Bessere Lehrerausbildung für besseren Matheunterricht
Projekt "Mathematik neu denken" an zwei Hochschulen
Mehr zu: Lehrerbildung, Mathematik, SINUS, Stiftungen, Hochschule(bikl.de) Mathematik gehört selten zu den Lieblingsfächern der Schüler. Das könnte sich aber bald ändern. "Mathematik neu denken" heißt ein Projekt, das angehende Mathematiklehrer besser auf ihren Beruf vorbereiten und damit den Schülern einen besseren und spannenderen Matheunterricht bieten will.
Seit zwei Jahren absolvieren zukünftige Mathematiklehrer an den Universitäten Gießen und Siegen innerhalb dieses Projekts ein eigenständiges Grundstudium, unabhängig von den Diplommathematikern.
Denn den Ruf als Schreckensfach erwirbt sich Mathematik spätestens an der Universität, "wenn sich angehende Lehrer wie künftige Diplommathematiker plötzlich mit einem scheinbar fertigen Denkgebäude konfrontiert sehen", wie Professor Rainer Danckwerts von der Universität Siegen erläutert.
Und hier genau setzt das neue Konzept an: Das neue Mathematik-Grundstudium für Gymnasiallehrer wählt mit einer Mischung aus Hochschulmathematik, Schulmathematik und Didaktik bewusst einen Weg, der Mathematik als Prozess begreift.
"Erstsemester sollen sich überhaupt erst einmal ein Gefühl dafür erarbeiten können, wie Mathematik entsteht. Dadurch, dass wir Mathematik ideengeschichtlich betrachten, stellen wir von vornherein den Bezug zur Lehre beziehungsweise Didaktik her. Mathematikunterricht hat schließlich ganz viel mit der Entwicklung mathematischen Denkens zu tun. Und genau auf diesen Prozess kommt es anschließend zwischen Lehrer und Schüler an", erklärt Professor Dr. Danckwerts von der Uni Siegen.
Neben der täglichen, an den Lerninhalten der Gymnasialstufe orientierten Vorlesung gehört ein begleitendes Forum in der Wochenmitte zu den Besonderheiten des Grundstudiums. Unter Anleitung studentischer und wissenschaftlicher Hilfskräfte erarbeiten die angehenden Gymnasiallehrer im Forum eigenständig inhaltliche Probleme. Die Studierenden reflektieren und dokumentieren dabei jederzeit den eigenen Lernprozess. Die Professoren sind in erster Linie Beobachter. Auf diese Weise wird im Grundstudium lebendig, was bislang als starres Gebäude, als "erratischer Block" empfunden wurde.
Insgesamt werden an die Studierenden erhöhte Anforderungen gestellt; trotzdem seien ihre Motivation und ihr Engagement "riesengroß", so Prof. Beutelspacher von der Uni Gießen. Seiner Ansicht nach erhöht dieses Projekt die Attraktivität des Faches Mathematik im Rahmen des Lehramtsstudiums an Gymnasien.
Die Weiterführung des ist für die nächsten beiden Jahre durch das Studienstrukturprogramm des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst gesichert. Für das Projekt konnten Professor Dr. Albrecht Beutelspacher und sein Siegener Kollege Professor Dr. Rainer Danckwerts die Unterstützung der Deutschen Telekom Stiftung gewinnen. Es ist aber außerdem eine Weiterentwicklung geplant, um das gesamte Lehramtsstudium im Fach Mathematik "neu zu denken". Dazu soll eine Expertenkommission, zu der auch Prof. Beutelspacher und Prof. Danckwerts gehören, konkrete Vorschläge machen, die dann umgesetzt werden sollen.
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