(bikl.de) Grundlegende Neuerungen in der Schulpolitik des Landes seien für die nächsten fünf Jahre nicht mehr zu erwarten, "So gesehen kann Ruhe einkehren", versicherte der Niedersächsische Kultusminister Bernd Busemann heute in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. Die Umsetzung der großen Reformen sei allerdings noch nicht vollendet, da möchte er sich gern auch ganz persönlich weiter einbringen.
Der Minister bekräftigt im Interview sein klares Bekenntnis zum gegliederten Schulsysthem, für das er allerdings auf Grund des öffentlichen Drucks Lockerungen zu Beginn der nächsten Legislaturperiode in Aussicht stellt. Es stehe allerdings nicht zur Diskussion, "ganz Niedersachsen zu einem Gesamtschulland zu machen".
Weniger klar stellt Busemann die Verkleinerung der Schulklassen in Aussicht. Er kämpfe zwar darum, dass die bei rückläufigen Schülerzahlen rein rechnersich frei werdenden Mittel im Schulsystem zu belassen seien, aber das hänge letztlich von den finanziellen Verhältnissen der nächsten Jahre ab.
Den landesweiten Mangel an Fachlehrern "- von Latein und Mathe bis hin zu den Naturwissenschaften" sieht der Minister als eine Fehlentwicklung vergangener Jahre, "die ich jetzt ausbaden muss." Die aktuellen Einschreibungen an den Hochschulen stimmten ihn aber positiv und er habe "die vorsichtige Hoffnung, dass nach einigen Jahren des Übergangs wieder genügend Lehrkräfte auch in den Mangelfächern zur Verfügung stehen."
Bei der Bereitschaft zur Übernahme von Schulleiterstellen zeigten sich "manchmal tatsächlich Probleme", so Busemann weiter. Manche potenziellen Schulleiter hätten angesichts der neuen Herausforderungen – Dienstvorgesetzter, verantwortlich für Qualität – eine gewissen scheu vor der Aufgabe. Hier will Busemann durch Verbesserungen bei Arbeitszeiten und Besoldung das Blatt wenden. Er stellt eine Arbeitszeitverordnung in Aussicht, die Schulleiter zukünftig weitgehend von Unterrichtsverpflichtungen entlasten würde. Zudem werde man das Thema Besoldungsgerechtigkeit in Angriff nehmen.
Auf richtigem Weg sieht der Minister die Entwicklung des eigenverantwortlichen Schulsystems. Dabei sei der Schul-TÜV als wichtiger Baustein mittlerweile etabliert und anerkannt. Es sei allerdings richtig, dass dieser nur die Diagnose betreibe und der Handlungsbedarf danach bestehen bleibe. Die dafür erforderlichen Stellen für die Beratung der Schulen habe man deshalb auf 120 aufgestockt.
Spekulationen über seine politische Rolle nach den Landtagswahlen zu Anfang 2008 wollte der Minister in dem Interview nicht nähren: "Amtsmüde war ich noch nie, und das bin ich auch jetzt nicht." Die Umsetzung der großen Reformen sei schließlich noch nicht vollendet.