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Wege aus der Hauptschulkrise

Schulpädagoge fordert gemeinsame Bildung für alle Kinder

22.06.2007

(bikl.de) Ein wohnortnahes gemeinsames Bildungsangebot von der Vorschule bis zum ersten Sekundarabschluss für alle Kinder und Jugendlichen hat jetzt Prof. Dr. Karl G. Zenke gefordert.

In seinem Beitrag "Wege aus der Hauptschulkrise" im Forum Kritische Pädagogik setzt sich der emeritierte Lehrstuhlinhaber für Schulpädagogik an der PH Ludwigsburg vehement für eine "Schule für alle" ein.

Pädagogische Reformen müssten allen Kindern ein gemeinsames, förderliches, vertrauensvolles und angstfreies Lernen ermöglichen, ihre individuellen Potenziale in ganzer Breite entwickeln und die Ausbildung persönlicher Berufs- und Lebensentwürfe geduldig und kompetent unterstützen, schreibt Zenke.

Als organisatorischer Rahmen werde immer öfter ein System mit den Stufen ein- oder zweijährige obligatorische Vorschule, sechsjährige integrierte Grundschule und vierjährige profilierende Sekundarschule diskutiert. Dabei müssten alle Sekundarschulen eigenständig entscheiden können, welche Bildungsprofile sie bis hin zum Übergang in die Hochschulen anbieten.

Heterogenität als Bildungschance

Die "Schule für alle", müsse das Wissen um die schlechterdings immer gegebene Heterogenität von Lerngruppen endlich als Bildungschance begreifen, für die Entfaltung individueller Stärken, für kooperative Arbeitsprozesse, für die Entwicklung sozialer, emotionaler und kommunikativer Kompetenzen, für interkulturelle Verständigung, für moralische Erziehung und politische Bildung. Die "Schule für alle" werde auch durch die Vernetzung mit berufsbildenden Bildungsgängen neue Profilierungen und erweiterte Anschlussfähigkeiten ermöglichen. Auch berufliche Bildungsabschlüsse müssten zur Hochschule führen.

Auf der falschen Schule?

Die "Apologeten des gegliederten Schulsystems" fragt der Autor schließlich, ob sie nicht zur Kenntnis genommen hätten, dass auch Vertreter der Wirtschaft längst eine grundlegende Reform der Schulstruktur fordern oder ob sie einfach nur zufrieden seien, weil Realschulen und Gymnasien ein "Auffangbecken" für die Kinder bräuchten, die angeblich auf der falschen Schule seien und deshalb nach unten abgeschult werden müssten.

Lehrerbildung reformieren

Der Schulpädagoge fordert in seinem Beitrag auch eine Neugestaltung der Lehrerbildung: "Solange sich nämlich in den Köpfen der Lehrer das gegliederte Schulwesen und seine segregierende Pädagogik immer erneut festsetzt, wird das neue pädagogische Ethos, das von allen Lehrerinnen und Lehrern verlangt, kein Kind verloren zu geben, in kollegialer Gesamtverantwortung sich um die Förderung aller Kinder zu bemühen und Aussonderung als Versagen einer Schule zu sehen, nicht zum Tragen kommen können. Genau dieses inklusive, integrative und konsequent pädagogische Ethos aber benötigen die Lehrer so dringend wie die Mediziner ihren hippokratischen Eid."


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