Schöpfungsgeschichte im Biologie-Unterricht?
Vorschlag der hessischen Kultusministerin - Europaabgeordnete sehen Kreationismus als Gefahr für die Demokratie
Mehr zu: Europa, Naturwissenschaften, Religion, Schule(bikl.de) Der saarländische Kultusminister Jürgen Schreier (CDU) hat sich kritisch zu den Vorschlägen seiner Parteifreundin und hessischen Amtskollegin Karin Wolff geäußert, die biblische Schöpfungsgeschichte im Biologie-Unterricht zu behandeln.
Wissenschaft und Glaube dürften nicht vermischt werden, sagte Schreier der Saarbrücker Zeitung (Montag-Ausgabe): ,,Wie will ich einem fundamentalistischen Muslim erklären, dass die Trennung zwischen Staat und Kirche für unseren Staat grundlegend ist, wenn ich gleichzeitig eine Debatte beginne, dass zwischen Glaube und Wissenschaft eine solche Trennung nicht besteht." Allerdings sei es auch ,,unrealistisch, im christlich geprägten Abendland, die Schöpfungsgeschichte zu ignorieren. Sie schwingt in jedem Unterricht mit, denn sie ist elementar". Deshalb dürfe diese Frage weder im Unterricht künstlich ausgeschlossen werden, noch brauche sie eine explizite Ausweisung etwa im Biologie-Lehrplan. Klar müsse aber immer sein: ,,Das eine ist Glaube, das andere ist Wissenschaft."
Wolff: "Neue Gemeinsamkeit von Naturwissenschaft und Religion"
Die hessische Kultusministerin hatte sich in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) in der vergangenen Woche dafür ausgesprochen, auch im Biologieunterricht die Schöpfungslehre zu unterrichten. Die ehemalige Religionslehrerin betonte dabei, dass die Bibel für sie "eine Art Koordinatensystem für mein Leben" sei, sieht in der Debatte über die biblische Schöpfungslehre die Chance für "eine neue Gemeinsamkeit von Naturwissenschaft und Religion." Zugleich hatte Wolff den Vorwurf zurückgewiesen, sie unterstütze die Kreationisten, die die Schöpfungsgeschichte der Bibel wörtlich auslegen. Es gehe nicht darum, Religion und Naturwissenschaft gegeneinander auszuspielen. Sie plädiere für einen "modernen Biologieunterricht", in dem auch die Grenzen naturwissenschaftlicher Erkenntnis thematisiert werden.
Diskussion im Europarat fraglich
Das Thema Kreationismus beschäftigt auch den Europarat. Ein aktueller Bericht unter der Federführung des französischen EU-Politikers Guy Lengagne beschreibt unter anderem die Entwicklung kreationistischen Gedankenguts an europäischen Schulen. Lengagne bezeichnet darin den Kreationismus als Gefahr für die Demokratie. Er sieht die Werte, die den Kern des Europarats bilden, von kreationistischen Fundamentalisten bedroht. Als Beispiel führt er auch die Aktivitäten von schöpfungsgläubigen Biologielehrern an einigen deutschen Schulen auf, die in jüngster Zeit bekannt geworden waren. Auf Druck konservativer Abgeordneter wurde das Papier allerdings nicht zur Diskussion im Europarat zugelassen. Luc Van den Brande, Fraktionsvorsitzender der Europäischen Volkspartei im Europarat, meinte, der Bericht sei "unausgewogen". Das Dokument soll nun überarbeitet werden. Ob und wann es im Europarat diskutiert werden wird, ist noch offen.
Biologieunterricht muss auf Vorstellungen der Kinder eingehen
Mitte Juli hatte der Arbeitskreis Kritische Theorie den Kongress "Die erschöpfte Theorie? Evolution und Kreationismus in Wissenschaften" an der Universität Trier veranstaltet. Auf der Tagung wurde untersucht, inwieweit die Evolutionstheorie-Gegner bereits Einfluss auf Schulbücher und Lehrpläne genommen haben und mit welchen Strategien sie ihre Ideologie verbreiten. Dort hatte Prof. Dr. Dittmar Graf, Professor für Biologie und ihre Didaktik an der Universität Dortmund, gefordert, dass die Beschäftigung mit evolutionären Fragen früher einsetzen und intensiver erfolgen müsse. Zudem gehe der Biologieunterricht zu wenig auf die bereits vor dem Unterricht vorhandenen Vorstellungen der Schülerinnen und Schüler ein. Und die seien durch Elternhaus, Kindergarten und Religionsunterricht in der Grundschule vielfach kreationistisch geprägt. Außerdem müsse die universitäre Ausbildung der Biologielehrerinnen und Biologielehrer das Thema Evolution mehr in den Fokus nehmen.
Der Kreationismus behauptet entgegen der Evolutionslehre, dass die Welt - und damit alle Formen des Lebens - vor etwa 4000 Jahren erschaffen wurden und sich seither nicht verändert haben. Zum Teil werden diese Thesen bereits unter dem Titel "Intelligent Design" in amerikanischen Schulen unterrichtet.
Nun also auch christlicher Fundamentalismus. Als ob wir nicht genug mit islamischen Fundamentalismus zu tun hätten. Wenn also unbedingt religiöse Mythen im Unterricht behandelt werden müssen, dann doch bitte dort, wo sie hingehören: Im Religionsunterricht. Sollte das Prinzip: "Abwägige Ansätze in der Naturwissenschaft zu unterrichten" sich ansonsten durchsetzen, dann wäre es sicherlich auch interessant, Experimente zur Goldherstellung im Chemie-Unterricht (Alchemie) oder Belege für die These, dass unsere Erde eine Scheibe sei, im Erdkundeunterricht ernsthaft zu suchen. Statt Medizin stellen sich die Anhänger solchen Gedankenguts sicherlich auch Geistheilung und Beschwörung der Götter vor.
Ja, man kann sicherlich auch Naturwissenschaft kritisch hinterfragen: Wissenschaftstheorie, kritischer Rationalismus, Falsifikation sind hier die Stichworte. Mythen in allen Varianten gehören nicht dazu!
"Der Kreationismus behauptet entgegen der Evolutionslehre, dass die Welt - und damit alle Formen des Lebens - vor etwa 4000 Jahren erschaffen wurden und sich seither nicht verändert haben."
Diese Aussage im Artikel ist durch und durch falsch. Kreationisten wie ich gehen vom Grundtypen-Modell aus und akzeptieren die Mikro-Evolution innerhalb der Grundtyp-"Arten" als von Gott, dem Schöpfer, von Anfang an, vorgesehene Variations- und Anpassungsmöglichkeiten. Lediglich die Annahme, dass sich über Jahrmillionen durch zufällige Mutationen und Selektion z.B. aus Fischen Landlebewesen oder aus Dinosauriern die Vögel und aus Primaten der Mensch entwickelt haben sollen, lehnen sie ab. Nachzulesen im in der Presse vielgeschmähten "Evolution - Ein kritisches Lehrbuch" von Prof. Dr. Scherer.
So, so, "lediglich" die Jahrmillionen dauernde Evolution lehnen die Kreationisten ab... Ach - es ist mir einfach unverständlich, wie man offenbare und beweisbare Tatsachen wegen eines Glaubens einfach ablehnen kann. Und noch schlimmer: wie kann man fordern, dass andere sich diese Ideen zwangsweise (Schulpflicht!) auch noch anhören müssen?
Behaltet diese Ideen für Euch - in der Schule haben sie außerhalb des Religionsunterrichts nichts zu suchen.
Grüße, FB
Nur zur Klarstellung:
Einmalige historische Vorgänge wie die Entstehung des Kosmos oder die Entstehung und Entwicklung des Lebens sind kein Gegenstand empirischer Wissenschaft. Wir könen allenfalls fragen, welche Hypothese nach unserer heutigen (also vorläufigen) Erkenntnis die plausibelste ist. Hier von "bewiesenen Tatsachen" zu sprechen, ist schlicht unwissenschaftlich. Gerade deshalb wäre es angebracht, statt die Evolution als Tasache zu lerhren, die Schüler darüber aufzuklären, was Wissenchaft wissen kann und was nicht.
Was hinter dem Universum und den Naturgesetzen steht, ist wissenschaftlich grundsätzlich nicht erkennbar. Das ist eine Frage des Glaubens. So ist auch der Atheismus ein Glaube. Nur merken es viele nicht, weil er völlig ungerechtfertigt im Mantel der Wissenschaft daherkommt.
Hallo!
Ich weiß nicht ob es angebracht ist in meinen Alter (22 Jahre) etwas dazu zu schreiben aber ich tue es trotzdem!
Ich wurde nie gläubig erzogen glaube aber dennoch an Gott, nur auf meine Weise. Ich habe auch kein Problem mit Glaubensrichtungen.
Jedenfalls bin ich der Meinung das die Schöpfungsgeschichte nichts im Biologieunterricht zu suchen hat!
Sicher gibt es viele Thesen die man auch mit der Wissentschaft nicht belegen kann aber genauso finde ich es lächerlich zu sagen das Darwins Finken oder die Zellteilung nur ein Wunderwerk Gottes ist!
Ich meine ich kann doch nicht behaupten das es den Urknall nicht gab und dann aber sagen Gott hat die Welt erschaffen obwohl es dafür noch weniger Beweise gibt, das ist einfach nur zynisch!
Jeder kann glauben was er möchte aber zum Unterricht gehören meiner Meinung nach wissentschaftliche Tatsachen!
Wohin kreatonistisches Gedankengut führt, sehen wir seit Jahren in den USA. Dort glauben 55 Prozent der Bevölkerung an den Wortlaut der Bibel, und selbst ein Präsident ignoriert anscheinend zeitweise 250 Jahre Aufklärung und naturwissenschaftliche Erkenntnisse. Die biblische Schöpfungsgeschichte in den Biologie-Unterricht einzubringen, würde heißen: Kosmogonie, Kosmologie und Evolution auf den Unwissensstand von primitiven orientalischen Ziegenhirten zurückzuführen und deren Lagerfeuergeschichten aus der frühen Bronzezeit zur Basis der Wissenschaft im 21. Jahrhundert zu machen. Wie fanatisiert und ignorant müssen Menschen sein, die das fordern.
Sehr gerehrter Herr Prof. Leisenbach,
> Einmalige historische Vorgänge wie die
> Entstehung des Kosmos oder die Entstehung
> und Entwicklung des Lebens sind kein
> Gegenstand empirischer Wissenschaft.
Selbstverständlich ist die (Evolutions-) Biologie eine empirische Wissenschaft, sie beruht ausschließlich auf Beobachtung und Beschreibung.
> Wir könen allenfalls fragen, welche
> Hypothese nach unserer heutigen (also
> vorläufigen) Erkenntnis die
> plausibelste ist. Hier von "bewiesenen
> Tatsachen" zu sprechen, ist schlicht
> unwissenschaftlich.
Wie jede wissenschaftliche Theorie (nicht Hypothese!) ist die Evolutionslehre natürlich _prinzipiell_ widerlegbar. Sie ist aber empirisch etwa so gut belegt wie die "Theorie", dass sich die Erde um die Sonne dreht. Und diese Aussage würden wohl auch Sie als Tatsache gelten lassen.
> [...] So ist auch der Atheismus ein Glaube.
> Nur merken es viele nicht, weil er völlig
> ungerechtfertigt im Mantel der Wissenschaft
> daherkommt.
Die Naturwissenschaften sind gezwungenermaßen "atheistisch" (besser agnostisch oder materialistisch), weil sie eben nur so die oben angesprochene prinzipielle Widerlegbarkeit gewährleisten können. Martin Neukamm hat es in einem lesenswerten Aufsatz einmal so formuliert:
"Bei Lichte betrachtet, ist die Evolutionsbiologie nicht mehr und nicht minder „atheistisch“, als etwa die Kernphysik, die Chemie oder ein profanes Backrezept! Wenn der Kernphysiker die Entstehung chemischer Elemente zu erklären hat, „leugnet“ er den Eingriff göttlicher Wesen ebenso, wie der Chemiker bei der Erklärung des Reaktionsgeschehens oder der Bäcker, wenn er die Entstehung eines Kuchens zu erklären hat. Die empirische Wissenschaft geht auf diesem Wege natürlich nur so weit, wie „ihre Füße tragen“. Sie behauptet nicht, das es darüber hinaus definitiv (!) nichts Weiteres gäbe, aber sie kann zeigen, daß nur sie vernünftige und prüfbare Aussagen treffen kann."
www.evolutionsbiologen.de/theismus.pdf
Mit freundlichen Grüßen
Gg. Halbleib
jaaa wir sind auch der meinung!XD
Es ist nicht richtig, dass die Thesen "dass die Welt - und damit alle Formen des Lebens - vor etwa 4000 Jahren erschaffen wurden und sich seither nicht verändert haben [z]um Teil [...] bereits unter dem Titel 'Intelligent Design' in amerikanischen Schulen unterrichtet" werden.
Intelligent Design bezieht sich auf die Frage, ob die Lebensformen allein durch Zufall und natürliche Auslese entstanden sind, nicht auf die Zeitdauer dieses Vorgangs. Siehe z.B.
Warum wird denn so gestritten und behauptet, wenn es doch keine Seite wirklich beweisen kann. Wenn man sich sicher ist, warum hat man denn Angst dass beide Ideen nebeneinander in der Schule gelernt werden? Die Schüler können sich so mit beiden Ideen auseinandersetzen und letztlich selbst ent- scheiden, was für sie stimmen soll.
Sehr geehrter Herr Halbleib,
> Selbstverständlich ist die (Evolutions-)
> Biologie eine empirische Wissenschaft, sie
> beruht ausschließlich auf Beobachtung und
> Beschreibung.
Das Problem ist doch nur, daß keine der heutigen Beobachtungen eine Makroevolution auch nur im Ansatz stützt. Die einzigen beachtbaren Veränderungen finden innerhald der Arten statt, das wird Mikroevolution genannt, besser wäre der Ausdruck Variation. Von der Variation auf Makroevolution zu schließen mag für die Unterstützung der gesamten Theorie ausreichend sein, doch ein empirischer Beweis, wie von Ihnen gefordert, ist das nicht. Auch die so genannten "Beweise" der ET können anders interpretiert werden und sind auch keine Beweise im wiss. Sinn.
Daneben sollte angemerkt werden, daß die ET nicht mal eine Theorie im wissenschaftlichen Sinne ist, da eine Theorie eine belegbare Vorhersage enthalten muß.
Alle Vorhersagen der ET wurden nicht belegt:
- Darwin sagte das massive Auftreten von allen möglichen Zwischenformen vorher (bis heute nicht gefunden)
- Miller sagte die Machbarkeit des Lebens im Labor vorher (bis heute trotz äußerster Anstrengung nicht gelungen)
- Es wurde eine "Entwicklung" der verschiedenen Arten von der Urzeit bis heute vorhergesagt. Fakt ist, daß rezente Arten genauso aussehen wie historische Arten und keine Entwicklung nachweisbar ist, daß es sogar "lebende Fossilien" gibt, die sich in nichts von angeblich vor Millionen von Jahren versteinerten Tieren und Pflanzen unterscheiden.
- Es wurde auf Grund der jährlich niedergehenden Sternenstaubmenge vorhergesagt, daß der Mond (nach Mio. von Jahren und auf Grund fehlender Atmospäre) eine mehrere Meter dicke Staubschicht haben müßte, deshalb bekam die Landekapsel auch mehrere Meter hohe Stabilisatoren und für den Ausstieg mußte eine Leiter ausgefahren werden. Stattdessen ist die Staubschicht nur wenige Zentmeter dick (wie richtigerweise von der Vertretern der "Junges-Weltall-Theorie" vorhergesagt wurde).
Und wenn der EU-Vertreter von den "Gefahren" des Kreationismus spricht, dann sollten dem die Folgen der Evolutionslehre entgegengehalten werden:
- Hitler propagierte die "Herrenrasse" und tötete 6 Mio Juden, die "fast noch Affen" sind
- Stalin "säuberte" Rußland
- PolPot richtete Massaker in Kambodscha an
- Die Hooties in Ruanda und Umgebung betrachteten die Tootsie als Untermenschen und richteten in kürzester Zeit ein Millionenmassaker an
- usw.
Dies sind die Folgen der massiv propagierten Evolutionslehre. Da eine Entwicklung des Menschen aus Ursuppe keine moralischen Instanzen beinhaltet, der Tod sogar ein notwendiger Evolutionsfaktor ist, konnten die o.g. Monster mit Zustimmnung der Wissenschaft Millionen Menschen töten, ohne eine Konsequenz fürchten zu müssen.
Vielleicht sollten diese Zusammenhänge deutlicher gemacht werden, bevor man auf die "Gefährlichkeit" der Kreationisten hinweist.
MfG
Peter Meyer
Peter Meyer habe ich so verstanden: Hitlers (getaufter Katholik), Stalins ( orthodoxes Seminar) und Pol Pots Verbrechen resultieren nur aus dem Glauben an die Evolutionslehre Darwins. Weil es für sie keine "göttliche Ordnung" mehr gab usw. Meyer vergisst dabei völlig, wie viele zig Millionen Menschen dem christlichen Fanatismus und messianischen Sendungsbewusstsein gläubiger Jesus-Jünger zwischen dem 3. und dem 20. Jahrhundert zum Opfer gefallen sin? Angefangen von den Massenmorden christlicher Sektierer untereinander, über Pogrome, Blutorgien der Kreuzritter, Völkermorden "christlicher" Eroberer in Amerika und Afrika, über Hexenverfolgungen bis hin zum Irak-Krieg, nach dessen Ende sich etliche US-Bekehrer eine Christianisierung des vorderen Orients erhofft hatten.
Welcher "Ordnung" unterliegen die unzähligen Untaten der "Gläubigen", die Karlheinz Deschner in neun Bänden auf 4.500 Seiten unter dem Titel "Die Kriminalgeschichte des Christentums" beschreibt ?
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