerb und sozialer Herkunft in Baden-Württemberg. So würden die spezifischen Lernumgebungen innerhalb der einzelnen Schularten besonders dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche mit gleichen Grundfähigkeiten und identischem sozioökonomischen Status unterschiedliche Leistungen in unterschiedlichen Schularten erbringen.

Noten sind nicht vergleichbar

Der fünfte Irrtum beziehe sich auf die Aussagekraft und Vergleichbarkeit der schulischen Noten. Diese besäßen in gegliederten Systemen eine machtvolle Funktion, denn sie dienten als Selektionsinstrument. Ihre Vergleichbarkeit ende jedoch an der Klassentüre, so die Forscher. Lehrkräfte könnten Leistungsunterschiede innerhalb einer Klasse recht gut einschätzen, sobald jedoch die Klasse den Lehrer wechselt oder ein Schüler die Klasse wechselt, veränderten sich die Noten nachweislich: Noten seien außerhalb des Klassenzimmers nicht mehr vergleichbar.

Zugang zum Abitur ermöglichen

Der sechste Irrtum: Widerlegt sehen die Wissenschaftler auch die Feststellung, dass integrierte Schulsysteme schlechtere Leistungen produzierten. Allein die Anwesenheit leistungsstärkerer Schüler führt bei anregungsreicher und anspruchsvoller Lernumgebung bereits zu höheren Lernfortschritten leistungsschwächerer Schüler – ohne dass dabei ein Nachteil für leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler zu befürchten wäre.

Eine Zusammenführung von Hauptschule und Realschule sehen die Wissenschaftler jedoch nur dann als sinnvollen Zwischenschritt, wenn auch ein Zugang zum Abitur möglich sei, etwa in neun Jahren. Die notwendige Weiterentwicklung des Schulsystems gehe einher mit einer stufenbezogenen Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrer.

0 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)

Hinweis
  • Ein Enter führt zu Zeilenumbruch.
  • Hyperlinks bitte grundsätzlich mit "http://" beginnen (also z.B. http://bildungsklick.de/).
  • Kein HTML unterstützt.

Ihr Kommentar:

Ihr Name:
Ihre E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht):
Durch die Eintragung Ihrer E-Mail erkennen Sie die Kommentarregeln an.

81bab6aa9b15dbbd15d100860e1de5203f77b8af
Bitte den Text aus dem Bild eingeben:


MELDUNGEN AUS DEN RESSORTS

Schule

Grundschüler wollen in die Natur

06.02.2012. Der Entfremdung der Jugend von der Natur kann man entgegenwirken. Eine Untersuchung der Justus-Liebig-Universität Gießen und des Verbandes Deutscher Naturparke (VDN, Bonn) unter 175 Grundschülern zeigt, dass sich Kinder sogar mehr Aktionen in der Natur während des Unterrichts wünschen. Dieses ...

Kindergarten / Vorschule

EU-Kommission rügt deutsches Betreuungsgeld

03.02.2012. (dpa) – Die EU-Kommission rügt die deutschen Pläne zur Einführung eines Betreuungsgeldes. "Die EU-Kommission ist überrascht zu erfahren, dass es Ideen gibt, Frauen zu ermutigen, zu Hause zu bleiben", sagte die Sprecherin von EU-Sozialkommissar Laszlo Andor am 1. Februar in Brüssel. "Es gibt ...

Sonderthemen

Schulen sollen Lernzentren für alle werden

03.02.2012. (red/ots) - Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung (CDU), will angesichts der demografischen Entwicklung in Deutschland die Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten für Ältere verbessern und mehr Forschung in der Altersmedizin ermöglichen. "Nur etwa ein Drittel der über ...
in

Elementarbereich NRW | Medienschau Bildung

NEU bei didacta-bildungsklick.tv: CookUOS 2011/12

ANZEIGEN

Downloads zum Artikel
Links zum Artikel
Weiter auf bildungsklick.de
Society in Science unterstützt postdoc Studenten überall auf der Welt. Unser Ziel ist Förderung der Forscher/innen.
ANZEIGE
Aktuelle Kommentare
Ein Tag Ein Preis Ein Deal. Marken-Schulranzen bis zu unglaublichen 80% reduziert. Scout, McNeill, Espri... und vieles mehr.
ANZEIGE
Unser Partner in Österreich
Bildungaktuell
Das eMagazin für Management, Personalwesen und Weiterbildung