(bikl.de) Der Gießener Politikwissenschaftler Claus Leggewie hat den hessischen Ministerpräsidenten Koch aufgefordert, zur Behandlung der Schöpfungslehre an hessischen Schulen Position zu beziehen.
"Es ist eben nicht so, dass man im Biologieunterricht eine solche Religionsauffassung vertritt. Hier ist wirklich eine Grenze überschritten", sagte Leggewie im Deutschlandradio Kultur. Der Ministerpräsident müsse eindeutig sagen, dass dies nicht die Position der hessischen Landesregierung sei.
Gleichzeitig kritisierte Leggewie den Vorstoß der hessischen Bildungsministerin Wolff, die sich dafür ausgesprochen hatte, auch im Biologieunterricht die Schöpfungslehre zu unterrichten. Diese Ministerin rede ausgemachten Blödsinn, so Leggewie im Interview. "Es ist schon schlecht, wenn eine für Bildung und Schule zuständige Ministerin so schlecht informiert ist oder so einen ideologischen Unsinn erzählt", erklärte Leggewie.
Bestürzt zeigte sich Leggewie über das Verhalten einer Ministerin, die zuständig sei für eine Trennung von Politik und Religion an den öffentlichen Schulen: "Es sind nicht die Evangelikaner, es sind nicht die Fundamentalisten, es sind nicht die Kreationisten, die das fordern und dann mehr oder weniger herbeiführen, es ist die zuständige Aufsichtsperson, die für die Trennung von Staat und Religion sorgen muss und das ist der eigentliche Skandal dieses Vorganges." Man könne 13 bis 14 Jahre alten Schülern die verschiedenen Modelle nicht einfach anbieten und dann sagen "ihr könnt selber aussuchen" betonte Leggewie.
Gleichzeitig warnte Leggewie davor, die Kreationismusdebatte überzubewerten. Wenn jemand glauben möchte, dass die Erde eine Scheibe ist und in sieben Tagen von Gott erschaffen wurde, sei auch dies Religionsfreiheit. "Das ist nachgewiesener Blödsinn und Unsinn, aber es kann jemand glauben."