Schulbuchtest: "Subjektive Bewertung durch die Tester"
Schulbuchverlage weisen Vorwürfe der Stiftung Warentest zurück
Mehr zu: Bildungshaus, Schulbuch, Stiftungen, Unterrichtsmaterial, Zeugnis, Schule(bikl.de) Zu dem Vorwurf der Stiftung Warentest, nur wenige Schulbücher seien uneingeschränkt zu empfehlen, haben sich jetzt die Schulbuchverlage gegenüber bildungsklick.de geäußert. Die Stiftung Warentest hatte 17 Biologie- und Geschichtsbücher untersucht und in vielen Werken inhaltliche Fehler und didaktische Schwächen entdeckt.
Der Cornelsen Verlag, aus dessen Schulbuchprogramm drei Titel geprüft worden waren, hat dazu in einer ersten Stellungnahme erklärt, es gebe keine "richtige" Didaktik beziehungsweise Methodik. Und das Testergebnis sei als eine subjektive Bewertung durch die Tester zu sehen.
Andere Didaktiker würden unter Umstände zu einem anderen Urteil kommen, erklärte der Geschäftsführer des Verlags, Wolf-Rüdiger Feldmann. "In diesem Zusammenhang sei auch noch einmal explizit auf die durchweg positive Beurteilung unserer Bücher durch die Schülerinnen und Schüler verwiesen. Die getesteten Titel sind auch auf dem Markt sehr erfolgreich, das heißt ihre didaktische Ausrichtung hat sich aus unserer Sicht und aus Sicht vieler Lehrerinnen und Lehrer bewährt", betonte Feldmann.
"Verlage sind nicht überlastet"
Deutlich wies der Verlag die Annahme der Stiftung Warentest zurück, die hohe Zahl an Regionalausgaben führe zu einer Überlastung der Verlage und deshalb zu Fehlern. "Unsere Qualitätsmaßstäbe für Lehwerke sind sehr hoch. Auch bei der gleichzeitigen Produktion von unterschiedlichen Länderausgaben eines Lehrwerks gehen wir mit größtmöglicher Sorgfalt vor. Allerdings stellen wir seit PISA ein hohes Tempo bei Lehrplanreformen und kurzfristige Reformbeschlüssen (z. B. achtjähriges Gymnasium, zentrale Abschlussprüfungen) fest, das die Redaktionen z. T. unter Zeitdruck setzt und möglicherweise zu Fehlern führen kann", heißt es in der Stellungnahme des Berliner Schulbuchverlags.
"Intensive Qualitätskontrolle"
Neun der siebzehn getesteten Bücher stammen aus dem Bildungshaus Schulbuchverlage in Braunschweig. Auch hier ist man von dem Ergebnis wenig begeistert. "Unsere Bücher werden von Fachleuten aus Schule und Hochschule gemacht, von Fachleuten also genauso wie die Tester der Stiftung Warentest", betont Programmgeschäftsführer Peter Schell. "Man muss aber bedenken, dass wir Dinge dramatisch reduzieren müssen, um sie für den Unterricht tauglich und für den Lehrplan konform zu machen. Da können Verzerrungen oder Schrägstellungen auftauchen." Schell verwies gleichzeitig noch einmal auf die intensive Qualitätskontrolle bei Schulbüchern. Neben den Autoren arbeiteten Fachredaktionen an den Werken und schließlich würden alle Bücher von den Ministerien fachlich und didaktisch geprüft und dann erst freigegeben. Seit Jahren würden die Bücher aus seinem Haus von den Fachkonferenzen in den Schulen außerordentlich gern angenommen.
Überdies, so der Schulbuchexperte, dürfe man nicht vergessen, dass der Unterricht vom Lehrer gesteuert werde und wenn ihm eine Stelle im Lehrwerk nicht gefalle oder missvertsändlich sei, könne er ergänzend eingreifen.
"Keine Noten für Klassenarbeiten aber ein Zeugnis"
Klaus Holoch, der Sprecher des Bibliographischen Instituts in Mannheim, bedauerte, dass bis jetzt noch keine Mängelliste vorliegt. So werde es den Verlagen schwer gemacht, sich zu äußern. "Das ist, als wenn man ein Zeugnis erhält, hat aber die Klassenarbeiten nie zurück bekommen." Daran müsse die Stiftung sicherlich noch arbeiten, empfahl Holoch, der gleichzeitig darauf vewies, dass das Duden-Schulbuch bei den Schülern sehr gut weggekommen sei. Die schlechtere Note der Prüfer könne erst endgültig bewertet werden, wenn dem Verlag auch das ausführliche Testergebnis vorliege.
Der Klett Verlag aus Stuttgart will sich nicht äußern, bevor ihm die Stiftung Warentest Einblick in die Gutachten gewährt hat, so Verlagssprecher Thomas Klugkist.
Verbände werten Test unterschiedlich
Der nordrhein-westfälische Philologenverband hingegen hält den Ärger über Schulbücher für berechtigt. "Es ist nicht hinnehmbar, dass der Konkurrenzdruck unter den Verlagen zu hohen Fehlerquoten, schwer verständlichen Texten und benutzerunfreundlicher Aufbereitung von Schulwerken führt. Hier hat auch das Kontrollsystem des Schulministeriums versagt", erklärte dessen Vorsitzender Peter Silbernagel.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte inzwischen transparente Verfahren, die die Qualität von Schulbüchern sicher stellen. Hier seien die Kultusministerien und die Schulbuchverlage gefordert.
Der Verband Bildung und Erziehung in Nordrhein-Westfalen hingen wiegelte ab. "Schulbücher sind nicht die einzigen didaktischen Mittel, die im Unterricht eingesetzt werden", erklärte Verbandsvorsitzender Udo Beckmann. Guter Unterricht zeichne sich auch dadurch aus, dass Lehrerinnen und Lehrer unterschiedliche Medien und Quellen nutzten. Dass das Schulbuch das einzige Medium sei, in dem jeden Tag sozusagen eine Seite weitergeblättert werde, entspräche nicht dem Berufsverständnis von Lehrerinnen und Lehrern, so der Lehrerverband.
Die Reaktionen der Schulbuchverlage erstaunen uns etwas. Sie waren nämlich bei unserem Fachbeirat debei, bei dem das Prüfprogramm für die Untersuchung gemeinsam diskutiert wurde. Dort war von von Kritik an der Untersuchungsmethode nichts zu hören.
Heike van Laak
Pressesprecherin Stiftung Warentest
Liebe Frau Laak,
Fakt ist jedoch, dass didaktischen Konzepte nicht mit objektiven Mitteln überprüfbar sind.
Was Sie prüfen können sind lediglich inhaltliche und schriftliche Fehler. Didaktische Methoden und deren Korrektheit entscheiden die Lehrkräfte. Was für diese brauchbar ist und im Unterricht zum Erfolg führt ist gut. Das konnten Sie gar nicht prüfen, da der Test über ein Schuljahr mindestens hätte gehen müssen.
Der Test erscheint politisch motiviert; von Frau Schavan vielleicht??
Oder ist die Stiftung Warentest auch schon auflagenabhängig, was doch eher wahrscheinlich ist?! Schließlichb steckt doch Verlagsarbeit in den Heften.
Die Stiftung Warentest sollte dabei bleiben, Butter, Kinderautositze und Augencremes zu testen. Lerhrmittel auf Ihre didaktische "Richtgkeit" hin zu überprüfen scheint mir anmassend.
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