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Macht das G8 die Kinder krank?Interview mit Klaus Hurrelmann über die Auswirkungen der verkürzten Schulzeit11.12.2007
Wenn Schüler in Deutschland Abitur machen, sind ihre Altersgenossen in den meisten anderen Ländern längst Studenten oder in der Berufsausbildung. Das soll sich ändern. Damit deutsche Schüler international wettbewerbsfähiger werden, wurde in den vergangenen Jahren beinahe bundesweit das neunjährige Gymnasium auf acht Jahre verkürzt. Doch Proteste blieben nicht aus. Sogar ein Volksbegehren gegen das achtjährige Gymnasium (G8) wurde in Bayern initiiert, scheiterte aber an mangelnder Beteiligung. Dennoch klagen insbesondere Eltern und Schüler über zu hohe Arbeitsbelastung und enormen Leistungsdruck. Wir sprachen mit dem Bielefelder Gesundheits- und Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Klaus Hurrelmann über die Auswirkungen der verkürzten Schulzeit. Hurrelmann leitete unter anderem die Shell-Jugendstudien 2002 und 2006 und die World Vision Kinderstudie "Kinder 2007". Herr Hurrelmann, in einer bayerischen Umfrage attestierten vier von fünf G8-Eltern ihrem Kind "schulbedingte Stresssituationen" und mehr als die Hälfte halten die verfügbare Freizeit ihrer Kinder für nicht ausreichend. Macht das G8 die Kinder krank? Klaus Hurrelmann: So sehr ich grundsätzlich die Umstellung befürworte, weil wir damit Deutschland in die international üblichen Strukturen eingliedern, so sehr habe ich mich darüber geärgert, wie sie in der Realität umgesetzt worden ist, nämlich im Prinzip nur durch eine Verdichtung des bestehenden Stoffes. Vor allem wurde die Chance nicht wahrgenommen, auf moderne Formen der Lehrplangestaltung umzustellen, bei dem nicht mehr jedes Detail festgelegt wird. Große Teile der Schülerschaft – wahrscheinlich größere als zuvor - geraten durch diese schulischen Anforderungen unter einen Bewährungsdruck. Hier kommt es dann zu Ausweichbewegungen, die Gesundheitsprobleme mit sich bringen können. Und das bedeutet ganz konkret? Klaus Hurrelmann: Es sind drei Auswege, die wir in den letzten Jahren sehen und die zugenommen haben. Wir können – vor allem bei den Mädchen, die eher diese Variante wählen – mehr psychosomatische Störungen verzeichnen. Bei den Jungen sehen wir eine Zunahme von aggressiven Varianten bis hin zu sehr spektakulären Ereignissen. Auch hier zeigt die Forschung einen Anstieg. Ich sehe auch Aggressionen kollektiver Art bis hin zur Bedrohung der Schule durch Gewalttaten auf dieser Schiene, nicht immer ursächlich, aber atmosphärisch. Und es gibt eine dritte Variante, die zugenommen hat, das ist die Flucht in Medikamente, aber auch in legale und illegale Drogen. Diese Gewaltphänomene an Schulen – gerade auch an Gymnasien – halte ich nicht für zufällig. Die Zunahme von Alkoholexzessen – auch gerade bei Gymnasiastinnen und Gymnasiasten – sind die Spitzen, die zeigen, dass sich da ein Druck zusammenbraut. Um nicht missverstanden zu werden: Das hängt nicht ganz ursächlich mit G8 zusammen, aber die Schulzeitverkürzung hat diese Atmosphäre des Bewährungsdrucks an Schulen noch einmal hochgeschaukelt. Doch das G8 ist Fakt und Sie selbst halten ja auch eine Schulzeitverkürzung für notwendig. Wie lässt sich denn unter diesen Voraussetzungen die Situation der Schüler (und Lehrer) verbessern? Klaus Hurrelmann: Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass Gymnasien, die auf eine Erweiterung mit einem guten und gut rhythmisierten Ganztagsbetriebs umstellen, ganz viel von diesem Druck abfangen. Unter anderem, weil man dort noch eine Mittagspause mit Sozialaktivitäten und insgesamt sehr viel mehr Kontaktmöglichkeiten in der Schule hat. In diesem Zusammenhang wird – beispielsweise in Nordrhein-Westfalen – über Samstagsunterricht diskutiert. Auch eine denkbare Lösung? Klaus Hurrelmann: Samstagsunterricht ist nicht unklug, denn der Halbtagsunterricht – fünf Mal sieben Stunden in der Woche – ist unter dem Gesichtspunkt der Lerneffizienz, neben der psychologischen und körperrhythmischen Frage, völlig ineffektiv. Ein Vormittagsunterricht mit mehr als fünf Stunden, wie wir ihn in Deutschland als Tradition haben - diese 45 vollgestopften Minuten - macht einfach keinen Sinn. Insofern bin ich neugierig, ob die eine oder andere Schule den Unterricht am Samstag tatsächlich als eine in sich durchaus stimmige Alternative wählt. Weitere Informationen:G8 in den einzelnen BundesländernDas achtjährige Gymnasium (G8) ist mittlerweile zum Regelgymnasium in Deutschland geworden. Beinahe alle Bundesländer haben die verkürzte Schulzeit eingeführt. In Thüringen und Sachsen wurde das G8 nach der Wende beibehalten. Es folgten Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Saarland, Hamburg, Bayern, Niedersachsen, Berlin, Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Brandenburg hat das zwölfjährige Schulsystem zum Schuljahr 2007/2008 eingeführt und Schleswig-Holstein strebt die Verkürzung der Schulzeit ab 2008/09 an. Rheinland-Pfalz will die 12-jährige Schulzeit bis zum Abitur in Verbindung mit einer Ganztagsschule (G8GTS) zunächst nur an ausgewählten Gymnasien umsetzen. Beginn: Schuljahr 2008/09. Dazu auf der didacta (19. bis 23. Februar 2008 in Stuttgart):
(Das Interview mit Prof. Dr. Klaus Hurrelmann ist abgedruckt im Themendienst 1 zur didacta 2008.)
15 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Peter Gratzer, am 18.02.2008 00:17
Leider geht Prof.Hurrelmann nicht auf eine dringend nötige Entrümpelung der Lerninhalte ein. Traditionell führt die deutsche gymnasiale Oberstufe in derart schwindelerregende inhaltliche Höhen, die bei unseren Nachbarn höchstens auf der Universität erreicht werden. Hier werden Zeit und Nerven vergeudet. Stichwort: Shakespeare bis in die letzten Feinheiten, aber in London nicht nach dem Weg fragen können... Da stimmt doch was nicht!
von Martin Tepe, am 18.02.2008 16:45
Sehr geehrter Hr. Gratzer, Sie haben es mit Ihrem letzten Satz auf den Punkt gebracht. Vielen Dank.
von Max Mustermann, am 21.02.2008 05:16
Ich bin grade in der 13, stehe also kurz vor dem Abitur und kann meinen Vorrednern leider nur recht geben! Ich habe die Erfahrung vor allem in Mathe (grade in einem Fach, in dem sich ja bekanntermaßen so schon viele überfordert fühlen und selbst in Grundkursen) und in meinem Leistungskurs Pädagogik (man beachte das Paradoxon), in dem viele Inhalte so gedrängt sind dass die Stunden fast nur noch daraus bestehen, dass der Lehrer Material austeilt dass wir dann zu Hause bearbeiten müssen! Aber solange Frau Schavan populistisch ins Mikrofon brabbeln kann, das müsse ja so sein damit wir mit dem europäischen Durschnitt mithalten könnten, wird sich daran leider nichts ändern!
von Julia Müller, am 25.03.2008 12:56
Diese Diskussionen über G8 bringen mich langsam nur noch zum lächeln...Ich komme aus Sachsen und gehe mittlerweile in die 11. Stufe und bis jetzt hatte ich noch überhaupt keine Probleme damit das Abi in 12 Jahren zu schaffen. Auch kenne ich nicht wirklich Leute, die sich darüber beschwert hätten. Und die, die es nach 8 Jahren Gymnasium nicht geschafft haben, hätten es auch nach 9 Jahren nicht geschafft... Ich finde diese Diskussionen einfach nur total übertrieben und langsam frage ich mich ob wir hier vielleicht alle hochbgabt sind, schließlich kommen wir schon seit Jahren mit diesem Schulsystem zurecht, ohne dass sich Spezialisten Sorgen machen, ob wir das auch alles schaffen.
von Iris Fischer, am 07.11.2008 14:56
Ich bin Mutter einer 13 jährigen Tochter in der 8. Klasse auf dem G8-Gymnasium in Hamburg. Mein Kind hat 39 Schulstunden zzgl. Hausaufgaben und Übungszeit. Unter der Woche keine Zeit für Hobbies, Sport und Freunde, Streßsymptome wie Erschöpfung, Bauchweh, Kopfschmerzen, Einschlafprobleme und Depressionen kommen in der Klasse gehäuft vor. Kinder schlafen im Unterricht ein oder halten nur mit Cola und Kaffee durch. Verkürzte Gymnasialzeit darf nicht auf Kosten der Gesundheit unserer Kinder gehen. Das Weltwissen wächst, das Lebensalter auch, warum also die Schulzeit verkürzen. Früher hatten wir auch kein Problem mit der Konkurrenz in den Nachbarländern, weil unsere Schulausbildung gut war. Ich halte das Turbo-Abi für eine Kosteneinsparung zu Lasten unsrerer Kinder. Wenn man die Schüler fragt, was sie nach dem Abi machen wollen, bekommt man oft die Antwort, "erst einmal ausruhen oder ins Ausland", was hat die Einsparung dann genützt? In unserem langen leben haben wird nur eine Kindheit. Kinder brauchen Zeit und Freiraum, um Kreativität, Lebensfreude und psychische Stabilität für später zu gewinnen.
von Brita Heck, am 10.11.2008 13:08
Bemerkung zu Julia Müllers Kommentar: Meine Tochter, die in Baden-Württemberg das Abitur machte und in Mathematik gerade mal eine 4 schaffte, kann jetzt ihrer Kommilitonin aus Sachsen beim Studium in Mathe unter die Arme greifen. So viel zu den Qualitätsunterschieden in den einzelnen Bundesländer. Es ist unverständlich, dass unser KM diese Qualität mit der Einführung des G8 verdummbeutelt. Schauen wir doch nach Frankreich. Dort sind die Schüler mit ihre, dem Gymnasium vergleichbaren Schule früher fertig, müssen aber ein Jahr (bezahlte!) Universitätsvorbereitung machen. Wollen wir das nachmachen? G8 ist nur auf Kosten der Kindheit und/oder auf Kosten der Qualität des Abiturs zu haben. Der Tag hat nur 24 Stunden und die werden auch durch Förderung und Hausaufgabenbetreuung nicht länger. Die Familien leiden darunter mit ihren Kindern.
von R.Weimert, am 15.11.2008 18:21
Habe gerade den 2. Kommentar gelesen und bin ein wenig verwundert über sog. "Qualitätsunterschiede" (nationaler Ländervergleich) Hallo? Vielleicht kann man dies nicht an nur 2 Studentinnen werten! Deshalb hier mal eine Pressemeldung reinkopiert: Sachsen erfolgreich beim PISA-Test Spitzenplatz für Gymnasien in Naturwissenschaften Dresden, 03.11.2005 Beim PISA-Test liegt Sachsen im Ländervergleich mit an der Spitze. "Die erreichten Ergebnisse zeigen sogar, dass sich sächsische Schüler international sehr gut behaupten können", sagte Kultusminister Steffen Flath. Das sächsische Schulsystem sei damit international konkurrenzfähig. In Mathematik, Lesen, Naturwissenschaften und Problemlösen liegen die Kompetenzen sächsischer Schülerinnen und Schüler über dem internationalen OECD-Durchschnitt. In der deutschen Wertung eroberte Sachsen in Mathematik, Naturwissenschaften und Problemlösen den zweiten Platz nach Bayern. Im bundesweiten Vergleich der Gymnasien erreichten sächsische Gymnasiasten vordere Plätze, in den Naturwissenschaften sogar Platz 1.
Die Bildungspolitik der letzten 15 Jahre habe sich bewährt, so Flath. "Das sehr gute Abschneiden Sachsens ist aber vor allem ein Beleg für die tolle Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer", sagte der Kultusminister. Er stellte jedoch klar, dass sich der Freistaat nicht auf dem Erfolg ausruhen dürfe. Der PISA-Test zeige, dass man sich an den Schulen noch stärker als bisher den leistungsschwächeren Schülern zuwenden müsse.
Gegenüber der ersten PISA-Studie aus dem Jahr 2000 erzielte Sachsen in allen Kompetenzbereichen deutliche und statistisch signifikante Verbesserungen. In Mathematik sind für Sachsen und Thüringen die bundesweit größten Zuwächse zu verzeichnen. Bei den mathematischen Kompetenzen erreichten hiesige Gymnasialschüler den zweiten Platz. Auch beim Lesen ist es sächsischen Schülern offensichtlich gelungen, die Kompetenz bedeutsam zu verbessern. "Der dritte Platz für alle Schüler und der vierte für die Gymnasien kann aber nicht zufrieden stellen", sagte Flath. Hingegen können sich Sachsens Schüler bei den Naturwissenschaften international messen lassen: Platz 2 im deutschen Vergleich aller Schüler und Platz 1 für die Gymnasien.
In puncto Chancengerechtigkeit liegt Sachsen mit Finnland, Japan, Kanada und Schweden in der internationalen Spitzengruppe, wie die PISA-Studie deutlich macht. Die ansonsten in Deutschland zu beklagende enge Kopplung von sozialer Herkunft und Kompetenzniveau gilt für Sachsen nicht. Die relative Wahrscheinlichkeit eines Facharbeiterkindes, das Gymnasium zu besuchen, ist in Sachsen deutlich größer als im Bundesdurchschnitt. "Wir müssen das hohe Niveau der Chancengerechtigkeit halten, wenn möglich sogar verbessern", sagte Flath.
In Sachsen wurden bei PISA 2003 insgesamt 2348 Schüler aus 88 Schulen untersucht (26 Gymnasien, 59 Mittelschulen, eine Sonderschule, zwei Berufsschulen).
Nähere Information zu den PISA-Ergebnissen und den Bildungsreformen in Sachsen unter www.sachsen-macht-schule.de/pisa/.
von Kaja Lillith G., am 26.11.2008 17:02
Ich bin der erste G8 Jahrgang auf meiner Schule und gerade in der 8.Klasse - ich weiß gar nicht wieso alle gegn G8 sind. Teilweise würde ich sogar so etwas wie g7 für sinnvoll halten. Wir haben ein Mädchen in der Klasse, die gerade übersprungen hat und sich weiterlangweilt. Außerdem sind die g8 Schüler genauso faul wie die g9 Schüler und schreiben eigentlich dieselben Noten. Wenn es etwas zu bemängeln gibt, dann eher, dass man ohne Abitur fast keine ordentliche Stelle bekommt und deshalb jedes Kind, egal wie interligent oder nicht ins Gymnasium kommt. Kein Wunder, dass dann die Mütter solcher verhätscheltn Kinder motzen, dass alles so schwer ist! Und was den Nachmittagsunterricht angeht - in der 5.Klasse hat man eigentlich noch am meisten, damit die oben Angesprochenen grad wieder rausfliegen! In der 6.Klasse hatte ich dann auch schon 4Stunden weniger. Wahrscheinlich ist es nur der Umstieg, von der Grundschule, der so auffällt- schließlich haben die Kinder da nun wirklich praktisch nichts zu tun!
von Große Pause, am 26.11.2008 19:21
Ja, wenn man sich viele aktuelle bildungspolitische Debatten in der letzten Zeit so anhört, dann scheint es nur noch darum zu gehen, möglichst schnell mit etwas fertig zu sein. Egal ob Einschulung mit 5 Jahren, G8, Bachelor und Master - überall wird nur noch verkürzt, gestrafft, verdichtet. Ob ein derartiger Bildungsbetrieb aber reife Persönlichkeiten produziert oder doch nur lebende Festplatten, wird die Zukunft zeigen. Ich bin da skeptisch. Eine Gesellschaft, die selbstgewählte Freiräume und Müßigkeit derart verachtet, bekommt irgendwann die Quittung.
von Karl Kraus, am 30.11.2008 08:13
Große Pause: Toller Kommentar. Wir bekommen gerade vorgeführt, wie viel Hirn unsere Wirtschaftsführer noch haben. Das reicht manchmal unfallfrei nur zur nächsten Quartals-Pressekonferenz. Die Politiker sind auch nicht besser, weil sie ebenfalls nach kurzfristig öffentlich Vorzeigbarem heischen. "Gut Ding braucht Weile"
von Jana, am 03.12.2008 17:31
Ich muss einräumen, dass ich ehrlich gesagt nicht viel Ahnung von den "Auswirkungen des G8 auf die zukünftige Weltwirtschaft" oder gar den politischen Umständen, die die Einführung dieser Schulform verursachten, habe. Es muss reichen, wenn ich einfach aus Erfahrung spreche. Ich bin 15 Jahre alt und besuche ein Gymnasium in der Oberpfalz. Die derzeitigen 10. Klassen, die ich besuche, bilden die erste Jahrgangsstufe im G8. Natürlich kann ich nicht viel Vergleiche zu früher ziehen, aber ich habe insg. mehr Wochenstunden als meine Freundin in der 12. Klasse. Wenn mich also jemand fragt, ob ich mit dem Druck zurecht komme, sage ich jedes Mal wieder: "Ich kenn es nicht anders" Außerdem bringt Rumjammern in der Situation eines Schülers nicht das Geringste. Jeder Schüler muss schlichtweg versuchen sein Bestes zu geben, um den Weg in und durch das Abitur zu schaffen. Ich persönlich habe viele Hobbies (2x pro Woche Sport, BigBand, Blaskapelle, etc.) und mache auch meine Hausaufgaben zuverlässig, habe weder schlechte Noten, noch ein einziges Mal wiederholt. Allerdings muss ich einräumen, dass ich viele Schüler kenne, die mit dem Druck nicht zurechtkommen. Aber was passiert mit denen? Sie wiederholen eine Klasse oder werden auf die Realschule, in manchen Fällen auf die Hauptschule zurückgestuft. Was geschieht mit ihnen? Sie machen einen Spitzenabschluss auf ihrer Schule und sind froh mit der Entscheidung, gewechselt zu haben. Das ist meiner Meinung nach der Punkt. Schüler, die mit dem Druck nicht klarkommen, haben keine Chance auf individuelle Förderung, da für so etwas schlichtweg keine Zeit übrig ist. Nicht unbedingt das achtstufige Gymnasium ist Schuld, sonder der volle Lehrplan, in dem viel zu vertiefter Stoff angeboten wird. Das ist möglicherweise auch der Grund, warum Schüler mit Schwächen in speziellen Fächern einfach keine Chance mehr haben. Und zu wissen, wie eine Mitose abläuft, aber keine Ahnung haben, wie die Länder in Europa heißen ist schwach..
von Klara, am 10.12.2008 20:57
Hallo,ich verstehe auch nicht, warum teilweise so negativ über G8 gesprochen wird.Ich habe bis zu meinem 12. Lebensjahr in Jena (Thüringen) gewohnt, wo es, wie auch schon erwähnt, nie etwas wie G9 gab.Die 5./6. Klasse bin ich also dort zur Schule gegangen und hatte weder schulische noch sonstige Probleme. Und nachmittags hatte ích außerdem noch Zeit, um diversen Hobbies nachzugehen. Das Hausaufgabenpensum war ebenfalls in Ordnung.Nach dem Umzug nach Mainz, bin ich dort in die 7. Klasse gekommen, wo ich von den vielen Hausaufgaben erstmal ziemlich überrascht war. Nach sechs Wochen bin ich in die nächt höhere Klasse gesprungen, also in die 8. Physik hatte ich in Jena schon ab der 6, Geschichte ab der 5 - das war also überhaupt kein Problem, in den anderen Naturwissenschaften und Mathe konnte ich ohne große Schwierigkeiten einfach mitmachen. In den Sprachen musste ich den Stoff der 7. Klasse halt aufarbeiten, aber auch das ging.Nach eins, zwei Monaten war ich wieder Klassenbeste und nach der 9. Klasse habe ich auf ein Oberstufengymnasium in Hessen gewechselt, bei dem alle die 10. Klasse überspringen. Wenn ich dann in zweieinhalb Jahren mein Abitur habe, hätte ich "G7" absolviert.Ich halte G9 für unnötig. Der Stoff wird einfach nur ewig durchgekaut und es werden außerdem viele Schüler durchs Gymnasium geschleppt, die vielleicht dort gar nicht hingehören. Wenn man den Stoff in den 8 Jahren nicht hinbekommt, dann schafft man das auch nicht in 9.Und die anscheinend auftretenden Depressionen, Stresssituationen, Zeitmängel,... liegen nicht an G8 sondern höchstens an einer schlechten Umsetzung.
von Ben, am 24.07.2009 18:18
Was heisst, auch wenn viele Schüler garnicht da hingehören ? Jede verdient ne Chance auf Bildung, G8 trägt das Problem mit sich, dass nur Schüler, welche unter wohlabenden und stressfreien Bedingungen wohnen, die besseren Chancen haben. Ich bin gerade in G8 11ten Klasse und habe 4 mal nachmittags Unterricht, d.h. ich kann gerade mal 1 mal in der Woche weg, da ich auch am Wochenende lernen muss.
von Charlotte, am 30.11.2009 18:54
Momentan bin ich in der 11.Jahrgangsstufe eines Gymnasiums in Bayern. Meiner Meinung nach ist das G8 viel zu schlecht organisiert. An sich waere die Idee eines acht jaehrigen Gymnasiums nicht so schlecht, aber an der Umsetzung hapert es noch. Da ich im ersten Jahrgang bin, der in Bayern das G8 hat(also die Versuchskaninchen), spuere ich es gerade am eigenen Leibe. Keiner hat so richtig bescheid gewusst, wie alles werden wuerde. Die Buecher wurden erst kurz vor Schulbeginn gedruckt. Teilweise bekamen wir unsere Buecher erst Wochen nach Schulbeginn. Ich habe 37 Wochenstunden, deutlich mehr als die Schueler des G9 und wir lernen gerade den Stoff, den die anderen erst zwei Jahre spaeter lernen wuerden. Fuer Hobbies habe ich absolut keine Zeit mehr. Ich komme aus der Schule nach Hause und muss noch stunden lang Hausaufgaben machen und lernen. Ich lerne wirklich viel, aber es bringt mir nichts. Trotz allem Lernaufwand schreibe ich schlechte Noten. So geht es aber nicht nur mir, beispielsweise in Mathe haben unsere Arbeiten immer einen Schnitt von 4-5 Punkten, auch in den anderen Faechern gehnt es nicht viel besser. Meiner Meinung nach macht das G8 krank. Man ist nur am lernen und hat ueberhaupt keine Freizeit mehr. Mit der Zeit hat man einfach keine Motivation mehr. Man will einfach nicht mehr lernen, kann einfach nicht mehr, man ist voellig ausgebrannt. Ich sehe es an mir selbst, ich bin nur noch schlecht drauf und deprimiert. Bis her hatte ich eigentlich keinerlei Probleme mit dem G8, ich war immer relativ gut in der Schule. Erst seit diesem Jahr faellt der Unterschied zum G9 stark auf. Es ist zwar normal, dass es in der Oberstufe mehr tun muss und es schwer ist, aber der Unterschied zum G9 ist dennoch enorm. Schueler aus der Zwoelften Klasse, die also ein Jahr aelter sind als wir, haben viel weniger Unterricht und den Stoff, den sie lernen haben wir zum Teil schon in der Zehnten gemacht.
von Ronja D., am 12.01.2010 14:36
ich frage mich wohin das führt?! wir haben keine freizeit und sind nur noch mit der schule und lernen beschäftigt! Selbst die Lehrer haben große Probleme, da wir viel zuviel stoff in so kurzer zeit lernen müssen. Außerdem: wenn man alles so schnell lernt bleibt nichts hängen und bei der jobsuche läuft alles schief... » Kommentar schreiben
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