Der richtige Weg in den Beruf
Wie gut ist die Bildungsberatung?
Mehr zu: Berufsberatung, Berufsorientierung, Deutschland, didacta - die Bildungsmesse, Schavan, Stiftungen, Studienberatung, Berufliche BildungBiologiemodellmacher, Chirurgiemechaniker oder Weinküfer – rund 350 Ausbildungsberufe gibt es in Deutschland und Studienwillige können sogar zwischen rund 10 000 Studiengängen an den bundesdeutschen Hochschulen wählen. Damit die Wahl zwischen all diesen Angeboten für die Schüler nicht zur Qual wird, sind qualifizierte Beratungs- und Informationssysteme gefragt.
Tatsächlich existiert in Deutschland ein breit gefächertes Angebot an Beratungseinrichtungen, angefangen von der Bundesagentur für Arbeit über Handwerks-, Industrie- und Handelskammern, Schulen und Hochschulen bis zu speziellen Beratungsangeboten für Mädchen oder Migranten. Auch private Anbieter tummeln sich mehr und mehr auf diesem Markt.
Ein dichtes Netz also an Beratungsangeboten - doch wie tragfähig ist es? Das wurde im vergangenen Jahr gleich zweifach untersucht: zum einen von der Stiftung Warentest und zum anderen durch eine Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).
Zu viele Abbrecher
Die Stiftung Warentest hatte 60 Schüler in die Berufsberatung der Arbeitsagenturen geschickt. Das Ergebnis war ernüchternd. Die Hälfte der Tester war nicht zufrieden. Meist gingen die Berater zu wenig auf die Wünsche der Schüler ein und machten kaum praktische Vorschläge. Kommunale Berater, Studienberatungsstellen und Kammern kamen etwas besser weg. Auch private Berater erhielten zufriedenstellende Noten, hier hat die Beratung allerdings auch ihren Preis.
Auch das BMBF wollte wissen, wie es um den Beratungsmarkt steht. Schließlich wird in Deutschland fast ein Viertel aller Ausbildungsverträge vorzeitig abgebrochen und knapp 25 Prozent der Studierenden verlässt die Hochschule ohne Abschluss. Wenn auch nicht allein mangelnde oder falsche Beratung Grund für eine fehlerhafte Ausbildungswahl sind, eine Mitverantwortung liegt sicherlich bei den Beratungsinstitutionen.
Eine große Zahl von Akteuren, so heißt es in der Studie des BMBF, böten insbesondere für den Übergang von der Schule in die Ausbildung Angebote an. Kritisiert wird, dass der Verpflichtung etlicher Einrichtungen, entsprechende Beratungsleistungen anzubieten keine Verpflichtung der Ratsuchenden gegenüberstehe, diese Beratung in Anspruch zu nehmen. Zudem liege der Arbeitsschwerpunkt der meisten Einrichtungen auf anderen Aufgaben. Beratung stelle für sie lediglich eine Nebenleistung dar.
"Um die Leistungsfähigkeit unseres Bildungssystems zu verbessern und lebenslanges Lernen effektiv zu fördern, brauchen wir einheitliche Qualitätsstandards in der Beratung", erklärte Bundesbildungsministerin Annette Schavan bei der Vorstellung des knapp 400 Seiten dicken Studie. Sie verschwieg jedoch, wie diese Standards erreicht werden sollen.
"Berufsvorbereitung dramatisch unterentwickelt"
Dass es um die Berufs- und Ausbildungsberatung in Deutschland nicht zum Besten steht, war allerdings bekannt, bevor Stiftung Warentest und das BMBF das Thema entdeckt hatten. So hatte das Berliner trendence Institut im "Schülerbarometer-2006" ermittelt, dass deutsche Schüler in erster Linie von einem Job als Polizist, Journalist oder Soldat träumen. Diese stark eingeschränkten Berufsvorstellungen waren für Berufsforscher ein Grund zur Sorge. "Die Studie bestätigt, wovor wir schon lange warnen", erklärte damals Felix Rauner, Professor am Institut für Technik und Bildung an der Universität Bremen. "Sie zeigt einmal mehr, dass Berufsorientierung und Berufsvorbereitung in Deutschland dramatisch unterentwickelt sind."
Doch auch bei den Studierwilligen sieht es nicht viel besser aus. So belegte eine Umfrage des Hochschul-Informations-System HIS unter Abiturienten im Jahr 2006, dass zwar mehr als die Hälfte der Studienberechtigten spätestens mit Eintritt in die Oberstufe mit der nachschulischen Bildungsplanung begonnen hatte, ein knappes Viertel stufte allerdings die unbefriedigende Vorbereitung auf die Ausbildungswahl in der Schule als problematisch ein.
Positiv vermerkt wurde, dass Medien verschiedenster Art (Internet, Bücher, Zeitschriften, TV) sich als gut zugängliche, häufig genutzte Quellen erwiesen. Insbesondere das Internet wurde von nahezu allen Studienberechtigten zur Informationsbeschaffung herangezogen.
Ein deutlicher Hinweis, dass bei den Qualitätsstandards für die Berufs- und Studienberatung auch das Informationsverhalten der Jugendlichen dringend berücksichtigt werden muss: Nicht nur die Beratung vor Ort muss weiter entwickelt werden, sondern auch das Informationsangebot im Internet.
Dazu auf der didacta 2008 in Stuttgart
- Tag der Bewerbungen am 23.02., 9:45 bis 17 Uhr, Forum Weiterbildung, Halle 7.
Weitere Informationen: www.bdvt.de
Der Beitrag "Der richtige Weg in den Beruf" ist abgedruckt im Themendienst 2 zur didacta 2008, der zum Download (.pdf) bereitsteht unter
In allen Lebensbereichen lässt sich der Mensch mittlerweile beraten, sei es in der Ernährung, der Altersvorsorge oder bei der Steuererklärung. In der Bildung ist Beratung jedoch nach wie vor vollkommen unterentwickelt. Dabei geht es hier um eine sehr weit reichende Entscheidung, die fundiert getroffen werden sollte. Diese grundlegende Entscheidung für eine Berufs- oder Studienrichtung wird bestenfalls nur ein Mal im Leben getroffen, wohingegen eine Steuererklärung jedes Jahr erstellt werden muss.
Ein Semester kostet den Studenten im Schnitt ca. 4000. bis 5.000 Euro und den Staat je nach Studienbereich zwischen 2.100 Euro (BWL-Studium) und 15.000 Euro (Medizinstudium). Es wäre also auch ökonomisch sinnvoll, wenn die Studien- und Berufswahl nachhaltig getroffen wird. Entscheidet sich ein Student also falsch und bricht sein BWL-Studium nach 3 Semestern ab, dann hat das nach den obigen Zahlen insgesamt ca. 18.300 Euro gekostet.
Es ist mir unverständlich, wie junge Menschen mit dieser sehr komplexen Entscheidung allein gelassen werden. In anderen Ländern (Bsp. USA) gibt es professionelle Career Counsellor an den Schulen, die nichts anderes machen als junge Schulabsolventen in ihrer Studien- und Berufsentscheidung zu unterstützen. Eine vergleichbare Betreuung ist hier mehr als überfällig.
Patrick Ruthven-Murray
planZ Agentur für Bildungsberatung
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