"Das Gymnasium ist noch selektiver geworden"
GEW-Vorsitzende kritisiert "unausgewogene und völlig verhunzte" Verkürzung der Schulzeit
Mehr zu: Deutschland, Europa, G8, Gymnasium, PISA (Studie), Schulorganisation, Schule(bikl) Als "unausgegorene und völlig verhunzte Reform" hat heute die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) die Verkürzung der Gymnasialzeit auf 8 Jahre (G8) in den meisten Bundesländern kritisiert. Angesichts der ernüchternden PISA-Ergebnisse hätten die Kultusminister Handlungsfähigkeit zeigen wollen, die bei PISA deutlich gewordenen Probleme seien aber durch die unausgegorene Reform noch größer geworden.
Die verkürzte Schulzeit in den Gymnasien stelle Kinder und Eltern unter noch größeren Druck. "Das Gymnasium ist so noch selektiver geworden", sagte die GEW-Expertin. Sie befürchte daher, dass die Zahl der Sitzenbleiber und freiwilligen Wiederholer weiter ansteigen werde.
Die Verkürzung der Schulzeit sei einseitig den Schuljahren 5 bis 9 aufgeladen worden, die bis tief in den Nachnmittag hinein unterrichtet werden müssten, um den Anforderungen der Lehrpläne zu genügen. Das laufe faktisch auf einen Ganztagsunterricht hinaus, für den allerdings ein organisatorisches und pädagogisches Konzept fehle.
Gleichzeitig lehnte die GEW-Vertreterin die Ankündigung des niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff ab, auf eine Reduzierung der Unterrichtsstunden bei der Kultusministerkonferenz (KMK) drängen zu wollen. Dadurch, so Demmer, sei ein weiterer Qualitätsverlust zu befürchten. "Innerhalb der Europäischen Union erhalten nur Schüler in Polen noch weniger Unterricht als in Deutschland", sagte Demmer und machte damit deutlich, dass sie allein in der Anzahl der Stunden nicht das Problem sieht.
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