Wenig Chancengleichheit im deutschen Bildungssytem
World Vision Kinderstudie bestätigt andere Untersuchungen
Mehr zu: Bildungschancen, Deutschland, Förderschule, Statistik, Schule, Sonderthemen(bikl.de) Unter dem Motto "Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind stark zu machen", ist heute in Berlin die 1. World Vision Kinderstudie vorgestellt worden. Diese Untersuchung bestätigt, was bereits aus PISA- und OECD-Studien bereits hinlänglich bekannt ist, nämlich die enge Verknüpfung von sozialer Herkunft und Bildungsverlauf in Deutschland.
Die Bielefelder Wissenschaftler Prof. Dr. Klaus Hurrelmann und Prof. Dr. Sabine Andresen haben zusammen mit einem Team von TNS Infratest Sozialforschung, München unter Leitung von Ulrich Schneekloth die Lebenssituation der Kinder in Deutschland untersucht. Die Befragung wurde bundesweit mit fast 1.600 Kindern durchgeführt.
Wie ein Teufelskreis
Die World Vision Kinderstudie zeigt, dass es vielen Kindern in Deutschland gut geht und sie mit ihrem Lebensumfeld zufrieden sind. Sie zeigt aber auch, dass es entscheidend für das ganze Leben ist, in welche Gesellschaftsschicht ein Kind hineingeboren wird. "Die schlechteren Startchancen von Kindern aus den unteren Herkunftsschichten prägen alle Lebensbereiche und wirken wie ein Teufelskreis. Wie ein "roter Faden" zieht sich eine Stigmatisierung und Benachteiligung dieser Kinder durch das ganze Leben hindurch", so der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Klaus Hurrelmann. "Kinder aus den unteren Schichten sind häufig auf sich allein gestellt. Daher bedarf es des Engagements des ganzen Dorfes, um ein Kind stark zu machen, wie ein altes afrikanisches Sprichwort lautet. Ein schönes und anschauliches Bild, das wir als Ausgangspunkt unserer Überlegungen zur Verbesserung der Kinderpolitik in Deutschland genommen haben."
Große Unterschiede beim Bildungsziel "Abitur"
Knapp zwei Drittel der Kinder in der Altersgruppe von 8 bis 11 Jahren besuchen noch die Grundschule. Das andere Drittel verteilt sich auf die je nach Bundesland unterschiedlichen Schulformen im Sekundarbereich I. Gymnasien besuchen nur 1% der Kinder aus der Unterschicht, aber 18% der Kinder aus der Oberschicht. 19% der Kinder aus der Unterschicht sind auf einer Förderschule, im Vergleich zu 1% der Kinder aus der Oberschicht.
Werden die Kinder nach dem von ihnen gewünschten Schulabschluss gefragt, ist der Unterschied ebenfalls gravierend. 49% der Kinder benennen das Gymnasium oder das Abitur, wobei sich Mädchen und Jungen an dieser Stelle kaum unterscheiden. Kinder aus der Unterschicht benennen nur zu 20%, Kinder aus der unteren Mittelschicht zu 32%, Kinder aus der Mittelschicht zu 36% das Gymnasium oder das Abitur als Bildungsziel. Anders sieht es bei den Kindern aus der oberen Mittelschicht aus: Für 68% ist das Abitur selbstverständlicher Schulabschluss und Kinder aus der Oberschicht streben zu 81% das Abitur an. 15% der Kinder sind sich unsicher und können hierzu noch keine klare Antwort geben.
Ähnlich verhält es sich bei der Bewertung der eigenen Leistungsfähigkeit. Kinder aus den oberen Schichten bezeichnen sich zu mehr als 70 % als gute bis sehr gute Schüler. In der Mittelschicht sind es 57%, in der unteren Mittelschicht 53% und in der Unterschicht sogar nur 28%.
Institutionen sind gefordert
"Mütter und Väter brauchen mehr Rückhalt in unserer Gesellschaft", erklärte Klaus Hurrelmann zu diesen Ergebnissen. "Immer mehr Eltern sind mit den schulischen Anforderungen ihrer Kinder überfordert. Daher müssen alle Institutionen und Bereiche unserer Gesellschaft mithelfen, um unsere Kinder stark zu machen."
"Die 1. World Vision Kinderstudie zeigt auch sehr deutlich, dass Kinder sensible und wache junge Gesellschaftsmitglieder sind, die durchaus selbstbewusst eigene Lebensperspektiven entwickeln. Sie fühlen sich im Alltag aber oft nicht ernst genommen. So glaubt ein Großteil der Kinder, dass sich Politiker eher mangelhaft für ihre Belange einsetzen. Auch in der Schule fühlen sich viele Kinder nicht ernst genommen und bemängeln hier die ungenügende Beteiligung", erklärte die Kindheitsforscherin Prof. Dr. Sabine Andresen.
So lange Bundeslaender wie unser geschaetzter Freistaat Bayern weiterhin fuer ein getrennt-gegliedertes Schulsystem eintreten, da die sogeannte Gleichmacherei etwas ist, dass sie sehr schreckt, wird sich im deutschen Bildungssystem nicht viel aendern. Die Reformen gehen langsam voran und oft zu Lasten der Kinder: Vergleichsarbeiten statt Foerderung waere nur eines von so vielen Beispielen
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