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"Sonderschulen abschaffen"

Behindertenbeauftragte fordert mehr Integration in Deutschland

Mehr zu: Deutschland, Förderschule, Handikap, Integration, Sonderschulen, Schule
12.06.2007 -

(bikl) Die Abschaffung der Sonder- und Förderschulen in Deutschland hat jetzt die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Karin Evers-Meyer (SPD), gefordert. Alle Kinder, ob behindert oder nicht, müssten gleichberechtigt unter einem Dach unterrichtet werden, sagte Evers-Meyer im Deutschlandradio Kultur.

Während in Deutschland nur circa zwölf Prozent aller behinderter Kinder integrativ beschult würden, seien das in vergleichbaren Ländern in Europa bis zu 80 Prozent und mehr. "Und das ist natürlich beschämend für Deutschland", so Evers-Meyer. In Ländern wie Italien oder Schweden werde nicht von vornherein aussortiert. Bereits vom Kindergartenalter an finde das Lernen dort unter einem Dach statt.

Ihre Kollegen aus dem Ausland würden ihr oft vorwerfen, dass die Deutschen nach wie vor besser aussortieren könnten als integrieren. "Das müssen wir endlich in Deutschland zur Kenntnis nehmen, dass wir ein Schulsystem brauchen, das diese Diskriminierung abschafft. Und unser System von Sonder- oder Förderschulen ist der Integration von behinderten Menschen nicht dienlich", betonte die Beauftragte. Karin Evers-Meyer nimmt an der internationalen Behindertenkonferenz in Berlin teil, wo Perspektiven zur besseren Integration behinderter Menschen in Gesellschaft, Bildung und Arbeitswelt diskutiert werden.

8 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)
von georg, am 25.10.2009, 19:14

Sonderpädagogik abschaffen!

Sonderschulen, also Schulen, die sich auf bestimmte Schüler mit gleichartigen Problemen spezialisieren, sind an sich etwas positives und sollten der so genannten Integration eigentlich überlegen sein. Das dies in den meisten Fällen nicht so ist, liegt nicht an der Organisationsform Sonderschule, sondern an den Sonderpädagogen. Deren Tradition leitet sich nicht aus der Schulpädagogik ab, sondern kommt aus den Heilanstalten für „Blödsinnige“ und „Idioten“ des 19. Jahrhunderts.

Von Reformen ist die Sonderpädagogik weitestgehend verschont geblieben: Ruhigstellen und Unauffälligkeit sind immer noch die Hauptziele der Sonderpädagogen. Der Erziehungsauftrag ist ihnen wichtiger als der Bildungsauftrag. Soziales Kompetenztraining in allen möglichen Formen ersetzt teilweise den Deutsch- und Mathematikunterricht .

Es ist daher nicht ungewöhnlich, dass behinderte Schüler in einer Integrationsklasse bessere Leistungen zeigen als in einer Sonderschule.

Ich plädiere dafür, die Sonderschulen beizubehalten und die Sonderpädagogik abzuschaffen. Normale Lehrer sind eher bereit, mit Behinderten normal umzugehen und die besonderen Aufgaben der Sonderpädagogen können besser von Berufsgruppen (Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter) übernommen werden, die dafür besser ausgebildet wurden.

von Pirat, am 18.03.2010, 23:00

Hallo,

zu Ihrem Artikel kann ich nur voll únd ganz zustimmen!

Habe selbst solche negativen Erfahrungen auf und mit einer "Sonderschule" gemacht!

Der Pirat

von Violette, am 14.07.2010, 23:14

Hi

Ich war selber in einer Sonderschule.

Die Sonderschule war früher eine Schule für Lernbehinderte, aber es wurden auch viele Jugendliche dort unterrichtet, die ebenso gut auf eine normale Hauptschule hätten gehen können, wenn man ihnen etwas mehr Aufmerksamkeit gegeben hätte. Der Unterricht dort fand auf unterstem Niveau statt, so das wir fast alle unterhalb unserer Fähigkeiten blieben. Wir waren alle keine zukünftigen Nobelpreisträger, aber wir könnten heute mehr, hätte man uns nicht ständig erzählt was wir alles nicht können.

von sigrid, am 02.10.2010, 21:20

Ich bin bestürzt von solchen Einstellungen. Mein Sohn hat mehrfache Handicaps (Lernen, Sprache, Dyskalkulie, ADS, Epilepsie). Mein Sohn geht in eine Förderschule, er erhält dort für ihn die beste Bildungsmethodik, die eine Grundschule nicht leisten könnte. Mein Sohn wird im Lernen da abgeholt, wo er steht. Er Erhält dadurch Anerkennung und genießt Erfolgserlebnisse. Ich halte es für den falschen Weg Förderschulen zu reduzieren bzw. abzuschaffen. Die Entscheidung für die Beschulung meines Sohnes ist mir nicht leicht gefallen. Ich habe 2 jahre in mehreren Schulen hospitiert (Grund- und Förderschulen). Mich haben von der Methodik die Förderschulen überzeugt. Man sollte das System nach oben eher durchlässiger machen. Gerade durch den gemeinsamen Unterricht werden die Kinder ausgesondert, da Sie besondere Unterstützung durch weitere Pädagogen bzw. Schulbegleiter benötigen. Ich glaube auch nicht, dass der Staat in einer Wirtschaftskrise Inklusion finanzieren kann. Wenn die Möglichkeit der FÖS nicht vorhanden ist, wird es für die Kinder auch keine besondere Förderung geben, wenn dafür die finanziellen Mittel fehlen. In den Behindertenverbänden und -beiräten sitzen Personen, mit körperlichen Handicaps und nicht mit geistigen Entwicklungsstörungen, die solche Maßnahmen begrüßen. Bei allen Gleichstellung - egal in welchem Bereich - möchte doch mal Beachten, dass nur Pflichten in diesem Staat gleichgestellt wurden und nicht die Rechte bzw. das, wo der Staat spart. Es wird behauptet, dass geistig behinderte Menschen nicht auf dem Arbeitsmarkt bestehen können, sie sollen auch inklusiv auf dem Arbeitsmarkt eingegliedert werden. Körperbehinderte werden kaum eingestellt. Es gibt bereits viele Projekte über freie Träger die inklusiv mit Betreuer in Unternehmen arbeiten. Fragen Sie mal nach wie viel die behinderten Menschen dort verdienen, leider zahlt ihnen keiner ein inklusives Gehalt sondern nur ein geringes Entgelt, wo nur der Staat profitiert nicht sie selber. In den Werkstätten sind sie unter ihres gleichen, geben sich gegenseitig Anerkennung, haben keine Versagensängste.

Ich möchte hier auch noch betonen, dass die Eltern das absolute Wahlrecht für ihre Kinder, was die Bildung angeht laut GG haben und nicht die Landesregierungen. Wir Eltern und unsere Kinder müssen mit den Konsequenzen leben, wenn die neue Bildungspolitik versagt.

MfG

von Guido, am 03.11.2010, 13:09

Ich möchte das, was "Georg" von sich gegeben hat, nicht kommentieren.

Ich bin Lehrer und habe viele Jahre in der Sek I einer Gesamtschule gearbeitet. Bei immer mehr Bildung und bürokratischem Aufwand in immer größeren Klassen und Kursen bleibt die Pädagogik leider viel zu oft auf der Strecke. Die sich ständig erhöhenden Lehrplan- und Leistungsanforderungen können gerade die schwachen Schüler kaum bewältigen.

Durch ein berufsbegleitendes Studium und die freiwillige Versetzung an eine Förderschule habe ich die persönliche Konsequenz aus meinem ebenfalls ganz persönlichen Dilemma gezogen. Und trotz einiger Startschwierigkeiten bin ich in meinem Beruf angekommen. Kleinere Lerngruppen mit der Möglichkeit des individuellen Eingehens, Zeit für die zielgerichtete Arbeit an den jeweiligen Defiziten und die Anerkennung meiner Investition in die Schüler durch die Schüler selbst, das alles soll nun bald vorbei sein.

Ausgrenzung und Stigmatisierung haben andere Ursachen als eine Schulform. Wer seine (Förder)Schule öffnet und den Jugendlichen Perspektiven bietet, Kooperationen mit Wirtschaft und Trägern eingeht, um Netzwerke aufzubauen, wird schnell erkennen, dass auch der Weg über eine Förderschule sinnvoll und erfolgreich sein kann.

Ich bin kein Gegner der Integration und finde den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung durchaus richtig, wenn er materiell und personell voll ausgestattet ist. Die Realität sieht mitunter anders aus.

Aber es ist falsch, die Inklusion zum Königsweg zu erheben. Ich mache mir wirklich Sorgen um die Kinder und Jugendlichen, die es im gemeinsamen Unterricht nicht schaffen werden.

von Patrick Hinternberger, am 02.02.2011, 17:55

Ich möchte das Sonderschulen abgeschaft werden weil es soll eine Gesamtschule geben wo sich die Lehrer jeden einzelnen Schüler die Bedürfnisse anpassen und es sollen so auch mehr Lehrer in den Klassen sein.Es ist so jedes Kind ist anders man kann nicht alles können und es soll in jeder Schule und Klasse integriert werden egal ob und wie es behindert ist! Was mir noch sehr Wichtig ist das man alle mehr Zeit zum lernen geben soll und die Lehrer sollen vielmehr deutlicher und einfüllsamer sein! Man soll jeden soviel Zeit zum lernen geben soviel benötigt wird. Alle Schüler sollen für den Arbeitsmarkt viel besser gefördert werden. In den Klassen soll statt ein Lehrer mehr Lehrer sein. Es sollen alle Kinder gerchter behandelt werden und auch von Pädagogen bzw... Lehrer so genommen werden wie sie sind egal ob behindert oder nicht!

Sehr Hochachtungsvoll!!

Patrick Hinternberger

von AKAANER, am 03.02.2011, 14:23

habe einen Sohn, der eine Sonderschule besucht.Mein Sohn hat Autismus.Er hatte Schwierigkeiten sich im Kindergarten zu "integrieren",da die Integrationsgruppen mit einer Anzahl von 21 Kinder für ihn unerträglich war.(Geräuschempfindlichkeit).Als mein Sohn im Schulalter kam freute ich mich,dass er eine Sonderschule besuchen wird.(max.7 kindern in einer Klasse).Jetzt bin ich sehr enttäuscht.In Sonderschulen fehlt die transparenz,reine Aufbewahrungsanstalten.Alles geht in Schneckentempo voran.Bin immer noch hinter den Schulkonzept hinterher(seit 2 Jahren)Lehrer sind der Meinung sich für ihre Arbeit nicht rechtfertigen zu müssen.Der Schulranzen meines Sohnes Ist seit 2 Jahren leer.Arbeitszetteln,die die Kinder in der Schule machen,dürfen nicht nach Hause mitnehmen.Begründung:"Die gehen sonst verloren!:????????????????Man versteht die Welt nicht mehr.Kinder werden leider als schwer erziehbar,statt schwerbehindert betrachtet.Man geht leider wenig auf die Bedürfnisse der Kinder ein. Die Kinder müssen sich mehr und mehr auf die Bedürfnissen der Lehrer einstellen.Lehrer,die ständig krank sind.Autistische Kinder brauchen Beständigkeit.

Ich konnte leider nie das Wort "Integration" verstehen.Im Kindergarten ist mir schon aufgefallen, das obwohl mein Kind mit "gesunden"Kindern in der Gruppe war, kein Kind mit ihm spielen wollte,da es leider an "Kommunikation" fehlte.Kann ich auch verstehen.Wieviele Menschen sind mit "behinder ten"Menschen befreundet.Man Sollte das Wörter wie"behindert,integrieren" abschaffen .Das ganze Schulsystem ist ein Chaos.

von Peter, am 30.08.2011, 13:40

Ich habe ein Praktikum in einer Sonderschule gemacht, welche Regelklassen und Förderklassen beinhaltete. Dies ist der Mittelweg, Schüler werden Integriert und Lernschwache gefördert. Und die Regelschüler genossen einen "normalen" Unterricht. Aus meiner sicht finde ich die "Einspaarungsvariante", das die sonderschulen abgeschafft werden sollen, einen groben fehler. Pisa beweisst das Deutschland es nicht so genau nimmt mit der Bildung, wenn dann aber wieder geld fehlt wird da eingespaart wo am wenigsten geld hin fließt und am meisten die gelder benötigt werden um zukunftsweisend zu bleiben, aus der Bildung. Sonderpädagogen, Lehrer, Hilfskräfte, jeder hat sein Fachgebiet und kann somit auch jeweils auf die ihm zugeteilten schüler am besten eingehen. Ich weis nicht wieso das Sonderpädagogentum so ausgeschimpft wird, diese Lehrer können, wie gesagt, am besten auf menschen mit Behinderung eingehen, sie habens studiert. Das Tadeln dieser Studienrichtung ist unbegründet, wer heute bei einem Sonderpädagogen nicht gefördert werden kann, der kann nirgendwo mehr gefördert werden und so etwas gibt es ja auch nicht. Früher war es ausserdem auch noch eine andere situation als Heute, heute ist die Behindertenpädagogik schon so vorrangeschritten, das eine Perfekte förderung für Menschen mit Behinderung an Sonderschulen erreicht werden kann. Nicht nur im Bildungssektor, sondern auch im Zwischenmenschlichen bereich. Und das würde dann verloren gehen, normale lehrkräfte können gar nicht auf spezielle behinderungsformen eingehen, daher müssten immer 2 lehrer in einer klasse sein, die aber erst ab 33 schüler geteilt werden kann. Dann kann keiner mehr vom richtig getimeten, intuitivem und speziellen eingehen auf jeden einzelnen schüler eingehen, sprechen. Ich bin für den Mittelweg, eine Integration und herranführung an das normale Umfeld wie auf dem Waldhof in Templin.


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