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Kruzifixe in allen Schulen?

C-Parteien wollen mehr Glaubenssymbolik der christlichen Kirchen in den Klassenzimmern

Mehr zu: Bayern, Religion, Werteerziehung, Schule
09.09.2007 -

(bikl.de) In einem Gespräch mit FAZ.NET von heute hat CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla gefordert, dass christliche Symbole im öffentlichen Raum und somit auch in allen Schulen sichtbar bleiben müssen.

Profalla: "Als Partei, die das Christliche im Namen trägt, wollen wir, dass das Bekenntnis zum Christentum im öffentlichen Raum erhalten bleibt. Dazu gehören Schulen, auch Gerichte oder Behörden."

Schon vor einem Monat hatte Markus Söder, Generalsekretär der Schwesterpartei CSU, in WELT ONLINE vom 09. August 2007 "einen aufgeklärten Konservatismus" auf der Basis des christlichen Menschenbildes beschrieben: "In bayerische Klassenzimmer gehören Kruzifixe und keine Kopftücher."

6 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Sash, am 09.09.2007, 12:05

So langsam macht unsere Demokratie wirklich Rückschritte...

erst Online- Durchsuchung, jetzt Kreuze in allen Schulen... bald kommt dann auch noch die Todesstrafe.

Willkommen im Mittelalter!

von Elektra, am 09.09.2007, 14:40

"Das Bekenntnis zum Christentum im öffentlichen Raum soll erhalten bleiben".

Aha.

WESSEN Bekenntnis zum Christentum?

Heißt das im Umkehrschluss, dass ein Nichtbekennen zum Christentum zu einem schrittweise Ausgegrenztwerden führt?

Ausgegrenzt erst aus der Schule, irgendwann dann aus dem gesamten, öffentlichen Leben?

Bis zur Emigration in freiere Länder?

Wehret den Anfängen!

Schon länger beobachte ich im Stoff des Ethikunterrichts, dem mein Kind leider ausgesetzt ist, eine zunehmende Hinwendung zu christlichen Inhalten.

Die Geschichte von St. Martin wurde durchgekaut.

Und natürlich die unvermeidliche Weihnachtsgeschichte.

Vor der Einschulung durften wir uns mit dem "Zwangsbeten" im einzigen Kindergarten weit und breit auseinandersetzen.

Dieser befindet sich, (obwohl aus öffentlichen Mitteln finanziert), leider in evangelischer Trägerschaft.

Originalzitat aus dem Kindergarten: "Falte jetzt endlich die Hände! Denn so lange nicht ALLE die Hände gefaltet haben, können wir nicht beten. Und ohne Beten können wir nicht essen. DU bist also schuld, wenn die anderen Kinder nichts zu essen bekommen".

(Deutschland, im Jahre 2004).

von Wundi, am 09.09.2007, 19:19

Wenn dann auch noch die 10 Gebote daneben in großen Buchstaben erscheinen und die CDU-politiker(und auch die anderen)sich daran halten(z.B.Du sollst kein falsch Zeugniss...)aber da das ein Wunschtraum bleibt,sollte Herr Pofalla sich doch besser etwas zurückhalten.

von Jo Schwarz, am 09.09.2007, 19:46

Ja, danke Herr Pofalla. So intelligente Leute braucht das Land! Dass Islamisten die Leute verblöden, reicht ja noch nicht. Nicht jeder mag Schleier oder Bart tragen. Also nun für nicht Schleier- bzw. Bartträger ein wenig christlicher Fanatismus - damit beginnt man ja am besten in der Schule. Wann werden Sie zum Kreuzzug aufrufen, Hexen verbrennen und die Todesstrafe für Gotteslästerung fordern? Bitte verschonen Sie doch die Kinder mit dem Zwangsangucken von Folteropfern (Jesus am Kreuz). Und verabschieden Sie sich doch von der seltsamen Idee, dass jeder unbedingt Ihr phantasiertes Metawesen preisen muss.

von Reiner Moysich, am 11.09.2007, 22:38

Kruzifixe in staatlichen Räumen sind rechtswidrig und unchristlich.

Laut Bundesverfassungsgericht (BVG) sind Kruzifixe ein „Symbol einer spezifischen Religion“- und eben nicht ein kulturelles Symbol, wie Stoiber auch sehr zum Ärger der Kirchen dem BVG weiß machen wollte. Daher verfügte das BVG in seinem berühmten so genannten „Kruzifix“-Urteil, dass die Anordnung, Kruzifixe in staatlichen Schulen aufzuhängen, verfassungswidrig ist. Das Grundgesetz und die Menschenrechte verbieten die Bevorzugung z.B. der christlichen Weltanschauung gegenüber allen anderen religiösen und nichtreligiösen Weltanschauungen (insgesamt gibt es ca. 4000).

Aber selbst die christliche Nächstenliebe (ohne die sicher niemand zu Recht sich Christ nennen darf) verbietet solch eine dominante und andere Weltanschauungen massiv diskriminierende Zurschaustellung ihres Symbols. Denn diese Nächstenliebe wird so definiert:

„Liebe deinen Nächsten; denn was dir unlieb ist, tue ihm nicht!“(Lev. 19,18).

Sicher ist es Christen sogar höchst „unlieb“, wenn statt Kruzifixe z.B. (völlig gleichberechtigte) Koranverse oder Buddhastatuen in allen staatlichen Schulen angebracht würden. Folglich sollten jene CDU-Politiker solch ein höchst unchristliches Begehren (Kruzifixe in allen Schulen) sofort beschämt zurückziehen - und am besten zugleich auch die vielen anderen unchristlichen, verfassungs- und menschenrechtswidrigen Bevorzugungen, die noch immer aus dem finsteren und grausamen Mittelalter übrig geblieben sind.

Die täglich abnehmende Mitgliedschaft in den christlichen Kirchen kann nicht mit dem von oben mit Gewalt verordneten Anbringen eines Kruzifixe verringert werden (solch ein barbarisches Ansinnen verstärkt nur den Kirchenaustritt!), sondern nur durch wirklich praktizierte Fairness und Mitmenschlichkeit!

von Reiner Moysich, am 13.09.2007, 17:17

Aus der Nazizeit lernen!

Jene CDU-Politiker können ja ihre privaten Räumlichkeiten so voll wie sie wollen mit Kruzifixen zuhängen - aber in allen öffentlichen Räumlichkeiten müssen sie die Realität der vielen höchst unterschiedlichen Weltanschauungen nicht nur akzeptieren, sondern als Demokraten sogar gut heißen(!) - sonst haben Sie nichts aus der Nazizeit gelernt (die bekanntlich verbrecherischerweise nur ihre Nazi-Weltanschauung gelten lassen wollte)!

Die Freiheit (z.B. Kruzifixe aufzuhängen) hat da aufzuhören, wo die Freiheit des anderen (mit einer ganz anderen Weltanschauung) anfängt; sonst gibt es weiterhin - wie schon seit Menschengedenken - überall Mord und Totschlag!


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