Ab 2010 PISA für Universitäten?
OECD plant internationalen Vergleich über Ergebnisse der Hochschullehre
Mehr zu: Hochschullehre, PISA (Studie), Ranking, Hochschule(bikl.de) Derweil die deutsche Bildungsöffentlichkeit den Ergebnisse der dritten PISA-Studie an Schulen am 4. Dezember in Berlin entgegenfiebert, hat die OECD als internationale Koordinierungsstelle dieser Vergleichsstudien längst Höheres im Visier: eine PISA-Studie für Hochschulen.
"Kaum anzunehmen, dass eine Hochschule nur deshalb besser ist, weil sie mehr Geld ausgibt oder weil andere Maßstäbe der Qualitätserfassung angelegt werden. Wir werden wir uns also die Lernergebnisse anschauen", erklärte Andreas Schleicher, Leiter der Bildungsforschung bei der OECD, jetzt in The Economist. Sich an den Ergebnissen messen zu lassen wäre für die Hochschulen in der Tat ein Novum. Werden bisher lediglich zwei weltweite Studien betrieben, die allerdings nur die Inputs in diesem Bildungssektor berücksichtigen: das "Academic Ranking of World Universities" der Universität Shanghai und das Hochschulranking des "Times Higher Education Supplement" (THES). Beide bewerten etwa Anzahl und Qualität des Personals, die von der Einrichtung erzielten Preise und Auszeichnungen oder die Anzahl der von den Hochschulangehörigen veröffentlichten Artikel. Die von der OECD geplante Studie soll sich das Endergebnis ansehen – wie viel Wissen kommt wirklich bei den Studierenden an?
So wie in den OECD-Schulstudien Lesefähigkeit oder Mathematikkenntnisse von Schülern einer bestimmten Altersgruppe getestet werden, so soll auch bei Studierenden zukünftig vergleichend erfasst werden, was sie an ihrer jeweiligen Hochschule wirklich gelernt haben. Nehmen genug Universitäten an diesem Hochschul-PISA teil, können Vergleichslisten veröffentlicht werden, aus denen ersichtlich wird, wo die einzelnen Länder mit der Qualität ihrer universitären Ausbildung stehen, so wie beim PISA Schulvergleich. Also ein Vergleich mit mehr Aussagekraft als bei den beiden bisherigen internationalen Hochschulrankings.
Auf ihrer Sitzung im Januar 2008 wollen die Bildungsminister über den OECD-Plan beschließen. Die ersten Rankings sind dann für 2010 in Aussicht gestellt. Auf die Forscher wartet bis dahin ein riesiger Berg an Arbeit, denn nicht nur zwischen den einzelnen Ländern variieren die Lehrpläne, sondern auch von Hochschule zu Hochschule. Die OECD-Forscher wollen sich deshalb von vornherein auf übertragbare Fertigkeiten wie kritisches Denken und Analysefähigkeit konzentrieren, Faktenwissen steht allenfalls in wirtschaftswissenschaftlichen oder technischen Studiengängen an, wo es einen hohen Anteil an Übereinstimmungen gibt.
Außerdem, so Schleicher, sei die Studie ihr Geld wert, denn die bisherigen Rankings gäben den Regierungen keine Aussage darüber, ob das Geld, das sie dafür in die Universitäten steckten, auch wirklich der Wissensvermittlung diene. Auch Studierende könnten leicht übersehen, dass Einrichtungen in der zweiten Reihe durchaus eine bessere Lehre anbieten würden, obwohl sie nicht mir großen Namen auftrumpfen könnten. Vor allem aber bedeute ein Ranking auf Grundlage von Reputation für berühmte Einrichtungen ein Dauerabonnement und mache für Neue einen Aufstieg sehr schwierig. "Wir reflektieren nicht die Historie einer Hochschule," so Schleicher, "aber wir untersuchen, was ein globales Wirtschaftsunternehmen erwartet."
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