Mediadaten | Impressum | Feedback | RSS | Mobil | Newsletter
Letzte Änderung: 20.05.2012, 13:46
  • Delicious_bw
  • Studivz_bw
  • Facebook_bw
  • Twitter_bw
  • Drucken_bw
  • Email_go_bw
Artikel | Bilder

Radikale Reform der Lehrerausbildung gefordert

PISA-Forscher Schleicher bemängelt veraltete Lehrerbildung in Deutschland

Mehr zu: Deutschland, Lehrerbildung, PISA (Studie), Schulmanagement, Schule
24.07.2007 -

(bikl.de) "Wir versuchen heute Kinder des 21. Jahrhunderts von Lehrern mit einem Aubildungsstand des 20. Jahrhunderts in einem Schulsystem zu unterrichten, das im 19. Jahrhundert konzipiert wurde", kritisiert der Leiter der PISA-Studien, Andreas Schleicher, in einem Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) von heute.

Der Lehrerberuf dürfe Attraktivität und Ansehen nicht allein aus dem Beamtenstatus beziehen, sondern müsse "auf Kreativität, Innovation und Verantwortung" bauen, forderte der OECD-Forscher. Dies mache allerdings ein "radikales Umdenken in der Organisation von Schule" notwendig. Diese müssten selbst die Verantwortung für ihre Ergebnisse übernehmen und nicht durch Aussieben auf andere Schulformen abwälzen. Das sei allerdings nur möglich mit einer hoch qualifizierten und motivierten Lehrerschaft, die ein Arbeitsumfeld mit einem professionellen Management brauche. Interne Kooperation, Selbstevaluation – etwa im Bereich der strategischen Planungen – und Qualitätsmanagement seien hier die Kriterien. Auch dem Dialog nach außen, vor allem mit den Eltern, schenke der derzeitige Schulbetrieb zu wenig Beachtung.

Der derzeitigen Lehrerausbildung, so Schleicher, mangele es vor allem an Praxisbezug. Anders als in erfolgreicheren Bildungssystemen, wo pädagogische Elemente häufig eine wichtigere Rolle spielen und schon am Anfang der Lehrerausbildung stehen, werde die Pädagogik in Deutschland "auf eine Fachausbildung obendrauf gesetzt."

Von einer Reform der Lehrerausbildung profitierten aber nicht nur die Lehrer und ihr Berufsbild, sondern letztlich die Kinder. Denn moderner Unterricht zeichne sich dadurch aus, dass die Lehr- und Lernformen wirklich auf den einzelnen Schüler zugeschnitten seien. Schleicher: "In Deutschland steht zu oft noch der fragen-entwickelnde Unterricht im Vordergrund, bei dem Schüler im Gleichschritt vorgefertigtes Wissen lernen."

4 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Weckmann, am 24.07.2007, 17:58

Das ist ja ehrenwert, was Herr Schleicher da fordert.

Interne Kooperation, Selbstevaluation, Qualitätsmanagement. Aber das ist doch auch nur eine mittlerweile sattsam bekannte Ansammlung an stromlinienförmig daherkommenden Begriffen, die samt der Forderung nach Kreativität und Innovation eben alles andere als ein innovative Antwort auf die aktuellen und vordringlichen Probleme deutscher Regelschule darstellt.

Und es sind ja auch die Kultusministerien und Schulaufsichtsbehördern, die genau diese Versatzstücke nachplappern - und? Dies ist halt auch bequemer, klingt eben fortschrittlich "innovativer" und ist billiger, als sich in die Niederungen der Mängel des Schulltags zu begeben. Wo es etwa darum geht, dass es vielleicht doch wert wäre, endlich Schlüsse zu ziehen, angesichts ausfallenden Unterrichts, im größerer Klassen, einer Lehrerschaft, die es nur noch in der Minderzahl bis zur Rente schafft, und wenn dann mit freiwilliger Deputatsreduzierung und damit Lohnverzicht.

Doch solcher Blickwinkel erscheint halt eher altmodisch, riecht nach Gewerkschaft und die Schlussfolgerungen kosten einfach auch ein paar Euros.

Ich wünschte mir von solchen promineneten und der Bildung zugewandten Experten wie Herrn Schleicher den zusätzlichen Mut, den Allgemeinplätzen von Aus-Bildungsidealen auch reale Forderungen für eine bessere Schulbedingung folgen zu lassen.

von Fritz von Fingerhoff, am 24.07.2007, 20:12

Aber bitte! Das Schulsystem und die Lehrerausbildung sind keine öffentliche Toilette, die für jedermann disponibel wären! Machen Sie die Klassen kleiner, den Unterricht flexibler, lösen Sie den immerwährenden 45-Minuten-Takt auf, dann ist schon viel gewonnen.

Natürlich ist die universitäre Lehrerausbildung zu "verwissenschaftlicht", das ist fürwahr eine Binsenweisheit. Man fühlt sich besser auf eine universitäre Laufbahn vorbereitet als auf den Schuldienst. Aber dann müssten Sie auch die Hochschullehrer dazu zwingen, berufliche Praxis als Lehrer an öffentlichen Schulen nachzuweisen, da denkt wohl niemand dran!?

von Wilfried Völker , am 25.07.2007, 12:36

Herrn Schleicher ist - wieder einmal - nur zuzustimmen. Ein komplettes Umdenken in der Lehreraus- und fortbbildung ist notwendig, ein komplettes Umdenken in der schulischen Organisation. Und was die universitäre Ausbildung betrifft: Es kann nicht sein, dass eine einmalige Ausbildung für ein ganzes Lehrer-Leben reicht. Eine enge Verzahnung von Schule und Universität ist notwendig, ein enger und ständiger Austausch zwischen beiden Einrichtungen. Aber solange die Kultusministerien und die Ministerpräsidenten sich noch - durch die Föderalismusrefor verstärkt - in Kleinstaaterei üben, ist wohl keine Besserung in Sicht. Und Deutschland ist im EU-Vergleich, was die Bildungsausgaben im Vergleich zum BIP betrifft, noch immer Schlusslicht. Was muss man eigentlich noch tun und erleben, damit ein Umdenken einsetzt?!

Von dem Desaster und den Sparmaßnahmen im Bereich der Erwachsenenbildung mal ganz abgesehen. Dieser Bereich des Bildungssystems ist in den letzten Jahren völlig aus dem Blickfeld geraten; wer sich fortbilden will, sieht sich auf sich gestellt.

Noch einmal: Herrn Schleicher ist zuzustimmen, die Bildungspolitiker sollten endlich seine Mahnungen ernst nehmen und handeln.

von Mariusz, am 21.03.2009, 17:25

Ja ja die OECD und ihre Forscher, reine Wirtschaftslobbyisten. Die OECD und ihre auf Wirtschaftsbedürfnissen angelegten PISA-Studien wollen uns mit ihren Pseudostudien Beweisen wie schlecht und reformbedürftig unser Bildungsystem doch ist, und dass wir uns für unseren Kindern fast schämen müssten. Alles Propaganda um etwas gutes zu demontieren, zu reformieren um es wirtschaftlich effizienter zu gestalten. Das humboldtsche Bildungsideal wird degradiert zugunsten eine ökonomisiserten Sicht auf Bildung die nur denen zu gute kommt die maßgescheiderte und billige Arbeitskräfte brauchen. Was für eine Zeitverschwendung den Menschen allgemein zu bilden wenn es doch viel nützlicher für eine funktionierende Wirtschaft wäre einfach Roboter anstatt gebildete Menschen zu züchten. Das die angeblichen Vorreiter in Sachen Bildung, Finnland und Co, Jahrhundertelang nichts zur Weltkulur beigetragen haben und stattdessen Deutschland in Wissenschaft und Kultur die Welt geprägt hat scheint irgendwie ausgeblendet. So schlecht kann unser Bildungssystem nicht sein, immerhin sind wir Spitzenreiter in Wissenschaft und Forschung gewesen und sind es immer noch. Was wollen uns diese Leute eigentlich erzählen? Was hat Finnland schon großartiges hervorgebracht? Nokia?


Hinweis
  • Ein Enter führt zu Zeilenumbruch.
  • Hyperlinks bitte grundsätzlich mit "http://" beginnen (also z.B. http://bildungsklick.de/).
  • Kein HTML unterstützt.

Ihr Kommentar:

Ihr Name:
Ihre E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht):
Durch die Eintragung Ihrer E-Mail erkennen Sie die Kommentarregeln an.

978b87282e06488319e031720dc7a7394dc5a702
Bitte den Text aus dem Bild eingeben:


MELDUNGEN AUS DEN RESSORTS

Schule

"Ich glaube nicht, dass der inklusive Weg immer der richtige ist"

18.05.2012. (red) "Wir brauchen Sonderschulen, aber wir brauchen weniger als wir haben", erklärt Professor Bernd Ahrbeck von der HU Berlin. Warum der Pädagoge und Psychoanalytiker Wermutstropfen in die Inklusionsdebatte gießt und warum er nicht für jedes Kind die inklusive Schule als idealen Ort sieht, ...

Hochschule

Hoher Studienabbruch in MINT-Fächern

18.05.2012. (dpa) – Fast die Hälfte aller Studenten in den technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen hält nicht durch bis zum Abschluss. Darauf hat der Arbeitgeberverband Nordmetall hingewiesen und gleichzeitig mehr Engagement von den Hochschulen gefordert. "Wir erwarten von den Hochschulen ...

Sonderthemen

Der größte deutsche Begabungskongress findet in Münster statt

16.05.2012. (red/idw) - Thema ist die Begabungsförderung von der frühen Kindheit bis ins Alter. 800 Teilnehmer von allen fünf Kontinenten werden vom 12. bis 15. September zum ECAH-Kongress erwartet, der zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder in Deutschland stattfindet. Die Westfälische Wilhelms-Universität ...
in

Elementarbereich NRW | Medienschau Bildung

Meine Schulzeit auf didacta-bildungsklick.tv


Weiter auf bildungsklick.de
Society in Science unterstützt postdoc Studenten überall auf der Welt. Unser Ziel ist Förderung der Forscher/innen.
ANZEIGE
Aktuelle Kommentare
Schulferien
Derzeit sind Ferien in
Ein Tag Ein Preis Ein Deal. Marken-Schulranzen bis zu unglaublichen 80% reduziert. Scout, McNeill, Espri... und vieles mehr.
ANZEIGE
Unser Partner in Österreich
Bildungaktuell
Das eMagazin für Management, Personalwesen und Weiterbildung