(bikl) Für 2,7 Millionen Schülerinnen und Schüler in NRW gibt es heute Zeugnisse, dabei werden zum ersten Mal auch die umstrittenen Kopfnoten verteilt. Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Selbstständigkeit, Verantwortungsbereitschaft, Konfliktverhalten und Kooperationsfähigkeit – all das haben die Lehrer nun bewertet – mit vier verschiedenen Noten: "sehr gut", "gut", "befriedigend" und "unbefriedigend". Die Regelung gilt ab der dritten Klasse.
Für die neue Notengebung hat Schulministerin Sommer den Schulen sogar einen zusätzlichen Konferenztag zugestanden, und das heißt schulfrei für die Schüler oder mit anderen Worten: Unterrichtsausfall.
Kopfnoten waren bis in die siebziger Jahre noch bundesweit üblich, sie wurden dann abgeschafft, erleben aber in den letzten Jahren in etlichen Bundesländern wieder ein Comeback, obwohl sie weitgehend umstritten sind.
Etliche Schulen haben sogar eine besondere Art des Protests gefunden: Sie haben sich dafür entschieden, allen Schülerinnen und Schülern einheitlich dieselbe Note zu geben.
Die Bedenken der Wissenschaft fasst Prof. Dr. Wolfgang Edelstein, ehemaliger Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, zusammen: "Im Übrigen ist das Problem der Kopfnoten vielfach und intensiv diskutiert worden: dass sie statt individualisierender Anerkennung standardisierte Urteile aussprechen."
Gegen Kopfnoten gehen morgen die Schüler in Nordrhein-Westfalen auf die Straße, die Landesschülervertretung (LSV) Nordrhein-Westfalen hat zu einer zentralen Schülerdemonstration in Düsseldorf aufgerufen. "Kopfnoten sind kein vernünftiger Umgang miteinander", erklärte Horst Wenzel vom LSV. "In den Schulen muss sich eine menschliche Feedback-Kultur entwickeln, dafür sind die Kopfnoten ungeeignet."
Heftige Kritik kommt auch aus der Lehrerschaft. "Die anhaltende Kritik aus den Schulen zeigt, dass die Kopfnoten den Praxistest offenbar nicht bestehen", so Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft VBE in Nordrhein-Westfalen.