Die Schulbücher geprügelt und den Föderalismus gemeint?
Spekulationen über den Schulbuchtest
Mehr zu: Berufsbildungsbericht, Schavan, Schulbuch, Stiftungen, Unterrichtsmaterial, Weiterbildung, Schule(bikl.de) Schweres Geschütz gegen die Schulbuchkritik der Stiftung Warentest fährt jetzt die Frankfurter Rundschau unter der Überschrift ´Note mangelhaft`auf. Das Fazit des Kommentars: "Die Stiftung nutzt die Schulbücher, um Föderalismuskritik zu üben."
Zweifel an der Seriösität des Schulbuchtests sind der Zeitung nicht nur gekommen, weil die Tester, statt auf didaktische und methodische Vielfalt im Unterricht zu achten, lieber auf die medienwirksame Schlagzeile setzte. Wundersam auch, dass für das auf strittigen Kriterien ertestete Fehlerdebakel gleich ein Lösungsvorschlag mitgeliefert wurde. Das seien einheitlichere Schulbücher auf Bundesebene, da die unter Zeitdruck entstehenden Länderausgaben fehleranfällig seien.
Die Forderung nach dem Einheitsschulbuch ist allerdings nicht neu, bereits im Sommer hatte sich Bundesbildungsministerin Annette Schavan dafür ausgesprochen.
´Oberstes Gebot: Neutralität` heißt es auf der Homepage der Stiftung Warentest und weiter: ´Die Stiftung darf laut Satzung keine Einnahmen durch die Aufnahme von Anzeigen erzielen. Deshalb bekommt sie eine jährliche Ausgleichszahlung vom Staat, die rund 13 Prozent ihres Etats ausmacht.` Im Jahresbericht 2006 der Stiftung sind dazu 6,5 Mill. Euro ausgewiesen, die das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz jährlich überweist, ab 2008 allerdings auf 6 Millionen reduzieren will.
Eine weitere Einnahmequelle der Stiftung scheint Ende dieses Jahres zu versiegen: Im Berufsbildungsbericht 2007 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung lesen wir: ´Seit Sommer 2002 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung bei der Stiftung Warentest Weiterbildungstests in der beruflichen Weiterbildung. Diese Tests dienen der Transparenz und der Qualität in der beruflichen Weiterbildung. Die Förderung entsprechender Tests ist insofern notwendig, da sich Bildungstests im Gegensatz zu vielen anderen Themen der Stiftung – wie bspw. Unterhaltungselektronik, Ernährung und Kosmetik – nicht über die Verkaufserlöse der Publikationen der Stiftung refinanzieren lassen. Die Förderung – rd. 2 Mio. Euro pro Jahr – läuft Ende 2007 aus.`
Chronisch auch der seit Anfang der 90 er Jahre zu verzeichnende Rückgang der Verkaufsauflage bei der Zeitschrift ´test`, mit einem Anteil von knapp 44 Prozent allerdings immer noch die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle der Stiftung.
Verständlich also vielleicht noch, wenn bei sinkenden Einnahmen schlagzeilenträchtige Überspitzungen der Testergebnisse für Aufmerksamkeit am Kiosk und in den Medien sorgen sollen. Lediglich spekulieren lässt sich hingegen darüber, warum die Stiftung Warentest, die zur Neutralität verpflichtet ist, das Ergebnis des Schulbuchtests politisch begründet hat und damit in eine aktuell schwelende Diskussion eingreift, die ausgerechnet von der Leiterin des Ministeriums eingeleitet worden war, von dem die Stiftung derzeit nicht unerheblich unterstützt wird.
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