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Buchmesse engagiert sich für Alphabetisierung

LitCam und "Fußball trifft Kultur" in Frankfurt

Mehr zu: Analphabetismus, Buchmessen, Deutschland, Grundbildung, Interviews, Sonderthemen
28.09.2007 -

(bikl.de) Wenn die Frankfurter Buchmesse am 10. Oktober ihre Pforten öffnet, wird wieder das Buch als Kultur- und Wirtschaftsgut im Mittelpunkt stehen. Aber die Messe versteht sich nicht nur als reiner Organisator der größten Branchenmesse weltweit, sie sieht sich auch in der Verantwortung, Lesen und Schreiben zu fördern. Allein in Deutschland leben schätzungsweise vier Millionen erwachsene Menschen, die trotz Schulbesuchs weder einen Brief schreiben, noch einen Fahrplan lesen oder ein Formular ausfüllen können - weltweit werden rund 780 Millionen erwachsene Analphabeten gezählt. Mit der LitCam am Vortag der Messe und weiteren Veranstaltungen während der Messe wird in Frankfurt nicht nur auf das Problem aufmerksam gemacht, in vielfältigen Aktionen und Projekten werden auch Möglichkeiten aufgezeigt, wie Analphabeten lesen lernen können. bildungsklick.de sprach mit der Organisatorin der LitCam, Karin Plötz.

Frau Plötz, zum zweiten Mal veranstaltet die Frankfurter Buchmesse am Vortag der Messe die internationale LitCam Konferenz. Was ist das Anliegen dieser Konferenz?

Karin Plötz: Es sind im Grunde zwei Anliegen: Austausch von Erfahrungen sowie öffentliches Interesse für ein grundlegendes weltweites Problem. Wir wollen mit dieser Konferenz eine Plattform bieten für alle an Grundbildung und Alphabetisierung tätigen Organisationen weltweit. Jeder kann sich durch die Präsentation von verschiedenen Projekten neue Anregungen holen, Erfahrungen austauschen und ggf. gemeinsame Projekte initiieren. Bereits bei unserem Start haben wir gesehen, wie gut der Austausch unter den verschiedenen Organisationen sich ausgewirkt hat. Außerdem haben wir mit der größten Buchmesse der Welt eben auch die Chance einer großen internationalen Aufmerksamkeit, die nötig ist, um dieses Problem dem breiten Publikum sowie der Politik nochmals dringend ans Herz zu legen.

Wird das Thema eher in einem kleinen – aber feinen – Kreis behandelt, oder wird es den Messebesuchern auch während der Messe begegnen?

Karin Plötz: Die LitCam Konferenz betrifft sicher mehr die direkt an der Umsetzung von Projekten beteiligten Organisationen und Institutionen. Aber wir haben ja auch ein lokales Projekt gestartet: "Fußball trifft Kultur". Dazu gibt es drei Veranstaltungen: Am Mittwoch eine Präsentation des Projektes am SPIEGEL Bildungsforum, am Freitag eine kleine Diskussionsrunde am Arte Stand und am Samstag um 16 Uhr im Europa Saal eine größere Aktion, die "Fußball trifft Kultur" gemeinsam mit der Aktion "Kein Platz für Rassismus" durchführen wird und in dem unter anderem. Anthony Baffoe und andere Fußballer über die Problematik Integration und Bildung diskutieren werden. Danach gibt es voraussichtlich noch einen Auftritt des Frankfurter Rappers D Flame. Das andere LitCam Projekt "Who's on the line? Call for free!" wird von Freitag bis Sonntag mit einem Wohnwagen auf der Agora stehen und im Wohnwagen Lesungen durchführen. Und lastnotleast gibt es vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung auch wieder das FAN mobil auf der Agora. Wie Sie sehen, finden Litcam und Alphabetisierung und Grundbildung während der gesamten Messe statt.

Die LitCam will ja auch Aktionen und Projekte auf den Weg bringen. Welche sind das bisher und welche sind geplant?

Karin Plötz: Wie schon eben bei den Aktionen während der Buchmesse erwähnt, haben wir im April das erste lokale Projekt "Fußball trifft Kultur" gestartet. Dank der finanziellen Unterstützung der Aventis Foundation konnten wir in Zusammenarbeit mit der Eintracht Frankfurt Fußballschule ein ganzjähriges Projekt mit 24 Kindern aus sozial schwachem Umfeld durchführen. Wir sind natürlich dabei, eine Folgefinanzierung zu erhalten, sodass auch das nächste Jahr "Fußball trifft Kultur" wieder in Frankfurt stattfinden kann. Und es gibt bereits Gespräche, "Fußball trifft Kultur" auch in Berlin mit Hertha BSC durchzuführen. Dann haben wir das Projekt "Who's on the line? Call for free!", das im nächsten Jahr auch in Istanbul stattfinden wird, da wir ja Türkei als Gastland haben. Weitere Projekte sind für Südafrika zur Cape Town Book Fair geplant.

Die LitCam ist als langfristiges Projekt angelegt – es wird also auch im nächsten Jahr eine Konferenz auf der Buchmesse stattfinden?

Karin Plötz: Ja, das ist unser erklärtes Ziel. Wir wollen die Litcam kontinuierlich ausbauen. Die Konferenz wird auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder stattfinden. Und es wird eine LitCam Konferenz auf der Cape Town Book Fair in Südafrika stattfinden, auf der aber vor allem afrikanische Organisationen, die es sich nicht leisten können, nach Frankfurt zu kommen, teilnehmen werden.

Zur Person

Die Sozialwissenschaftlerin leitet seit fünf Jahren die Abteilung Werbung und Kooperationen der Frankfurter Buchmesse, sie ist verantwortlich für den Bereich Bildung und hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem UNESCO Institut for Lifelong learning und dem Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung die LitCam gegründet.

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