Damit der Schulstart gelingt: Die Familie ist gefordert
Drei Fragen von bildungsklick.de an ... Ulla Behrendt-Roden
Mehr zu: Einschulung, Frühe Förderung, Hausaufgaben, Interviews, Lernhilfen, Schulbuch, Schulstart, Schulstress, Kindergarten / Vorschule, SchuleRund 800 000 Kinder werden nach den Sommerferien in den "Ernst des Lebens" starten. Mit Schultüte, Herzklopfen und großen Erwartungen beginnt dann für die ABC-Schützen die Schulzeit. Doch schon lange vorher spielt das Thema Schule in den Familien eine große Rolle. bildungsklick.de wollte von der Kinder- und Jugendbuchexpertin Ulla Behrendt-Roden wissen, wie Kinder und Eltern sich möglichst stressfrei auf diese neue Situation einstellen können.
Wie bereiten Eltern ihre Kinder am besten auf diesen neuen Lebensabschnitt vor?
Ulla Behrendt-Roden: Am besten wäre es natürlich, wenn die Kinder schon vor Schulstart mit ihren Erzieherinnen Kontakt zu "ihrer" Grundschule aufgenommen hätten. Wenn dies nicht so ist, ist es auf jeden Fall nützlich, wenn die Eltern einen kleinen Ausflug zur künftigen Schule gemeinsam mit den Kindern unternehmen. Dann lernt das Kind gleich den Schulweg kennen, merkt sich die wichtigsten Verkehrsregeln bei der Überquerung von Straßen, weiß wo die richtige Eingangstür des Schulgebäudes ist, sieht schon mal, wie der Schulhof aussieht usw. Sicherlich kann es dann kaum abwarten, dass es bald losgeht. Eine Verabredung mit Nachbarn und Freunden bietet sich an, damit die Kinder bald auch ohne Begleitung der Eltern sicher den Weg zur Schule finden.
Da Bücher in der Schule eine große Rolle spielen, sollte das Kind mit diesem Medium schon vertraut sein, bevor es in die Schule kommt. Wenn nicht, wäre es jetzt höchste Eisenbahn, mal in einer Bücherei das Angebot gemeinsam kennenzulernen, sich Kinderbücher auszuleihen und gemeinsam anzusehen. Wird dann noch ein eigener Kinder-Büchereiausweis ausgestellt, ist das Kind sicherlich mächtig stolz, bald wie die Erwachsenen lesen zu können. Einige Stadtbüchereien bieten Aktionen zum Schulstart an. Auch ein gemeinsamer Besuch in der Buchhandlung empfiehlt sich. Das Angebot an Kinderbüchern oder Vorschulheften speziell für den Schulstart ist groß. Hier ist vor allem auf Qualität und altersangemessene Anforderung zu achten. Eine unnötige Überforderung der Kinder würde das Gegenteil dessen bewirken, was erreicht werden soll. Einfache Schwungübungen mit einem Buntstift, kleine Rätsel zum Zählen, Erkennen von Mengen oder erstes Vertrautwerden mit der Form von Buchstaben und Zahlen reichen völlig aus. Die Materialien sollten klar strukturiert, das Layout übersichtlich und nicht überladen sein, damit sich das Kind auf einzelne Aufgabenstellungen konzentrieren kann. Auch Bilderbücher, über die sich gemeinsam reden lässt, Vorlesegeschichten, die zum konzentrierten Zuhören einladen, sind sicherlich geeignet, Appetit auf mehr zu wecken.
Was können Eltern in den ersten Wochen nach Schulbeginn tun, damit ihre Kinder mit all den Neuerungen gut zurecht kommen?
Mittagsschlaf und kuschelige Ecke
Ulla Behrendt-Roden: Unterschätzt wird manchmal, dass der aufregende Schulstart auch immer mit Stress für die Schulanfänger verbunden ist. Unbekannte Räume, fremde Kinder und Lehrer, ein ungewohnter Tagesrhythmus, das alles bedeutet natürlich eine große Umstellung, die manchmal ganz schön anstrengend sein kann. Ruhephasen nach der Schule, ja sogar ein kleiner Mittagsschlaf oder zumindest der ungestörte Rückzug in eine kuschelige Ecke sind für viele Kinder unverzichtbar. Je ungewohnter die Situation in der Schule ist, desto wichtiger ist die vertraute Situation zu Hause und die Gelegenheit, dort mit Eltern, Geschwistern oder Freunden über die neuen Eindrücke zu sprechen. Erzählanlässe können hier auch Bücher mit Schulgeschichten für Kinder sein, Zeichnungen oder einfach das Gespräch bei den gemeinsamen Mahlzeiten.
Für viele Kinder ist auch das stundenlange Stillsitzen in der Schule anfangs eine echte Herausforderung. Spielen und Toben am Nachmittag, Spaß mit den Freunden draußen im Freien, alles das hilft, die Disziplin für die Vormittagsstunden aufzubringen. Stillsitzen beim Fernsehen oder Computerspielen ist sicherlich nicht das geeignete Kontrastprogramm, um die relative Bewegungsarmut der Schulstunden auszugleichen.
Oft ist auch die Ordnung und das Mitnehmen der richtigen Schulsachen ein Problem. Wenn Kinder häufig Dinge zu Hause vergessen, hilft morgens der gemeinsame Blick in den Schulranzen, um zu prüfen, ob alles nötige eingepackt ist. Das Einräumen der Schulbücher ins Regal, der Hefte in eine Schublade, alles das will am Anfang geübt sein, damit sich nach und nach der Überblick über das zur Verfügung stehende Lernmaterial ergibt und allmählich alles seinen festen Platz hat.
Eltern sollten selbstverständlich das Informationsangebot der Schulen nutzen, das es gerade bei der Einschulung gibt, also z. B. Elternabende oder Lehrersprechstunden. Wenn es irgendwann mal zu Problemen kommen sollte, kennt man bereits die Ansprechpartner.
Nicht die zweite Lehrerrolle einnehmen
Auch viele Grundschulen bieten unterdessen Ganztagsbetreuung. Sind Eltern trotzdem noch bei der Hausaufgabenhilfe gefordert und sollten sie die Lernfortschritte ihrer Kinder im Auge behalten?
Ulla Behrendt-Roden: Kinder, die eine Ganztagsschule besuchen, nehmen in der Regel keine Hausaufgaben mit nach Hause. Doch kann es immer wieder vorkommen, dass noch Aufgaben zu erledigen sind. Übersteigt die Zeit, die das Kind für Hausaufgaben benötigt eine bestimmte Grenze, z. B. mehr als 30 Minuten täglich in der ersten und zweiten Klasse, sollten Eltern Rücksprache mit den Lehrern halten oder das Thema offen auf dem Elternsprechtag ansprechen. Eltern oder andere Erwachsene, die das Kind tagsüber betreuen, sollten Hilfe anbieten, wenn es Fragen zu den Hausaufgaben gibt, die das Kind selbst nicht lösen kann oder echte Lernprobleme auftreten.
Grundsätzlich sollten es Eltern aber vermeiden, durch ständige Begleitung der Hausaufgaben das Gefühl zu vermitteln, dass das Kind überhaupt nur mit ihrer Hilfe Hausaufgaben schaffen kann. Ermunterung bei schwierigen Aufgaben, Interesse an den Lernfortschritten des Kindes, Lob, wenn es schwierige Hürden gemeistert hat, sind nützlicher als eine zweite Lehrerrolle einzunehmen. Durch ständige Kontrolle und zusätzlichen Druck könnte sich das Kind durch Schule und Eltern in die Zange genommen fühlen. Dadurch erhält nicht nur die ganze Lernsituation eine unnötige Dramatik, sondern die positive Bestätigung von Fortschritten und eigenen Leistungen kommt auch oft zu kurz. Schließlich hat gerade ein selbstbewusster Schüler die besten Voraussetzungen dafür, ein guter Schüler zu werden.
Zur Person
Die Germanistin ist seit 2003 als Programmleiterin beim Bibliographischen Institut & F.A. Brockhaus AG für das Kinder- und Jugendbuch zuständig, seit Anfang 2005 ist sie Verlagsleiterin des Gesamtbereichs Kinder- und Jugendbuch – Wissen und Lernen. Ulla Behrendt-Roden ist verheiratet und hat zwei Töchter.
Das Bibliographische Institut F.A. Brockhaus gibt unter der Marke Duden Kinderbücher, Lernhilfen und Nachschlagewerke für Kinder und Jugendliche aller Altersstufen heraus. Im Schulbuchmarkt ist der Verlag seit 2005 mit einem eigenen Grundschulprogramm aktiv.
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