Küng verteidigt Kultusministerin Wolff
"Niemand will den Kreationismus einführen"
Mehr zu: Hessen, Naturwissenschaften, Religion, Schule(bikl.de) In der Debatte über eine Integration der Schöpfungsgeschichte in den Biologieunterricht hat die hessische Kultusministerin Karin Wolff jetzt weitere Unterstützung bekommen. Er halte es für falsch, eine solche Diskussion von Beginn an zu unterbinden, erklärte Theologe Hans Küng im "Deutschlandradio Kultur".
Der Biologieunterricht müsse zwar selbstverständlich auf der Grundlage der Evolutionstheorie geführt werden: "Aber wenn eine Frage aufkommt, was vor dem Big Bang war oder was ihn erklären kann, ist das eine Frage, wo die Naturwissenschaft laut allen vernünftigen Wissenschaftlern an ihre Grenze gekommen ist." Wenn im Biologieunterricht nach der biblischen Schöpfungsgeschichte gefragt werde, so Küng, könne der Lehrer auf die Symbolik in der biblischen Erzählung hinweisen: "Was ja im Grunde auch die Kultusministerin gesagt hat."
"Wenn ich die Diskussion in Hessen richtig verfolgt habe, will da niemand den Kreationismus einführen", erklärte der Theologe. Die Frage nach Gott und einer Schöpfung direkt als unsinnig abzulehnen, sei aber eine dogmatische Behauptung, die nicht akzeptiert werden dürfe.
Bereits in der vergangenen Woche hatte sich der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hinter seine Kultusministerin und Stellvertreterin gestellt und sie gegen den Vorwurf verteidigt, kreationistische Theorien in die Schule zu tragen. Die öffentliche Debatte war in Bewegung geraten, nachdem Wolff sich zuvor in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) dafür ausgesprochen hatte, auch im Biologieunterricht die Schöpfungslehre zu unterrichten.
Die Biologie ist eine Naturwissenschaft, deren Aussagen realen (messbaren) Fakten geprueft werden muss. Die Evolutionstheorie nach Darwin ist durch eine immense Faktenmenge gestuetzt. Der Ursprung des Lebens ist durch Evolution ist die naturwissenschaftlich plausibelste Erklaerung.
Die biblische Variante oder andere religioese Varianten des Lebensursprungs hingegen stuetzen sich nicht auf messbare Fakten. Daher hat die biblische Variante im naturwissenschaftlichen Unterricht nichts zu suchen - sie ist schlichtweg unbrauchbar in diesem Zusammenhang.
Wissenschaft und Religion sollten klar getrennt bleiben, ansonsten werden unhaltbare Thesen in den Wisenschaftsunterricht eingeschleust, die einer faktischen Ueberpruefung nicht standhalten.
Es entspricht wissenschaftlichen Denkmustern Dinge in Frage zu stellen. Davon dürfen auch als belegt und erhärtet anerkannte Theorien, gemeinhin als Tatsachen bezeichnet, nicht ausgenommen werden. Nur wer den Mut hat „unsinniges“ zu denken wird zu neuen Erkenntnissen gelangen.
Es bedarf einer gewissen Frechheit, Denkansätze, die nach Kreativismus riechen, in die Nähe von „seriösen“ Theorien wie der Evolutionstheorie zu rücken. Deshalb empfinde ich Frau Wolfs Votum als erfrischend.
Die reflexartige, entrüstete und fast unisono geäusserte Ablehnung der von Frau Wolf vertretenen Ansichten lässt vermuten, dass „über den Tellerrand schauen“ keine Fertigkeit ist, auf deren Ausformung unser Erziehungssystem grossen Wert legt. Und genau das scheint mir das Anliegen von Frau Wolf gewesen zu sein: Kinder sollen lernen Fragen zu stellen, und sich nicht einfach mit „Tatsachen“ abspeisen zu lassen.
Wenn wir wollen dass unsere Kinder selbständig denken, müssen wir ihnen Gelegenheit geben denken zu lernen. Dazu gehört es, ja ist von grosser Wichtigkeit, zu lernen „unsinnige“ Fragen zu stellen die wenig oder nichts mit dem betrachteten Thema zu tun haben. Die Aufgabe an die begleitenden Personen ist es, dem Kind zu helfen, auf diese Fragen Antworten zu finden, die es verinnerlichen und nicht bloss sklavisch annehmen kann. Dazu müssen diese Antworten altersgerecht den Intellekt und den Wunsch nach mystischer Vereinfachung gleichermassen befriedigen.
Ist solcherart die Freude am Abenteuer Denken einmal geweckt, so wird das fakultätsübergreifende verknüpfen von Lerninhalten zu einem lustvollen Vergnügen und ein sieben jähriges Kind wird eine andere, sehr persönliche Antwort auf die Frage nach dem Verhältnis von Evolutionstheorie und Kreativismus finden als es später als 16 jährige Jugendliche tun wird. Und für die 30 jährige Erwachsene wird sich dieselbe Frage wohl zu einem ganzen Komplex atemberaubend spannender Fragen und Antworten erweitert haben.
Beschränken wir uns jedoch auf „akademisch korrekte“ Aussagen wie: Evolutionstheorie ist bewiesene Tatsache und Kreativismus ist mystisches Blabla, so ist die Chance gross, dass die Antwort durch alle Altersstufen hindurch genauso unisono, langweilig und wenig reflektiert ist, wie sie uns als Reaktion auf Frau Wolfs Votum entgegenschallt.
Nicht alle Kinder werden ein Angebot „kritisch denken zu lernen“ annehmen. Das ist auch nicht notwendig. Das sind Personen, die einen anderen, ebenso valabeln Weg gefunden haben, sich mit ihrem Umfeld auseinander zu setzen. Möglich, dass einige auf die „Taschenspielertricks der Kreationisten hereinfallen“. Dass das passieren kann ist nicht nur OK, sonder ein Glück. Es wäre eine totalitäre Form der Denkfreiheit, die nur ein Resultat zuliesse und „Abweichler“ stigmatisiert.
Ich bin überzeugt, auch wenn das arrogant tönen mag, dass jemand der das Angebot sich kritisch, d.h. denkend und nicht bloss nach Bestätigung einer vorgefassten Meinung suchend, mit Kreativismus versus Evolutionstheorie auseinandersetzt, nicht im Kreativismus verharren wird. Sollte eine solche Person diese Auseinandersetzung als Kreationist begonnen haben, so kann es sehr wohl sein, dass sie die Erkenntnisfindung mit Denkansätzen bereichert, die dem reinen Evolutionisten vorenthalten sind.
Es liegt in der Natur der Sache, dass neue Erkenntnisse in erster Linie von Individuen erarbeitet werden, in deren Charakter es liegt über die Grenzen des gefestigten Wissens hinauszuschauen. Dementsprechend geht dem Prozess wissenschaftlicher Erkenntnisfindung wenig verloren, wenn jemand im Kreationismus verharrt. Er/Sie wird wohl nicht diesem Typus angehören (oder an dieser Stelle einen blinden Fleck haben).
Ich vermute, dass jegliche Form von Fundamentalismus, wovon Kreativismus eine Ausprägung ist, von einem Mangel an Gelegenheit zum Denken hervorgebracht wird.
Ich verstehe Frau Wolfs Aussagen als Aufforderung, diesen Mangel zu verringern. Es ist nach meiner Ansicht die beste Art Kreativismus in die Schranken zu weisen.
In eine Schule gehören nur Fakten und nachweisbare Tatsachen. Also ALLES was nicht durch Fakten bewiesen werden kann (Religionsunterricht in all seinen Formen) muß aus den Klassenzimmern verschwinden. Der Lehrer genießt gerade bei Kindern der jüngeren Klassenstufen einen sehr hohen Stellenwert. Eine von einen Lehrer gestützte Meinung ist schwer aus den Köpfen der Kinder wieder herauszubekommen. Und ich lasse es nicht zu, dass meine Tochter in der Schule Lügen und Märchen zu hören bekommt, welche für sie dann der Wahrheit entsprechen. Deswegen finde ich die Toleranz gegenüber Menschen die versuchen mein Kind zu manipulieren und für ihre Zwecke zu missbrauchen ebenfalls nicht richtig. Kinder sind keine Versuchskaninchen an denen man eben mal ein oder zwei Jahre eine neue Lehrmeinung testen kann. Die Schule sollte sich entwickeln aber bitte doch im Rahmen der Wissenschaft und nicht weil im Moment die Menschheit aufgrund zunehmender Verdummung (teilweise staatlich gewollt)wieder mehr ihr Seelenheil in den verschiedenen Religionen sucht.
Im Biologieunterricht haben tatsächlich nur nachgewiesene Tatsachen bzw. plausible Theorien wie die Evolutionstheorie den Lerninhalt zu bestimmen. Alles andere gehört in den Religionsunterricht, den ich im Rahmen ethischer Erziehung durchaus für notwendig halte, doch auch hierbei sollte nicht unkritisch gelehrt werden, sondern den Schülern eine gesunde Sicht auf die "Religion" beigebracht werden. Aus diesem Grund halte ich es zugunsten von Toleranz und Integration auch nicht förderlich, dass, z. B. Muslime oder Orthodoxe den Religionsunterricht verlassen dürfen. Dieser sollte auf einer universellen ethischen Ebene aufgebaut werden, so dass Diskussionen unterschiedlichster Kulturen möglich werden. Das Thema der "Schöpfung" ist so unerschöpflich und metaphernreich, dass es daher in den Bereich Philosophie/Religion gehört, nicht aber in einen zeitgemäßen Biologieunterricht.
In eine Schule gehören nur Fakten und nachweisbare Tatsachen? Dann dürften wir gar wohl nichts mehr in den Schulen unterrichten, denn was ist schon 100% belegbar (Ausnahmen bestätigen die Regel)? Ich stelle mir einen solchen, rein auf Fakten aufgebauten Unterricht als sehr einseitig und langweilig vor, wobei ich mit Kreationismus überhaupt nichts am Hut habe! Eine rein auf Fakten aufgebaute Schule entspricht aber natürlich einem stark auf Leistung bezogenen Weltbild, was mir zu einseitig und gefährlich ist.
Dass die Evolutionslehre nicht bewiesen ist und erhebliche Mängel hat bzw. viele Fragen offen lässt, dürfte sich ja inzwischen herumgesprochen haben. Schon allein das macht es erforderlich, im Biologieunterricht die Grenzen dieser Lehre aufzuzeigen. Die Kinder würden manipuliert werden, wenn ihnen ohne jegliche kritische Reflektion indoktriniert würde, dass alles durch völligen Zufall aus dem Nichts entstanden ist. Es wäre hilfreich, wenn Biologie- und Religionslehrer sich hier koordinieren würden, z.B. ein paar Unterrichtsstunden gemeinsam gestalten. Aber selbst solch ein das Denkvermögen und die kritische Reflektionsmöglichkeit der Schüler förderndes Konzept würde wahrscheinlich von den Evolutionsgläubigen torpediert, da sie ähnlich wie islamistische Fundamentalisten keinerlei Dialog erlauben und alles mit einer Darwin-Fatwa belegen. Ich will nicht, dass meine Kinder an der Schule von radikalen Atheisten und Pseudowissenschaftlern einseitig eingetrichtert bekommen, es gäbe keinen Gott und das Leben sei letztlich absurd und sinnlos.
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