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Europäisches Bildungswesen entwickelt sich im Schneckentempo

Jahresberichts 2007 der Europäischen Kommission veröffentlicht

Mehr zu: Bildungswesen, Deutschland, Europa, Schulabbrecher, Statistik, Berufliche Bildung, Schule
03.10.2007 -

(bikl.de/eu) Das Reformtempo im europäischen Bildungswesen ist langsam und die Ziele, Rahmen der Lissabon-Strategie für Wachstum und Beschäftigung festgelegt wurden, sind noch lange nicht erreicht. Dies ist das zentrale Ergebnis des Jahresberichts 2007 der Europäischen Kommission über die Erreichung der Lissabon-Ziele im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung, der heute veröffentlicht wurde.

Die Fortschritte seit dem Jahr 2000 werden darin anhand von Indikatoren beurteilt. Im Mittelpunkt stehen dabei fünf von den Mitgliedstaaten gemeinsam festgelegte Benchmarks für das Bildungswesen. Ein positives Ergebnis ist, dass die Zahl der Hochschulabsolventen mathematischer, naturwissenschaftlicher und technischer Fächer weiter steigt. Bei den anderen Benchmarks sind jedoch nur mäßige Fortschritte zu vermelden.

Die Lissabon-Strategie ist darauf ausgerichtet, die EU zu einem dynamischen, wissensbasierten Wirtschaftsraum zu machen, der in der Lage ist, Wachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen zu erreichen. Zur Umsetzung der Lissabon-Strategie im Bildungsbereich vereinbarten die Mitgliedstaaten gemeinsame Ziele für ihre Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung. Um die Fortschritte bei der Erreichung dieser Ziele zu überwachen, wurden 2002 fünf Benchmarks für die Verbesserung der allgemeinen und beruflichen Bildung in Europa festgelegt. Die Kommission erstattet jährlich über die Ergebnisse der Mitgliedstaaten Bericht. Der heute veröffentlichte Bericht zeigt auf, dass in gewissen Bereichen zwar positive Entwicklungen zu beobachten sind, dass der allgemeine Fortschritt jedoch zu wünschen übrig lässt.

"Anstregungen verdoppeln"

Der für allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Jugend zuständige EU-Kommissar Ján Figel´ erklärte: "Eine qualitativ hochstehende allgemeine und berufliche Bildung trägt maßgeblich dazu bei, dass sich Europa als Wissensgesellschaft weiterentwickeln und in der globalisierten Weltwirtschaft bestehen kann. Leider macht dieser Bericht deutlich, dass die Mitgliedstaaten ihre Anstrengungen verdoppeln müssen, soll die Bildung in der EU den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht werden. Die Botschaft an die politischen Entscheidungsträger in den Mitgliedstaaten ist klar: Wir müssen wirksamer in unser Humankapital investieren."

Deutschland nicht unter den Besten

Einige der wichtigsten Ergebnisse des Berichts:

  • Es gibt nach wie vor zu viele Schulabbrecher. Im Jahr 2006 gingen in der EU etwa sechs Millionen junge Menschen (18 bis 24 Jahre) vorzeitig von der Schule ab. Diese Zahl müsste um 2 Millionen verringert werden, damit die Benchmark – ein Schulabbrecheranteil von höchstens 10 % – erreicht werden kann. Die EU-Länder mit den besten Ergebnissen waren die Tschechische Republik (5,5 %), Polen (5,6 %) und die Slowakei (6,4 %).
  • Der Anteil der Absolventen der Sekundarstufe II muss erhöht werden. Um die für 2010 vorgegebene EU-Benchmark von 85 % Sekundarschulabsolventen zu erreichen, müsste die Zahl der jungen Menschen im Alter zwischen 20 und 24 Jahren, die die Sekundarstufe II abschließen, um 2 Millionen gesteigert werden. Hier verzeichneten die Tschechische Republik (91,8%), Polen (91,7%) und die Slowakei (91,5%) die besten Ergebnisse unter den EU-Mitgliedstaaten.
  • Die Zielvorgabe für Hochschulabsolventen mathematischer, naturwissenschaftlicher und technischer Fächer hat die EU bereits erfüllt. Setzt sich die derzeitige Entwicklung fort, wird es 2010 mehr als eine Million Absolventen dieser Studienfächer geben – gegenüber derzeit (2005) 860 000 Absolventen pro Jahr. Damit wird die Benchmark bereits übertroffen. Am höchsten ist die Zahl der Absolventen mathematischer, naturwissenschaftlicher und technischer Fächer pro 1000 jungen Menschen (20 bis 29 Jahre) in Irland (24,5), Frankreich (22,5) und Litauen (18,9).
  • Die Beteiligung von Erwachsenen am lebenslangen Lernen ist unzureichend. Um die angestrebte Teilnahmequote von 12,5 % zu erreichen, müsste die Zahl der Erwachsenen, die innerhalb eines Zeitraums von vier Wochen an Maßnahmen zum lebenslangen Lernen teilgenommen haben, um weitere 8 Millionen steigen. Am besten schneiden hier folgende EU-Mitgliedstaaten ab (2006): Schweden (32,1 % im Jahr 2005), Dänemark (29,2 %) und Vereinigtes Königreich (26,6 %).
  • Auch bei den Lese- und Schreibfähigkeiten der 15-Jährigen sind Verbesserungen erforderlich. Derzeit werden in der EU etwa bei jedem fünften 15-Jährigen schlechte Leseleistungen festgestellt. Zur Erreichung der Benchmark müssten weitere 200 000 Schüler ihr Leistungsniveau verbessern. Die EU-Mitgliedstaaten mit den besten Ergebnissen sind Finnland (5,7 %), Irland (11 %) und die Niederlande (11,5 %).

Auch weitere Indikatoren, die nicht zu den von den Mitgliedstaaten festgelegten Benchmarks zählen, zeigen auf, dass das Reformtempo im Bildungswesen erhöht werden muss. So erlernen – entgegen der Forderung des Europäischen Rates von Barcelona (2002) – die meisten Schüler in der EU nach wie vor nicht frühzeitig mindestens zwei Fremdsprachen. Derzeit (Stand: 2003) werden in den Mitgliedstaaten auf der Sekundarstufe I bzw. II im allgemeinbildenden Bereich im Schnitt nur 1,4 bzw. 1,5 Fremdsprachen pro Schüler unterrichtet.

Auch in puncto Finanzierung und Effizienz der Bildungssysteme ist die Lage nach wie vor besorgniserregend. Verschiedene Studien haben aufgezeigt, dass Investitionen im Bereich der Vorschulbildung besonders wirksam sind. Im Bereich der Hochschulbildung ist seit der Annahme der Lissabon-Strategie zwar das Volumen der öffentlichen Investitionen deutlich gestiegen (von 4,7 % auf 5,1 % des BIP); in den letzten Jahren stagnierten die Zahlen jedoch, und die EU müsste den pro Studierenden investierten Betrag mehr als verdoppeln (d. h. um etwa 10 000 EUR pro Jahr steigern), um das Investitionsniveau der USA zu erreichen. Diese Kluft ist fast ausschließlich auf einen Mangel an privaten Investitionen zurückzuführen.

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