Mathematiker fordern besseren Mathe-Unterricht
"20 oder 30 Prozent aus den Schulbüchern streichen"
Mehr zu: Jahr der Mathematik, Mathematik, Schavan, Wissenschaftsjahr, Schule(bikl/ots) Zwei führende deutsche Mathematiker haben in der ZEIT die Praxis des Mathe-Unterrichts kritisiert. In der morgen erscheinenden Ausgabe der Wochenzeitschrift fordern sie eine Entrümpelung des Fachs und einen lebendigeren Unterricht.
"Wenn ich mir heute die Schulbücher angucke, könnte ich 20 oder 30 Prozent leicht rausstreichen. Das braucht man alles gar nicht." sagt der Leiter des Fraunhofer-Instituts Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen (SCAI), Ulrich Trottenberg. Dagegen könnten die Computer, die mittlerweile in jedem Klassenzimmer stehen, vielfältig für mathematische Experimente mit Bezug zur Lebenswirklichkeit eingesetzt werden. Aber sie würden vorwiegend zum Internetsurfen und zur Textverarbeitung genutzt.
Der Vorsitzende der Deutschen Mathematiker-Vereinigung, Günter Ziegler, schlägt in dieselbe Kerbe. "Systematik muss sein. Aber der Mathe-Unterricht in der Schule ist ja nicht nur für die, die später Mathematik studieren wollen." Neben dem Formalismus müsse der Unterricht auch vermitteln, dass Mathe ein Teil unserer Kulturgeschichte sei. Und schließlich müssten die Lehrer in der Lage sein, aus der Mathematik zu erzählen – zeigen, dass sich das Fach mit aktuellen und lebensnahen Problemen beschäftige, auch wenn die Verfahren, die dabei verwendet werden, den Schulstoff übersteigen oder auch noch gar nicht vorhanden seien.
An diesem Mittwoch eröffnet Forschungsministerin Annette Schavan in Berlin offiziell das Jahr der Mathematik. Anders als in den vergangenen Wissenschaftsjahren soll im Mathe-Jahr ein Schwerpunkt darauf liegen, den Schulunterricht in diesem "Horrorfach" zu verbessern.
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