"Bildung ist kein Marktinstrument"
Weltlehrerkongress: Muñoz prangert Ungerechtigkeiten an
Mehr zu: Menschenrechte, UN-Sonderberichterstattung, Weltlehrerkongress, Schule(bikl.de) UN-Sonderberichterstatter Vernor Muñoz hat auf dem Weltlehrerkongress in Berlin in scharfer Form Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen in Bildungssystemen weltweit angeprangert. Er kritisierte, dass die meisten Bildungssysteme nur an ökonomischen Kriterien ausgerichtet seien.
Mehr als 100 Millionen Jungen und Mädchen hätten keine Chance auf Unterricht, erklärte Muñoz. Weitere 100 Millionen könnten zwar Unterricht besuchen, würden aber aus ökonomischen, ethnischen oder religiösen Gründen diskriminiert. Mädchen hätten es dabei besonders schwer. "Der neoliberale Ansatz unterhöhlt die Bildung," so Muñoz. Aber Bildung sei ein Menschenrecht und kein Marktinstrument. Muñoz bezeichnete es als sonderbar, dass die Richtlinien für Bildung von der Weltbank vorgelegt würden. Damit solle sich besser die UNESCO befassen.
Im März dieses Jahres hatte der UN-Menschenrechtsinspektor auch das deutsche Bildungssystem heftig kritisiert. Das dreigliedrige Schulsystem benachteilige durch seine frühe Aufteilung Kinder aus armen Elternhäusern und aus Migrantenfamilien, schrieb er. Er hatte damals der Bundesrepublik eindringlich nahegelegt, das mehrgliedrige Schulsystem "noch einmal zu überdenken". In Berlin sagte Muñoz jetzt, wenn sich die Bundesregierung mit einer Stellungnahme zu dem Bericht zu viel Zeit lasse, werde er um eine Reaktion bitten.
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