ProfilPASS dokumentiert persönliches Kompetenzprofil
Interview mit Markus Bretschneider
Mehr zu: Interviews, Profilpass, Weiterbildung(bikl.de) In Ergänzung zu formal erworbenem Wissen, etwa während der Schul- oder Berufsausbildung, werden im sogenannten ProfilPASS auch Fähigkeiten und Kompetenzen dokumentiert, die im familiären oder ehrenamtlichen Bereich erlernt wurden. Der ProfilPASS wurde im Rahmen eines Projektes der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) zur Förderung des lebenslangen Lernens entwickelt und erprobt. Seit Mai 2007 gibt es auch einen speziellen ProfilPASS für junge Menschen. Wir wollten von einem der "Macher" des ProfilPASSes, Markus Bretschneider, wissen, ob sich dieses Instrument bereits bewährt hat.
Was ist der ProfilPASS? Welchen Beitrag leistet er zum Lebenslangen Lernen?
Markus Bretschneider: Der ProfilPASS ist zunächst einmal ein Instrument, mit dem Kompetenzen, die durch individuelle Lernprozesse entstanden sind, sichtbar gemacht und dokumentiert werden können. Vor dem Hintergrund zunehmend brüchiger Erwerbsbiographien besteht die Notwendigkeit einer Standortbestimmung und anschließenden Planung weiterer Bildungsschritte. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen dabei, dass viele Menschen aber gar nicht genau wissen, über welches Spektrum an Kompetenzen sie genau verfügen. Sie unterschätzen sich tendenziell. Mit dem ProfilPASS wird durch die systematische Analyse von Tätigkeiten ein persönliches Kompetenzprofil erarbeitet. Damit wird man zunächst einmal sich selbst gegenüber und in der Folge dann Dritten, der klassische Fall ist eine Bewerbungssituation, im Hinblick auf vorhandene Kompetenzen dialogfähig. Lebenslanges Lernen kann auf dieser Grundlage systematischer angegangen werden. Zwar kann der ProfilPASS prinzipiell alleine bearbeitet werden, die bisherigen Erfahrungen zeigen aber, dass eine professionelle Beratung eigentlich unverzichtbar ist, um der eigenen "Betriebsblindheit" zu entgehen und die Selbsteinschätzung von Kompetenzen auf eine objektivere Grundlage zu stellen. Deshalb wurde parallel mit der Entwicklung des Instrumentes ein Beratungskonzept erarbeitet. Beides zusammen bildet das so genannte ProfilPASS-System. Eine Auflistung von Einrichtungen, die diese Beratungen, sei es als Einzelberatungen oder Kursangebote durchführen, findet man im Internet unter www.profilpass.de.
An wen richtet sich der ProfilPASS? Wer ist die Zielgruppe?
Markus Bretschneider: Der ProfilPASS richtet sich an jedermann und jederfrau. Ausgangspunkt für die Entwicklung war eine Machbarkeitsstudie, in der unter anderem die Empfehlung ausgesprochen wurde, ein Verfahren zu schaffen, dass zielgruppen- und bildungsbereichsübergreifend eingesetzt werden kann. Damit soll ein hoher Wiedererkennungswert sichergestellt werden, der sich insgesamt akzeptanzfördernd auswirkt. Genutzt wird er beispielsweise von BerufsrückkehrerInnen, ExistenzgründerInnen, MigrantInnen, Beschäftigten, die sich beruflich neu orientieren möchten, oder Arbeitssuchende. Vereinzelt wird er auch von Personen verwendet, die am Übergang zwischen Erwerbsleben und Ruhestand stehen und überlegen, wie sie ihre beruflich erworbenen Kompetenzen außerberuflich einsetzen können.
Welche Erfahrungen haben Bildungsanbieter mit der Profil-PASS-Arbeit bereits gesammelt?
Markus Bretschneider: Die Erfahrungen sind so vielfältig wie die Zielgruppen. Der ProfilPASS liefert einen Beitrag zur Stärkung des Selbstbewusstseins und damit zur Aktivierung und Motivierung zum lebenslangen Lernen, das systematischer geplant und umgesetzt werden kann. Das kann im einen Fall bedeuten, sich überhaupt erst mal Gedanken über die eigene Biographie zu machen und seine persönlichen Unterlagen zu ordnen, das kann aber auch bedeuten, sich auf Grundlage seiner sichtbar gewordenen Kompetenzen auf die Suche nach einer neuen Stelle zu machen. Für viele Menschen ist der Begriff "Lernen" dabei zunächst negativ besetzt. Häufig hat man sofort unangenehme Situationen aus der eigenen Schulzeit vor Augen. Im Laufe der Erarbeitung des ProfilPASSes wird dann aber deutlich, wie vielfältig Lernerfahrungen sind und dass Lernen nicht nur in der Schule stattfindet. In der Beratung werden dann die "informellen Schätze gehoben" und die Nutzer erkennen, dass sie vielfach Lernprozesse für sich selbst organisiert haben und dabei in der Regel sehr nachhaltig gelernt haben.
Warum gibt es einen speziellen ProfilPASS für junge Menschen?
Markus Bretschneider: Der ProfilPASS für junge Menschen wurde entwickelt, da die Tätigkeitsfelder im ProfilPASS auf Jugendliche vielfach nicht zutreffen. Grundsätzlich orientiert sich das ProfilPASS-System an den Stärken einer Person, stellt also eine Abkehr von einer defizitorientierten Sichtweise dar. Da Jugendliche aber über keine Erfahrungen in den meisten Tätigkeitsfelder verfügen, hat sich oftmals unbeabsichtigt eine defizitorientierte Sichtweise bei vielen Jugendlichen entwickelt. Außerdem wurden im ProfilPASS für junge Menschen sowohl die Sprache als auch die Gestaltung sehr viel mehr an die Lebens- und Erfahrungswelt Jugendlicher angepasst. Somit liegt auch hier ein passgenaues Angebot für junge Menschen vor, ihren Kompetenzen auf die Spur zu kommen.
Hinzu kam eine sehr kognitive Herangehensweise und eine sprachlich und graphisch ungeeignete Ansprache der Jugendlichen. Diese Faktoren haben in der Summe zur Entwicklung eines ProfilPASSes für junge Menschen geführt.
Wie stellen Sie die Qualität der ProfilPASS-Beratungen sicher?
Markus Bretschneider: Es liegt ein Qualitätsicherungskonzept vor, in dem Qualitätsstandards für die Beratung bzw. für Kursangebote formuliert werden. Als Rahmen für die konkrete Umsetzung liegt zudem ein Beratungsprozessmodell vor, in dem die einzelnen Schritte definiert und didaktisch aufbereitet sind. Alle ProfilPASS-Beratenden durchlaufen zudem eine zweitägige Qualifizierung, in der sie auf die praktische Tätigkeit mit dem ProfilPASS vorbereitet werden. Beratende haben somit für sich einen Marktvorteil, wenn sie nach der eigenen Zertifizierung berechtigt sind auch für die Nutzenden entsprechende Zertifikate über die ProfilPASS-Beratung auszustellen.
Wie unterstützten Sie Bildungsanbieter für Ihre Arbeit mit dem ProfilPASS?
Markus Bretschneider: Qualifizierte Bildungsanbieter erhalten Handlungsempfehlungen, die von der bundesweiten ProfilPASS-Servicestelle entwickelt wurden. Die Beratungen und Kurse, die sie anbieten, können darüber hinaus auf der Internetseite des Projektes eingestellt werden. Zudem erhalten Unterstützung in Form von Werbematerialien, die kostenlos beim W. Bertelsmann Verlag erhalten können.
Zur Person
Markus Bretschneider, jetzt am Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) tätig, hat davor beim Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) die Entwicklung und Erprobung des ProfilPASS-Projektes entscheidend mit vorangetrieben.
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