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Forscher und Politiker fordern zweigliedriges Schulsystem

"Gewinner sind die heute benachteiligten Schülerinnen und Schüler"

Mehr zu: Bildungsgerechtigkeit, Schulstruktur, Stadtteilschule, Schule
21.11.2007 -

(bikl.de/ots) Ein Ende des lähmenden Streits um das Für und Wider von Gesamtschulen fordern Forscher und Politiker von SPD, FDP und CDU. In einem gemeinsamen Aufruf in der ZEIT plädieren sie für ein zweigliedriges Schulsystem: Hauptschulen, Realschulen und Gesamtschulen sollen zu einer einheitlichen Schulform neben dem Gymnasium zusammengefasst werden.

Der Aufruf fällt zusammen mit ähnlichen Plänen einiger Bundesländer. So haben beispielsweise in Schleswig-Holstein die ersten Gemeinschaftsschulen ihre Türen geöffnet, auch Hamburg hat mit seinen Stadtteilschulen das Ende der Hauptschule eingeläutet und zuletzt hat Rheinland-Pfalz die Abschaffung der Hauptschule beschlossen.

Internationale Bildungsstudien haben wiederholt gezeigt, dass Deutschland eine überdurchschnittlich große Zahl von Bildungsverlierern produziert, und andererseits unterdurchschnittlich viele Schüler den Weg auf die Hochschulen finden. Kritiker sehen als eine Ursache dafür das vielfach gegliederte Schulsystem vieler deutscher Bundesländer.

Das dreigliedrige - in vielen Bundesländern zusammen mit Förder- und Sonderschulen sogar vier- oder fünfgliedrige – Schulsystem, so heißt es in dem Aufruf, verletze die Grundprinzipien der Bildungsgerechtigkeit, da es zu sozialer und ethnischer Abgrenzung führe, problematische Lernmilieus schaffe und schwierige Ausbildungs- und Berufschancen zur Folge habe.

Auch volkswirtschaftlich könne es sich Deutschland nicht länger leisten, leistungsfähigen Schülerinnen und Schülern jenseits des Gymnasiums keinen direkten Weg zur Hochschulreife zu eröffnen. International vergleichende Studien verwiesen auf einen sich abzeichnenden gravierenden Akademikermangel in Deutschland.

Die neue Schulform soll "ein wissenschaftsorientiertes, an der Lebenswirklichkeit und Berufswelt orientiertes Bildungskonzept" verfolgen und die Schüler zum Haupt- oder Realschulabschluss führen. Gute Schüler sollen dort auch die Hochschulreife erlangen können.

Der in der ZEIT veröffentlichte Aufruf wird von 33 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens getragen, darunter Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Bernhard Bueb, langjähriger Direktor der Internatsschule Schloss Salem, Robert Heinemann, schulpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion in Hamburg, Klaus Hurrelmann, Bielefelder Gesundheits- und Sozialwissenschaftler, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Burkhard Schwenker, CEO der Roland Berger Strategy Consultants, und Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung.

Zu den Unterzeichnern des Aufrufs gehören außerdem mehrere namhafte ehemalige Bildungspolitiker wie die langjährige nordrhein-westfälische Bildungsministerin Gabriele Behler (SPD), der frühere Kultusminister Hessens Ludwig von Friedeburg (SPD), die Staatsministerin a.D. Hildegard Hamm-Brücher und der langjährige Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Dieter Wunder.

"Keine Partei wird durch diesen Kompromiss ihren profilierenden Einfluss auf die Bildungspolitik verlieren. Die wirklichen Gewinner aber sind die heute benachteiligten Schülerinnen und Schüler", heißt es abschließend in dem Aufruf.

2 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Werner Dünhölter, am 22.11.2007, 22:27

Wenn man in eine Kiepe mit guten Äpfeln einen faulen Apfel tut, dann ist das Ergebnis vorhersehbar. Die Verlierer werden die Realschüler sein. "Erfolgreiche" Länder mit Gemeinschaftsschulen haben bedeutend kleinere Klassenfrequenzen und außer Lehrern meistens bedeutend mehr "Hilfspersonal" an den Schulen.

von Carsten Ritter, Realschullehrer, am 25.11.2007, 13:47

Wenn die heute benachteiligten Schülerinnen und Schüler die Gewinner eines solchen Systems sein sollen, wer sind denn dann die Verlierer? Meiner Meinung nach sind es die Realschüler, da das Niveau eindeutig sinken wird und dadurch wird Deutschland zum Verlierer. Das zeigen solche Systeme wie z.B. in den Niederlanden.

Ein von Ihnen so gefordertes System kann nur mit starker finanzieller Unterstützung wirkliche Verbesserungen hervorrufen. Und die wird es in Deutschland, dem Sparland, nicht in dem nötigen Umfang geben.


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