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Lernen, leben und arbeiten in Europa

Der Europäische Qualifikationsrahmen soll´s richten

Mehr zu: Bildungswesen, didacta - die Bildungsmesse, Duale Ausbildung, Europa, Internationaler Austausch, Berufliche Bildung
06.02.2008 -

Mehr Mobilität in Europa, aber auch mehr Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Ausbildungswegen innerhalb der jeweiligen europäischen Staaten – das sind die Eckpunkte des EQF (European Qualifications Framework) - zu deutsch: Europäischer Qualifikationsrahmen (EQR).

Der Europäische Rat hatte sich im März 2000 in Lissabon zum Ziel gesetzt, die Europäische Union zum "wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt" zu machen und die Modernisierung der Bildungssysteme als einen entscheidenden Schritt dorthin definiert. Im Jahr 2002 haben dann die europäischen die Staats- und Regierungschefs auch einen Termin dafür festgesetzt: Bis zum Jahr 2010 soll Europa, was die Qualität seiner Bildungssysteme angeht, weltweit führend sein.

Drei Jahre später schließlich einigten sie sich auf einer Tagung des Europäischen Rates in Brüssel auf den Europäischen Qualifikationsrahmen - einen aus acht Stufen bestehenden Katalog, der Bildung europaweit vergleichbar machen soll. Diese acht Stufen reichen von grundlegenden allgemeinen Kenntnissen und Fertigkeiten (Stufe 1) bis zur Beherrschung eines hoch spezialisierten Wissensgebiets (Stufe 8). Die Mitgliedsstaaten erhielten die Aufgabe, eigene Nationale Qualitätsrahmen (NQR) zu erstellen.

Der Startschuss

Im November 2007 schließlich gab der europäische Kommissar für allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Jugend, Ján Figel', auf der Bildungskonferenz in Lissabon den Startschuss für den "Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) für lebenslanges Lernen": "Die Menschen in Europa stoßen zu oft auf Hindernisse, wenn sie in ein anderes Land ziehen, um dort zu lernen oder zu arbeiten. Bisweilen tauchen diese Hindernisse sogar dann auf, wenn die Menschen im eigenen Land von einem Bildungsniveau in ein anderes wechseln möchten, z. B. von der beruflichen in die höhere Bildung. Der EQR wird für eine bessere Lesbarkeit der Qualifikationen verschiedener europäischer Länder sorgen und so zu mehr Mobilität in Bildung und Arbeitswelt beitragen. Die EQR-Initiative hat einige Länder bereits dazu bewogen, nationale Qualifikationsrahmen zu entwickeln. Weil durch den EQR u. a. die Anerkennung von Lernleistungen leichter wird, dürfte er das lebenslange Lernen innerhalb der kommenden Jahre attraktiver machen."

Bis zum Jahr 2010 sollen nun die Mitgliedstaaten ihre nationalen Qualifikationssysteme an den Europäischen Qualifikationsrahmen koppeln und ab 2012 sollen auch Zeugnisse und Diplome einen EQR-Verweis tragen.

Sprachbarrieren

Der EQR, so die Kommission ganz vollmundig, soll "eine Art Übersetzungshilfe zwischen den mitgliedstaatlichen Qualifikationssystemen sein und es Arbeitgebern und Bildungseinrichtungen in ganz Europa leichter machen, die ihnen vorgelegten Qualifikationsnachweise zu verstehen und zu vergleichen."

Wie schnell allerdings die europäischen Bürger tatsächlich mobil werden, bleibt abzuwarten. Schließlich hatte der Jahresbildungsbericht 2007 der Europäischen Kommission den Ländern mangelndes Reformtempo im Bildungswesen bescheinigt. Unter anderem erlernen – entgegen der Forderung des Europäischen Rates von Barcelona (2002) – die meisten Schüler in der EU nach wie vor nicht frühzeitig mindestens zwei Fremdsprachen. Und Sprache ist nun mal eine entscheidende Voraussetzung für Mobilität.

Hintergrund

Die acht Kompetenzstufen des EQR

Stufe 1

Grundlegende allgemeine Kenntnisse und Fertigkeiten sowie die Fähigkeit, in einem strukturierten Kontext einfache Aufgaben unter direkter Anleitung auszuführen. Die Entwicklung von Lernkompetenz erfordert eine strukturierte Unterstützung. Diese Qualifikationen sind nicht berufsspezifisch und werden oft von Personen angestrebt, die noch keine Qualifikation besitzen.

Stufe 2

Ein begrenztes Spektrum an im Wesentlichen konkreten und allgemeinen Kenntnissen, Fertigkeiten und Kompetenzen. Die Kompetenzen werden in einem angeleiteten Kontext angewandt. Lernende lernen bis zu einem gewissen Grad eigenverantwortlich. Einige dieser Qualifikationen sind berufsspezifisch, die meisten umfassen jedoch eine allgemeine Vorbereitung auf Arbeit und Lernen.

Stufe 3

Eine breite Allgemeinbildung und fachspezifische praktische sowie grundlegende theoretische Kenntnisse; außerdem die Fähigkeit, Aufgaben nach Anweisung auszuführen. Lernende lernen eigenverantwortlich und verfügen über gewisse praktische Erfahrungen in einem spezifischen Arbeits- oder Lernbereich.

Stufe 4

Signifikante fachspezifische praktische und theoretische Kenntnisse und Fertigkeiten. Darüber hinaus die Fähigkeit, fachspezifische Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen anzuwenden, Probleme selbständig zu lösen und andere zu beaufsichtigen. Lernende lernen selbstgesteuert und verfügen über praktische Arbeits- und Lernerfahrungen in üblichen oder neuen Zusammenhängen.

Stufe 5

Breit angelegte theoretische und praktische Kenntnisse einschließlich Kenntnisse, die für einen spezifischen Arbeits- oder Lernbereich relevant sind. Darüber hinaus die Fähigkeit, Kenntnisse und Fertigkeiten zur Entwicklung strategischer Lösungen für genau definierte abstrakte und konkrete Probleme anzuwenden. Die Lernkompetenz auf dieser Stufe ist Grundlage für autonomes Lernen, und die Qualifikationen stützen sich auf operative Interaktionen in Arbeits- und Lernsituationen einschließlich Personenführung und Projektleitung.

Stufe 6

Detaillierte theoretische und praktische Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen im Zusammenhang mit einem Lern- oder Arbeitsbereich, die teilweise an die neuesten Erkenntnisse im jeweiligen Fachgebiet anknüpfen. Diese Qualifikationen umfassen außerdem die Anwendung von Kenntnissen in den Bereichen Formulieren und Vertreten von Argumenten, Problemlösung und Urteilsfindung unter Einbeziehung sozialer und ethischer Aspekte. Qualifikationen auf dieser Stufe umfassen Lernergebnisse, die für einen professionellen Ansatz bei Tätigkeiten in einem komplexen Umfeld geeignet sind.

Stufe 7

Selbstgesteuertes theoretisches und praktisches Lernen, das teilweise an die neuesten Erkenntnisse im jeweiligen Fachgebiet anknüpft und die Grundlage für eine eigenständige Entwicklung und Anwendung von Ideen – häufig in einem Forschungszusammenhang – darstellt. Diese Qualifikationen umfassen außerdem die Fähigkeit, Wissen zu integrieren und Urteile zu formulieren, die soziale und ethische Fragestellungen und Verantwortlichkeiten berücksichtigen und Erfahrungen mit der Bewältigung des Wandels in einem komplexen Umfeld widerspiegeln.

Stufe 8

Systematische Beherrschung eines hoch spezialisierten Wissensgebiets und die Fähigkeit zur kritischen Analyse und Synthese neuer und komplexer Ideen und die Fähigkeit, substanzielle Forschungsprozesse zu konzipieren, zu gestalten, zu implementieren und zu adaptieren. Darüber hinaus umfassen diese Qualifikationen Führungserfahrung im Bereich der Entwicklung neuer und kreativer Ansätze, die vorhandenes Wissen und die professionelle Praxis erweitern und erneuern.

Dazu auf der didacta 2008 in Stuttgart

  • EQF/NQF - Strategien und Umgang Dr. Georg Hanf, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) > 19.02., 12:00 - 12:30 Uhr, Forum Ausbildung/Qualifikation Halle 7 Stand A69

Der Beitrag "Lernen, leben und arbeiten in Europa" ist abgedruckt im Themendienst 2 zur didacta 2008, der zum Download (.pdf) bereitsteht unter

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